• vom 13.03.2018, 16:14 Uhr

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Update: 13.03.2018, 16:43 Uhr

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Sie traut sich: Christy Astuy (links - und rechts auch). "Ich heirate mich selbst."

Sie traut sich: Christy Astuy (links - und rechts auch). "Ich heirate mich selbst."© Paul Kolp Sie traut sich: Christy Astuy (links - und rechts auch). "Ich heirate mich selbst."© Paul Kolp

Jenseits von lang und weilig

(cai) Bekanntlich hat alles ein Ende, wohingegen die Wurscht gleich zwei Mal verendet. Nein, Tschuldigung: endet! Einmal vorne und einmal hinten. Das, was in der Galerie Crone rumliegt, ist definitiv keine Wurscht. Aber es hat zwei besonders lange Enden. Und unter dem spiegelnden Glanz kann man beim besten Willen nimmer erkennen, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Also wo die Schweißnaht ist, die sich irgendwo in der Mitte befinden muss. (Im Titel wird übrigens bloß ein Ende erwähnt: "Fin de Siècle." "Das Ende der Fahnenstange" wäre ja wirklich zu banal gewesen für dieses schlanke Stück Edelstahl.)

Tja, das Leben ist kurz, die Kunst ist lang. (Nämlich im vorliegenden Fall ganze sieben Meter.) Jetzt versteh ich diesen berühmten Aphorismus erst. Und der Tobias Hoffknecht hat jeden Zentimeter von seinem Opus Longum (seinem langen Werk) eigenhändig poliert. Der muss sich garantiert nicht fragen: "Wo woa mei Leistung?" Noch dazu ist die Megastange in voller Länge, unzerstückelt, von Düsseldorf nach Wien gebracht worden. Okay, der Rosemarie-Trockel-Schüler ist nicht selber am Steuer gesessen. Dafür hat er das imposante "Grissino" später am Zielort präzise einjustiert. Wie die restlichen vier minimalistischen Metallobjekte, die er eigens für diese Räume hier entworfen (und poliert) hat. Ein Staberl mit einem menschlicheren Maß (1,70 Meter) muss Eckerlstehen. Neben einer - Bank? (Titel von Letzterer: "Warm but hungry." Warm, aber hungrig? Warum "aber"?) Und auch abstrakte Rundungen können sexy sein. Wie die einer schlichten Kapsel.

Keine Gebrauchsgegenstände, können tun die glatten Dinger trotzdem was: ihre Umgebung spiegeln. Sie dabei lustig verzerren. Und das machen sie verdammt gut. Spielsachen fürs Aug?

Galerie Crone Wien

(Getreidemarkt 14)

"Immature", bis 21. April

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Frisch verlippt

(cai) Malerinnen (und die Mal-er natürlich ebenfalls) sind nicht zwangsläufig nasale Charaktere. Wieso zwangsläufig? Und wieso nasal? Na ja, weil man halt auch mit der Nase malt. Wegen dieser Dämpfe in den Ölfarben. Die können richtig süchtig machen. Und wie ist das nun bei der Christy Astuy? Ihre Kunst hat jedenfalls eine deutliche orale Note.

Die Bilder schmecken nach Erdbeeren und man darf sie abschlecken? Blödsinn. Man fühlt sich von der Künstlerin abgebusselt. Oder angeschwiegen. Ihre geradezu kussweich gemalten (geschlossenen) Lippen sind nämlich allgegenwärtig in der Galerie Jünger. Als galaktische Liebesbezeigungen tauchen sie am Nachthimmel auf. Und auf der Erde verschlingen sie oft sogar das komplette Gesicht. (So gefräßig sind sonst nur die aufgespritzten Exemplare. Dass sie also vom Rest der Physiognomie nichts übriglassen.) Wie Köpfe balancieren sie auf den Hälsen. Von koketten Amazonen zum Beispiel. (He, die haben ja gar nix gegen Männer. Ihre Pferde sind eh . . . Hengste.) "Santa": die Raucherheilige? In jeder Hand ein Tschick, dazwischen schwebt der saugbereite Mund. Vor dem Goldgrund wird der Zigarettenqualm zum dekorativen Weihrauch. Oder zur Vergangenheitsbewältigung? ("Ich hab sehr viel geraucht früher.")

Überhaupt ziemlich persönlich und intim, die Arbeiten. Trotz der ikonischen Strenge und der altmeisterlichen Optik. Eigentlich lauter Beziehungsgeschichten voller Humor und Selbstironie. Dabei setzt sich die in Wien (und in einem Häuschen mit Paradiesgärtlein in Umbrien) lebende Kalifornierin gern mit der Kunstgeschichte auseinander. Oder sich kurzerhand auf diese drauf. Malt sich einer viktorianischen Elfe einfach töchterlich auf den Schoß. Oder sie nimmt sich als Madonna einen Verflossenen zur Brust, wickelt ihn mütterlich in Babyspeck. Am Ende hält sie geläutert um ihre eigene Hand an. Erotische Madonnen, Picasso, sie selbst, andere, die Natur - alles verdichtet sich zu einem rätselhaften Kosmos. Nicht weniger sinnlich in den "iPad Drawings". (Digitale Collagen, die sich auf Papier materialisieren.) Eine orale Reaktion scheint unvermeidlich. (Lächeln.)

Galerie Jünger

(Paniglgasse 17a)

"Goldkind", bis 21. April

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 14 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-13 16:17:46
Letzte Änderung am 2018-03-13 16:43:48


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