• vom 26.04.2018, 15:52 Uhr

Kunst

Update: 26.04.2018, 16:45 Uhr

Art Austria

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Von Christof Habres

  • Die 11. Art Austria im Palais Liechtenstein: Wildwuchs und Second-Hand-Kunstbasar.

Entdeckungen im Wildwuchs: Die Skulptur "... bin im Netz i1.1/F3", 2014, stammt von Rosemarie Lukasser.

Entdeckungen im Wildwuchs: Die Skulptur "... bin im Netz i1.1/F3", 2014, stammt von Rosemarie Lukasser.© Galerie Krinzinger Entdeckungen im Wildwuchs: Die Skulptur "... bin im Netz i1.1/F3", 2014, stammt von Rosemarie Lukasser.© Galerie Krinzinger

Wien. "Mehr Luft!" Als Besucher der 11. Art Austria ist man versucht, diese Forderung den meisten ausstellenden Galeristen und Kunsthändlern entgegenzurufen.

Hat der Messeorganisator Wolfgang Pelz im vergangenen Jahr beim erstmaligen Antreten der Messe im Palais Liechtenstein noch ausdrücklich betont, sich auf lediglich 40 Aussteller zu beschränken und dafür mehr Wert auf durchdachte und klar konzipierte größere Stände Wert zu legen, ist von diesem Ansatz bei der heurigen Ausgabe kaum mehr etwas zu bemerken.


Bei zahlreichen Galerien und Kunsthändlern herrscht eher das Prinzip der "russischen Hängung" vor - jeder Quadratzentimeter scheint mit Malerei, Zeichnungen, Collagen oder Fotografien besetzt und es manifestiert sich zunehmend der Eindruck, eher einem Kunstabverkauf beizuwohnen als einer ernsthaften Kunstmesse.

Kontrapunkte
Als krasses Beispiel mag hier der Kunsthandel Christian Baha Fine Art dienen: Der Hedgefondsmanager und Gründer der Superfund-Gesellschaft hat vor einigen Jahren seine Leidenschaft für zeitgenössische Kunst entdeckt. Also hauptsächlich für zwei Künstler - Friedensreich Hundertwasser und Gottfried Helnwein. Bei der Art Austria präsentiert er nun Großformate der beiden stilistisch gegensätzlichen Künstler, sehr eng nebeneinander gehängt in einem Kämmerchen. Da ringt der Besucher wirklich nach Luft.

Eine künstlerische Berg-und-Tal-Fahrt gegensätzlichster Qualitäten wird die Art Austria wahrscheinlich immer bleiben, was mit dem ursächlichen Konzept der Show zusammenhängt: Den Fokus auf österreichische Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart zu legen - und das ohne die Expertise einer erfahrenen Auswahljury für Galerien - birgt die unmittelbare Gefahr der Beliebigkeit, Oberflächlichkeit und desperater Qualitäten in sich. Jedoch steht ein Auswahlkomitee nicht zur Diskussion, da man bei restriktiveren Qualitätsansprüchen zwar die akzeptierten Galerien über mehr Präsentationsfläche verfügen würden, aber die Organisatoren bestimmt nicht die erforderliche Zahl der Teilnehmer erreichen würden. Daher wird es beim etwas eigenartigen österreichischen Second-Hand-Kunstbasar bleiben, bei dem sich Sammler und Interessenten wundern, aus welchen Quellen und Märkten sich zahlreiche Kunsthändler
und Galerien die ausgestellten Prachenskys, Nitschs, Rainers, Brandls, Damischs, Wurms oder Hausners besorgt haben.

Entdeckungen
Aber der nicht nachvollziehbare Wildwuchs des Kunstmarkts ist ein wesentliches Charakteristikum der heimischem Szene und passt daher hervorragend auf eine Art Austria. Selbstverständlich lässt sich auf der Messe auch Spannendes, Neues und Außergewöhnliches entdecken.

Etwa die feinen, ironischen Arbeiten eines Lionel Favre bei Mario Mauroner, der historische, technische Pläne zuerst restauriert und danach "vermenschlicht". So wird aus einem Plan des Liftbauers Doppelmayr ein menschelndes Mandala (Preise zwischen 1600 und 3600 Euro). Bei der Galerie 3 aus Klagenfurt gilt es die Künstlerin Margot Pilz wieder zu entdecken. Die Serie "Hände" aus sechs SW-Fotografien aus dem Jahr 1978 ist ein beeindruckendes Manifest feministischer Kunst (Unikat, 32.000 Euro).

Die Innsbrucker Galerie Maier präsentiert spannende frühe Arbeiten von Josef Mikl (aus 1960) und Oswald Oberhuber (aus 1961). Bei Geresdorfer sticht die Leinwand "Blue Stripes over the Houses" von Cristina Fiorenza (3600 Euro) hervor. Sehr schön konzipiert ist der Stand der Galerie Lang mit ihrem Schwerpunkt Zeichnung, wie das Tusche-auf-Bütten-Werk "Ginko" von Chen Xi (2420 Euro). Die Galerie Krinzinger vermag mit den bestechenden Körperskulpturen der Osttirolerin Rosemarie Lukasser zu überzeugen. Die fragilen, in sich gekehrten Skulpturen agieren an der Schnittstelle zwischen Mensch und digitaler Außenwelt.




Schlagwörter

Art Austria, Kunst, Messe, Galerien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-26 15:57:27
Letzte Änderung am 2018-04-26 16:45:32


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