• vom 18.03.2018, 08:00 Uhr

Kunst

Update: 18.03.2018, 08:17 Uhr

Ausstellungskritik

Der Großstadtvisionär




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Wien Museum würdigt Stararchitekt Otto Wagner zum 100. Todestag mit einer sehenswerten Großausstellung.



Galt als Radikal: Otto Wagner, porträtiert von Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf im Jahr 1896.

Galt als Radikal: Otto Wagner, porträtiert von Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf im Jahr 1896.© Wien Museum Galt als Radikal: Otto Wagner, porträtiert von Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf im Jahr 1896.© Wien Museum

Nach 55 Jahren widmet das Wien Museum Otto Wagner (1841- 1918) eine Ausstellung, für die sogar die Schausammlung im ersten Stock weichen musste. 1963 hatte der Kunsthistoriker Otto Antonia Graf die erste konzipiert. Erstmals wird aber Wagners Frühwerk ab den 1860er Jahren stärker gewürdigt, und nicht nur die Rolle des modernen Architekten beleuchtet, der um 1900 vom Künstlerhaus in die Secession übertrat. Damals war er bereits seit 1894 Professor an der Akademie und hatte mit der Stadtbahn Großstadtplanung in Angriff genommen. Die Klassik Theophil Hansens behielt Wagner als Vorliebe gegenüber den neobarocken Tendenzen der Ringstraßenzeit; revolutionär war aber seine Vorstellung eines Nutz- und Zukunftsstils mit modernen Materialien wie Aluminium (statt Silber) oder Tombak (einer Kupferlegierung statt Gold). Den Stararchitekten der Secession sprach Hans Tietze bereits "Welthaltigkeit" zu und Josef Strzygowski verglich das bunte Majolikahaus an der Wienzeile mit einer türkischen Moschee.

Erstmals rund die Hälfte der 1000 Objekte ausgestellt

Information

Ausstellung
Otto Wagner
Eva Maria Orosz, Andreas Nierhaus (Kuratoren)
Wien Museum
bis 7. Oktober

Da der Großteil von Wagners Nachlasses ins Wien Museum kam, werden erstmals etwa die Hälfte der 1000 vorhandenen Objekte und Pläne präsentiert. Die Kuratoren Eva Maria Orosz und Andreas Nierhaus haben geschickt Details von Wagners Ausstellungsarchitekturen für die Secession und Weltausstellungen aufgenommen, teils schräge Wände und Podeste für die einzelnen Modelle wechseln mit Vitrinen, Film und Fotografie ab. Eine moderne Art der Vermarktung hatte Wagner bewusst selbst eingesetzt, wie er neben Plänen auch Möbel und viele Gebrauchsgegenstände bis in Tapeten, gläserne Badewannen und Haarbürsten selbst komplett durchgestaltet hat. Das ist eine der vielen Neuentdeckungen, die seit den ersten größeren wissenschaftlichen Publikationen um 1970 hier und im umfangreichen Katalogbuch zu finden sind.

Etliche Verluste der Wagner-Originale

Wagners wunderbare Gipsmodelle werden ergänzt durch spätere Rekonstruktionen wie die Fassade des Depeschenbüros "Die Zeit" in der Kärntner Straße, die neben anderen Modellen 1985 für Hans Holleins Festwochenausstellung "Wien um 1900" von Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz rekonstruiert wurde. Das Original wurde zerstört, es gibt also viele Verluste, noch in den 1960er Jahren riss man Stadtbahnstationen nieder oder baute neben Wagners Lieblingsprojekt, dem Nussdorfer Wehr, 1964 eine Hochstraße und machte seine Konstruktion funktionslos. Dass man den beiden Löwen von Rudolf Weyr auf den Brückenpfeilern dabei sehr nahekommt, erinnert an die Anekdote, einer von ihnen habe Wagners Gesichtszüge, die wohl bereits von ihm genährt wurde.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-16 16:24:05
Letzte Änderung am 2018-03-18 08:17:33


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