(cai) Rundungen und Löcher. (Wobei: Die Löcher sind ja ebenfalls nicht unrund.) Diese Ausstellung ist also definitiv ein Paradies für Grapscher und Voyeure. Grapscher? Gibt’s die in der Post-#MeToo-Gesellschaft überhaupt noch? Außerdem ist eine Galerie kein Streichelzoo, oder?

Die Ulrike Jakob ist aber eigentlich selber schuld, wenn man hingreift. Was stellt sie in ihrer Galerie (Hrobsky) auch diese aufreizend handzahmen, sprich streichelglatten Steine vom Peter Dörflinger aus? Die schwellen den Fingern ja förmlich entgegen. Turnen geschmeidig auf ihren Sockeln herum, verbiegen sich sexy, haben einladende Höhlen. Und dann sind die meisten dieser begnadeten a-, nein, besser biomorphen Körper (oder Schwellkörper?) noch dazu wurmstichig. Okay, das klingt jetzt weniger attraktiv. Einen Drehwurm können sie halt kriegen. Theoretisch. Wenn man sie anschubst. Weil sie auf einem Punkt balancieren. Wie ein Breakdancer, der diesen Powermove macht. (Einen Backspin.) Einen tiefgrünen Serpentin, der ausschaut wie ein gestrandeter kryptozoologischer Meeresbewohner (oder eine mutierte Robbe), anzutauchen wie einen Kreisel, das ist vielleicht nicht so therapeutisch, wie mit einem Delfin zu schwimmen, beglückend ist es allemal. Und es baut Stress ab. Apropos bauen: Als gelernter Bootsbauer weiß der Dörflinger obendrein, wie man das Runde, das aufs Eckige muss (auf den Sockel), aus dünnen Holzschichten zusammenleimt.

Und die Gucklöcher vom Reinhard Wöllmer? Was kriegt man denn in dieser Peepshow so geboten? Nackte Tatsachen natürlich. Die nackerte . . . Wand. Trotzdem geil. Die "Farbraumreliefs" des Nürnbergers sind nämlich nicht einfach geschichtetes Papier mit präzisen Öffnungen für raffinierte Ein- und Durchblicke, aus den Löchern sickert ein mysteriöses grünes und rosarotes Gas. Für diese Ausdünstungen gibt’s freilich eine logische Erklärung: Das ist kein Gas, das ist Physik. Die auf der Rückseite des Papiers versteckten Farben werden reflektiert. Und wenn ein hohler Diskus aus eingefärbtem Papierteig vorn ein Guckerl hat? Muss man reinspechteln. In die Intimsphäre der Kunst. Abstrakte Erotik? So abstrakt auch wieder nicht. Schließlich hat der Künstler den Teig mit seinem Hammer bearbeitet. (Hammer, hallo?)

Galerie Ulrike Hrobsky

(Grünangergasse 6)

Peter Dörflinger und Reinhard Wöllmer, bis 26. Mai

Mi. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr