Leuchten gegen den Tod: Die Lichter von Gonzalez-Torres im Theseustempel des Wiener Volksgartens. - © KHM-Museumsverband
Leuchten gegen den Tod: Die Lichter von Gonzalez-Torres im Theseustempel des Wiener Volksgartens. - © KHM-Museumsverband

Zwei Uhren von ihm ticken im Kunsthistorischen Museum im Gleichklang: "Perfect Lovers" heißt das Werk von Felix Gonzalez-Torres, das der Ausstellung "The Shape of Time" besondere Akzenteverleiht. Nun ist im Theseustempel eine weitere Arbeit des kubanisch-amerikanischen Künstlers (1957-1996) zu sehen: Kurator Jasper Sharphat "Untitled (Lovers - Paris)" nach Wien gebracht.

Die beiden Lichterketten - früher mit Glühbirnen besetzt, jetzt mit Sparlampen - sind in der Tonnendecke mittig verankert, hängen bis zum Boden herab und rollen sich dort zu einem Kreis von Lichtern zusammen. Die Parallele zwischen ihnen ist vorgegeben, nicht aber die Art der Hängung. Immer arbeitete Gonzalez-Torres mit einfachen Gesten und Materialien aus dem Bau- und Supermarkt, die zwar minimalistisch erscheinen, aber poetisch arrangiert alles andere als eine kühle Aussage erzeugen.

Wien ist seit der Retrospektive von 1998 im ehemaligen 20er Haus durch Rainer Fuchs fast so etwas wie das Kompetenz-Zentrum für die Arbeit des 1996 nach einer Aids-Erkrankung verstorbenen Künstlers. Damals hatten große Teppiche aus Süßwaren das Publikum verwundert, in ihrer Üppigkeit auch zum Verzehr angeregt. Und doch war die Geste von Melancholie überschattet - wie im Fall der Lichterketten.

Poetische Aussage mit schlichten Mitteln

Rund 20 dieser leuchtenden Arbeiten hat der Künstler nach dem Jahr 1991 geschaffen, jenem Zeitpunkt, als sein Partner Ross Laycock ebenfalls einer Aids-Erkrankung erlag. Der Titel "Lovers - Paris" verrät die gemeinsam erlebte Geschichte, ist zugleich auch eine Stellungnahme der Trauer angesichts der damals durch Aids angerichteten Katastrophe in der Kunstszene Amerikas.

1979 war Gonzalez-Torres aus Kuba zum Studium ans Pratt Institute in Brooklyn gekommen. 1990 hatte er seinen Karrierestart in der Rosen Gallery in New York, es blieben ihm danach noch sechs Jahre für seinen internationalen Erfolg - nicht einmal eine Dekade hat seine folgenreiche Karriere gedauert. Das künstlerische Erbe von Gonzalez-Torres ist für die jüngere Generation auch nach seinem Tod lebendig geblieben, da die scheinbar unmögliche Verbindung eines klaren Konzepts mit einer so tragisch-poetischen Aussage persönlicher Inhalte bis heute von Interesse ist. Die postminimalistische Ära war damit eingeläutet.

Sanfter Gegenpol zum kämpfenden Helden

Im Theseustempel sollen die beiden Lichterketten auch einen aktuellen Gegenpart zu Canovas "Theseus im Kampf mit dem Kentauren" bilden, dieser ehemals heroisch installierten Skulpturengruppe. Statt Monumentalität für politische Inhalte wie den Kampf Österreichs gegen Napoleon ist nun meditative Stille angesagt.

Das Leuchten der Lichter ist die einzige Aktion in dieser frei gewählten Intervention: Im Sinne der Aufklärung bleibt das Licht in der Finsternis mit der Hoffnung auf Überwindung des Todes und Regeneration - eine geistige Auferstehung in all der Vergänglichkeit. Die Verwendung moderner Werkstoffe hat dabei übrigens einen Vorteil: Die Glühbirnen wären früher verglüht als die heutigen Sparlampen. Die Arbeit geht im Herbst in das Glenstone Museum in Maryland zurück.