• vom 23.04.2018, 16:43 Uhr

Kunst

Update: 23.04.2018, 16:57 Uhr

Ausstellung

Spiegelung und Gedächtnis




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Die Kunsthalle Krems präsentiert Axel Hüttes monumentale Fotoserien.

Natur mit der Kamera verzaubert: Axel Hüttes "Portrait#22" aus dem Jahr 2005. - © Axel Hütte

Natur mit der Kamera verzaubert: Axel Hüttes "Portrait#22" aus dem Jahr 2005. © Axel Hütte

Schon der Auftakt mit der Fotoserie "Majestic" von Axel Hütte im Oberlichtsaal der Kunsthalle Krems macht deutlich, dass der Schüler der legendären Fotoschule von Bernd und Hilla Becher in Düsseldorf ähnlich wie seine bekannten Kollegen Candida Höfer, Thomas Ruff oder Andreas Gursky bei einer mit der Malerei konkurrierenden Arbeit mit der Kamera angekommen ist. Vorbei sind die Jahre sachlich-dokumentarischer Aufnahmen seiner Freunde aus der Düsseldorfer Kunstszene der 1970er Jahre, die dann in der Pfeilerhalle den Anfang machen. Bei dieser kleinformatigen Farbfotografie hat Hütte damals die Gesichter der Porträtierten immer frontal ins Bildformat gesetzt. Neben Katharina Fritsch und Albert Oehlen taucht er auch selbst vor gemusterter Tapete auf.

Kurator Florian Steininger erzeugt keine Chronologien, eher Gegensätze, denn auch die bekannten Foto-Triptychen der Berliner U-Bahn aus den Jahren 1990 bis 1992 kommen wegen der Raumhöhen erst in der Galerie am Ende zu Wort. Darin spielt Hütte mit Symmetrien, aber auch Raumausschnitten, wobei zentral immer der Stationsname auf bunten Kacheln als flache Dokumentation nah ans Auge rückt, die seitlichen Raumecken weichen zurück. Diese Spiele mit Perspektiven beherrscht Hütte ähnlich wie die Maler des abstrakten Expressionismus mit der "Flatness" agiert haben.

Information

Ausstellung

Axel Hütte Imperial-Majestic-Magical Florian Steininger (Kurator) Kunsthalle Krems, bis 10. Juni

Wenn der Fotograf seine ausgeklügelten optischen Untersuchungen mit der altmodischen Plattenkamera erklärt oder auch seine beiden neuen, sehr minimalistischen Mehrfachvideoprojektionen, die genauso starke Wirkung auf die Betrachter ausüben, obwohl sich auch darin kaum was tut, außer dass sich Bilder von einem Wald auflösen wie fallender Schnee von Tannenzweigen. Hütte benützt dafür den Titel eines rätselhaften Musikstücks von 1967: "A whiter shade of pale" - eine Spur bleicher, von der Band Procol Harum wurde zur Eröffnung der neuen Psychedelikphase.

Schauen als Verführung

Im Text verbindet eine surreal offenbleibende Geschichte Erotik, Alkohol und romantisches Erobern des gefährlichen Meeres per Schiff. Das überträgt sich auf das Schauen als Verführung, welches einen schon in der "Majestic"-Alpenserie am Anfang erfasst. Furkapass, Ortler, Rettenbachferner oder Totenkopf, immer stehen reine Felswände und der "Wasserfall Brühl" im Wechsel mit Nebelsuppen, die alles malerisch verunklären. Stundenlang arbeitet der Künstler mit seiner ausgeklügelt aufgestellten Plattenkamera vor Ort, erst wenn Licht, Sichtbarkeit und Nebelschwaden genau für seine streng konstruktiv angelegten Bildausschnitte stimmen, wird für eine große Komposition abgedrückt. Die Ansichten strahlen daher eine fast gespenstische Ruhe aus, das alte Hotel am Furkapass etwa wächst wie eine seitliche Bühnenwand in weiße Leere.

Hütte hat in Amerika nicht nur Vertreter der abstrakten Malerei wie Christopher Wool und Ross Bleckner in Schwarzweiß und Dreiviertelprofil porträtiert, er spielte dabei mit den Unschärfestellen der Plattenkamera, die im Fall eines Ohres sehr verstörend auf die Gewohnheit vom Foto als klarem Abbild einwirkt. Noch mehr ist die Kombination von konstruktiv-abstraktem Konzept und malerischer Wirkung in Hüttes monumentalen Serien "Imperial" und "Magical" umgesetzt. Bei verschwommenen Spiegelungen auf Tümpeln, Akten oder bunt bekleideten Modellen, die Hütte wie in der Plattenkamera sichtbar, auf den Kopf stellt, geht es weniger um "Spiegelstadien" der Psychoanalyse, sondern um die Malerei als Spiegel. Das Umdrehen des Motivs und die ganze Idee zur Serie kamen durch die genauen Abläufe mit der Kamera.

"Imperial" schließlich ist eine für Krems geschaffene Serie, Ansichten aus österreichischen Klöstern und dem Belvedere, auch dem Wiener Winterpalais. Dabei printet er die meist frontalen Raumaufnahmen auf Metall oder Aluplatten, was über Malerei hinaus an alte Daguerreotypien erinnert - der Glanz mancher Details schlägt um zum Gefühl von Geschichte und wertvoller Speicherung unseres Gedächtnisses. Selbst im Aufbau der Wände und Lichtöffnungen für die Ausstellung hat Hütte selbst Hand angelegt: Ein Tüftler, der Architektur und Landschaft mit der Kamera verzaubert.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-23 16:48:23
Letzte Änderung am 2018-04-23 16:57:42


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