• vom 20.03.2018, 15:54 Uhr

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Update: 20.03.2018, 17:30 Uhr

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Puzzle für die Füße: Mit denen sucht man sich den idealen Ort zum Schauen. "Perfect Angle" von Hans Kotter.

Puzzle für die Füße: Mit denen sucht man sich den idealen Ort zum Schauen. "Perfect Angle" von Hans Kotter.© Galerie Michaela Stock Puzzle für die Füße: Mit denen sucht man sich den idealen Ort zum Schauen. "Perfect Angle" von Hans Kotter.© Galerie Michaela Stock

Nicht auf den Sturm schießen!

(cai) Was hat es zu bedeuten, wenn jemand seine Wände mit Hangerln volltapeziert? Keine Ahnung. Aber es soll was mit dem Hurrikan Irma vom Vorjahr zu tun haben. (Und eigentlich sind das nicht "seine" Wände, die gehören der Gabriele Senn Galerie.)

Um eine energetische Reinigung handelt es sich jedenfalls nicht. Im Krankenhaus Nord, wo grad eine stattgefunden hat, schaut’s nämlich nicht so aus. Außerdem haben nicht irgendwelche schmutzigen negativen Energien diese Flecken in die Hangerln hineingemacht, das ist Farbe. Energetisiert hat der Max Schaffer die Geschirrtücher freilich irgendwie schon. Durch Abbinden. (Die klassische Batiktechnik.) Und jetzt kleckst sich ein abstrakter Expressionismus naturgewaltig durchs biedere Karomuster und hat dabei eine gewisse Ähnlichkeit mit Satellitenbildern von Wirbelstürmen.

Wie dunkle Wolken decken die düsteren Tücher das Weiß der Wände zu. Abweisend: die Nistkästen ohne Flugloch. Das Ende der Willkommenskultur? Dafür sind die Gummimatten da umso durchlöcherter. An denen haben sich allerdings keine frustrierten Vögel abreagiert (mit ihren Schnäbeln), das waren Kugeln. Echte. Eine Anspielung auf eine Warnung der Polizei in den USA, bitte nicht zu versuchen, Irma zu erschießen ("Don’t shoot at the storm!"). Denn die würde zurückballern. Dürfte derselbe Effekt sein, wie wenn man aus dem Zugfenster spuckt. Gegen den Fahrtwind. Und trotzdem hätten sich wohl nicht viele für das Event "Let’s show Irma that we spit first" interessiert.

Ziemlich verwirrend. Mit Geschirrtüchln eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, ist aber durchaus eine beeindruckende Leistung. Ich hab direkt fühlen können, wie sich mein subjektives Sicherheitsempfinden verschlechtert hat.

Gabriele Senn Galerie
(Schleifmühlgasse 1a)
Max Schaffer, bis 21. April
Di.- Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 -16 Uhr

Welche Farbe hat die Unendlichkeit?

(cai) Der Mond kommt ja auch in der Nacht am besten zur Geltung. (No na. Wann sonst?) Also wenn es finster ist. Drum ist es doch nur logisch, dass man das Licht ausmacht, bevor man sich die Sachen vom Hans Kotter anschaut. (Der Erdtrabant hat natürlich nicht so geile Farben wie diese. Und eine praktische Fernbedienung gibt’s für den ebenfalls nicht. Zum Einstellen der Lichtstimmung.)

Und wie hat die Michaela Stock jetzt das Problem gelöst, dass ihre Galerie tagsüber offen hat und es dann blöderweise hell ist? Na ja, sie hat halt die Fenster verdunkelt. Vom Hauptraum. Und alles nebenan im "Next Door" bleibt einfach die ganze Nacht über eingeschaltet. In der Früh soll es übrigens immer wieder verdächtige Spuren auf den Fensterscheiben dort geben. Von plattgedrückten Nasen eventuell. (Nicht, dass Kotters Kunst schuld an der aktuellen Schnupfenepidemie in Wien wäre.)

Einen Würfel aus sechs Plexiglasplatten zusammenzupuzzeln, das ist ja wohl keine Kunst. Außer man macht es so wie der Deutsche. Der hängt alle Flächen hintereinander auf. Noch dazu unterschiedlich große. (Okay, streng genommen handelt es sich um einen länglichen Quader, keinen würfeligen.) Und erst vom idealen Betrachterstandpunkt aus vereinen sich die leuchtenden Linien auf dem Plexi zum sauberen Schrägriss, der in der Luft zu schweben scheint.

Kotters Kunstrichtung ist sowieso der Perfektionismus. Mit Wow-Effekt. Man spechtelt in eine schlichte Box rein und plötzlich öffnen sich da drin Gänge, durch die lauter Lichtmuster wandern. Jedes Kastl ein LED-Universum. Eine Bühne für eine Lichtshow. Ein Raum-Zeit-Kontinuum. Intensive Farben. Ein Fernseher empfängt vielleicht mehr Programme, aber kann der einen hypnotisieren?

Viermal das Symbol für die Unendlichkeit (dieser umgekippte Achter), das ergibt? 32? Nein, eine Blüte. Und die blüht, gespiegelt, tief in die Dunkelheit hinein. Ach, deshalb "Leuchtende Unendlichkeit". (Ausstellungstitel.) Wegen dem Unendlich-Zeichen! Und das leuchtet! In der Nacht sind alle Blumen grau? Falsch. Nicht alle. Bloß die ohne Farbwechsler.

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
Hans Kotter, bis 12. April
Di., Mi.: 16 - 19 Uhr
Do., Fr.: 11 - 19, Sa.: 11 - 15 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-03-20 15:59:51
Letzte Änderung am 2018-03-20 17:30:41


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