Egon Schieles "Weiblicher Rückenakt" aus 1917. - © Oö. Landesmuseum
Egon Schieles "Weiblicher Rückenakt" aus 1917. - © Oö. Landesmuseum

Mit leuchtend grünen Augen blickt die Frau selbstbewusst, ein wenig schaut sie ins Leere, als distanzierte sie sich von ihrem Gegenüber. Rote Bäckchen auf elfenbeinfarbener Haut, das Gesicht gelbgold umrahmt. Die übrigen Farben bleiben der Fantasie überlassen, es sind nur wenige Striche, die den restlichen Oberkörper der Frau andeuten. Das Gemälde "Frauenkopf" von Gustav Klimt (1917) blieb unvollendet, es wurde bei seinem Tod 1918 in seinem Atelier gefunden und ist eine seiner letzten Arbeiten.

Vor 100 Jahren ging nicht nur der Erste Weltkrieg zu Ende und überließ Europa in Schutt und Asche, in diesem Jahr ging auch eine weitere Epoche zu Ende. 1918 starben gleich mehrere Vertreter der Wiener Moderne: Egon Schiele, Gustav Klimt, Koloman Moser und auch Otto Wagner starben alle innerhalb dieses Jahres. Den ersten drei Künstlern widmet das Kunstmuseum Lentos Linz unter dem Titel "Gesammelte Schönheiten" eine feine, lehrreiche Ausstellung. Während sonst die großen Jahresausstellungen des Lentos im weitläufigen Obergeschoß stattfinden, ist diese Schau einmal im Untergeschoß angesiedelt. Grafiken und Skizzen werden hier im etwas abgedunkelten Raum gezeigt, im Obergeschoß wird die Ausstellung noch durch wenige großformatige Gemälde wie jenes von Trude Engel ergänzt.

Reigen an Würdigungen

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade zwei Schulklassen gleichzeitig durch die Ausstellung geführt werden: Die einen werden über den Entstehungsprozess von Gemälden, die anderen über die markanten Unterschiede zwischen Schiele und Klimt unterrichtet. Die Ausstellung, die sich in diesem Jahr in einen Reigen der Würdigungen für Klimt, Schiele und Moser reiht, hat sich eine besondere Nische gesucht: Die Werke, die großteils aus den eigenen Sammlungen (Lentos und Nordico sowie aus der Landesgalerie) stammen, zeigen Skizzen und Vorarbeiten zu berühmten Gemälden und zeigen so die Entstehungsphasen und Arbeitsprozesse der Künstler. Darunter ist auch die Grafik "Zwei Liegende", ein Spätwerk Klimts, das 50 Jahre lang verschollen war und nun erstmals wieder gezeigt wird. Die Zeichnung, die zwei halbnackte Frauen in mitten von Tüchern und Decken darstellt, war möglicherweise Vorstudie für das zerstörte Gemälde "Die Freundinnen". Die Linzer Künstlerin Olga Jäger übergab es 1951 Wolfgang Gurlitt, dem Leiter der Neuen Galerie der Stadt Linz als Leihgabe. Die Neue Galerie verlieh später das Bild an die Wiener Albertina, die es 1964 zurückstellte. Seitdem blieb das Bild verschollen. Mittlerweile stellte sich heraus: Die Sekretärin des damaligen Leiters der Neuen Galerie Walter Kasten nahm das Bild an sich und verfügte, es nach ihrem Tod der Stadt zurückzugeben. Im Jänner 2018 brachte ein Rechtsanwalt der Verstorbenen das Bild ins Lentos Kunstmuseum.

Zwar kein Kriminalfall, aber immerhin ein sagenumwobenes Bild, wird im Obergeschoß beleuchtet. Das "Bildnis Trude Engel" wird freihängend gezeigt, um ein markantes Merkmal des Bildes zu zeigen: den Messereinstich, den Trude Engel dem Bild in Rage über ihre Darstellung versetzt hatte und der hinten verklebt und vorne übermalt wurde. Für die Ausstellung wurde das Bild kunsttechnologisch untersucht, eine Röntgenaufnahme offenbarte, dass unter dem Bild bereits ein anderes Bild war und Schiele eine alte Leinwand verwendete. Der Vater von Trude, der Zahnarzt Hermann Engel, verschenkte das Bild noch während des Krieges - Wolfgang Gurlitt kaufte es im Jahr 1953.

Gesammelte Sammler

Die Ausstellung "1918 - Klimt - Moser - Schiele" stellt auch die Sammler vor, die die Basis für die Bestände der Linzer Museen schufen: Neben Wolfgang Gurlitt sind das Walther Kastner, Otto Gerstl und Hellmut Czerny. Ihre Lebensläufe sind Teil der Präsentation im Untergeschoß, die auch das Erbe behandelt, das das Lentos Kunstmuseum von Sammler Wolfgang Gurlitt übernommen hat, der bis heute kontrovers betrachtet wird. Das Museum betreibt seit Jahrzehnten Provenienzforschung, veröffentlichte 1999 den ersten Bericht zur Sammlung Gurlitt. Seit 2007 besteht ein Arbeitskreis für Provenienzforschung, 2009 wurde Klimts "Ria Munk" restituiert.