• vom 10.04.2018, 15:57 Uhr

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Update: 10.04.2018, 16:07 Uhr

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Behauptet da etwa ein Rot, dieses Gelb wäre blau? Zweifarbenbild mit drei Farben. Von Josef Bauer. - © Rudolf Strobl, Courtesy: Josef Bauer, Krobath Wien

Behauptet da etwa ein Rot, dieses Gelb wäre blau? Zweifarbenbild mit drei Farben. Von Josef Bauer. © Rudolf Strobl, Courtesy: Josef Bauer, Krobath Wien

Handy sapiens

(cai) Woran merkt man, dass man Selfie-süchtig ist? Wenn man nach seiner eigenen Beerdigung plötzlich ein Handy aus dem Grab hält. Am ausgestreckten Arm.

Das ist ja genau wie in "Die Nacht der sich selbst fotografierenden Toten"! Nicht, dass dieser Zombiefilm schon gedreht worden wäre, aber obige Friedhofsszene käme sicher darin vor. Benjamin Nachtigall ("Der moderne Narziss schaut nicht in den Spiegel, sondern halt ins Telefon") hat sie jedenfalls aus Ton geformt: "Das letzte Selfie." Und die Startgalerie im MUSA ist jetzt voller "Smart Beings" (Ausstellungstitel). Smart Being: Neudeutsch für Homo sapiens? Nein. Außerdem herrscht inzwischen das Handy sapiens über den Planeten. Das Smartphone.

Überall lungern sie herum, die Keramikfiguren (auf Gerüsten, in Häusern . . .), und starren auf ihre Displays. Wie aus dem Leben gegriffen. Spontan herausgeknetet. Ein bissl grob, dafür mit Humor. (Die surrealen Zeichnungen sind düsterer.) Definitiv kein glatter Nippes-Kitsch. Okay, eine Artischocke oder halbierte Zitrone als Kopf ist nicht alltäglich. Aber witzig. Und das Obst und Gemüse (angebissener Apfel ist keiner dabei) hat erstaunlich viel Gesicht. Doch warum sind alle nackert? Weil diese "Me, My Selfie, and I"-Typen (I - ist das nicht irgendwas von Apple?) überhaupt kein Schamgefühl mehr besitzen? Sogar Fotos von ihrem Essen posten? Die halten sich zumindest nirgends die Hände vor. Tut der "David" vom Michelangelo ja ebenfalls nicht.

Gut, nicht jeder ist ein "Smombie" (Smartphone-Zombie). Manche haben auch Tablets oder Laptops. Oder nix. Vielleicht nicht einmal Facebook-Freunde. Und einer geht statt mit dem Handy mit dem Hundi raus. Mit der Lilly vom Künstler. Die hat ihren eigenen Kopf behalten dürfen. Hunde (und Katzen) sind eben kein Gemüse.



Startgalerie im MUSA
(Felderstraße 6 - 8)
"Smart Beings", bis 19. April
Di. - So.: 10 - 18 Uhr

Ein Blau sieht rot

(cai) Der zeigt es uns aber, der Josef Bauer. Und was? Na ja, ein Messer, ein Kreuz . . . (Auf einmal wirkt das christliche Symbol wie eine gefährliche Drohung.) Alles Mögliche wird ostentativ ins Bild gehalten. Als sollte der Betrachter die Dinge reflexartig benennen. Nach dieser Fotoserie von 1969 heißt nun die Ausstellung in der Galerie Krobath: "Die Sprache des Herzeigens." Nur halt ohne "Her-". Ums Begreifen geht’s da. Intellektuell und handfest. Um Sinn und Sinnlichkeit. Klingt wie ein Roman von Jane Austen, hat allerdings mehr mit der konkreten Poesie zu tun. Sprache als Material. Gedanken und Wörter manifestieren sich in einer rohen Ästhetik, verdichten sich mit Witz zur plastischen, malerischen oder performativen Geste. Und überall Fundstücke aus der außersprachlichen Wirklichkeit. Okay, bei den Einkaufszetteln ist bloß das Papier außersprachlich. "Taktile Poesie": ein Slip, links davon die zupackende Hand des Künstlers (sie quetscht Spachtelmasse um einen Sackerlhenkel), rechts: ein Handschuh. Nach #MeToo liest man das ungefähr so: "Hashtag me, ich bin der Grapscher!" Elegant löst ein Zweifarbenbild (siehe Abbildung) folgende Aufgabe: Stelle die drei Primärfarben der Malerei mit nur zwei Farben dar. Angewandte Semiotik. Und weil man zwar mit den Augen schaut, aber mit dem Hirn sieht, kann man sich im Kopf aus diesen zwei/drei Farben sogar noch die restlichen zusammenmischen.

Spannende Einblicke ins Werk eines experimentierfreudigen Oberösterreichers (Jahrgang 1934), der seiner Zeit gern voraus war. Mit seinen "Körpernahen Formen" etwa. (Könnte man locker mit den viel späteren "Passstücken" vom Franz West verwechseln.) Quasi ein künstlerisches Frühchen.

Krobath Wien
(Eschenbachgasse 9)
Josef Bauer, bis 19. April
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-10 16:03:08
Letzte Änderung am 2018-04-10 16:07:35


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