• vom 15.05.2018, 17:09 Uhr

Kunst

Update: 15.05.2018, 17:23 Uhr

Ausstellungskritik

Wiederkehr des weißen Goldes




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Wider die Pappbecher-Unkultur: Das MAK präsentiert 300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur.

Deckeldose in der Form einer Schildkröte (um 1730) aus der Manufaktur des Claudius Innocentius Du Paquier.

Deckeldose in der Form einer Schildkröte (um 1730) aus der Manufaktur des Claudius Innocentius Du Paquier.© Joe Coscia Jr./MAK Deckeldose in der Form einer Schildkröte (um 1730) aus der Manufaktur des Claudius Innocentius Du Paquier.© Joe Coscia Jr./MAK

Seit 1970 gab es keine große Porzellanausstellung im MAK, was nun zur Feier der Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur vor 300 Jahren mit einer opulenten Schau wieder ausgeglichen wird. Für die Fans der in unseren schnelllebigen Zeiten etwas vernachlässigten Tafelkultur, aber auch für alle, die sich in haptischem Augenschmaus von digitalen Flachwelten erholen möchten, haben die Kuratoren Rainald Franz und Michael Macek ganze Arbeit geleistet. Nach der ähnlich üppigen Glasausstellung wird das "weiße Gold" in den Mittelpunkt gerückt, wobei die Vorbereitung durch ein internationales Symposium unterstützt wurde. Aber auch von Experten aus dem Haus gibt es wertvolle Beiträge, die mit dem frühen Abwerben des geheimen Wissens um die Herstellung der wertvollen Luxusware aus Asien beginnt.

Das Rezept für die Porzellanherstellung war geheim, wurde durch den Kulturtransfer aus Asien in Europa übernommen, was gelang, weil Geheimhaltung bekanntlich keine erfolgreiche menschliche Strategie ist.

Information

Ausstellung
300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur
MAK Ausstellungshalle
Bis 23. September

Die Erfinder im Westen

Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhans und der "Arkanist" und spätere Gründer der Manufaktur in Meißen, Johann Friedrich Böttger, gelten als die Erfinder im Westen. Maria Theresia liebte exotische Waren genauso wie dazu passende Themen, sie war sogar am Porzellanmalen beteiligt, wie ein Beispiel vorführt. Die ganze Palette von heute kolonialistisch anmutenden grotesken Beispielen mit Chinesen und Türken, die wie Giraffen und Schildkröten auf oder als Zuckerdosen oder ergänzende Aufsatzfiguren auftauchen, waren hochmodern. Dieser Zeitgeist hat sich auf die ganze Inneneinrichtung übertragen und es gehörte zur höfischen Tugend, Porzellan zu bemalen oder wie die Töchter der Kaiserin Chinoiserien für Tapeten und Wände anzufertigen.

Die Ausstellungsgestalter Michael Embacher und Christoph Wirth hatten ordentlich zu tun, um den Parcours durch zehn Perioden mit fertiger Ware und den parallel gezeigten Modellen ("Weißware") und Mustertellern sowie -tassen, Farbexperiment- oder Blumenmalereitafeln, aber auch den vielen Büchern, Ornamentvorlagen und Stichen - insgesamt 1249 Objekte - unterzubringen.

Ordnung durch Chronologie

Die Vitrinen muten wie die beliebten "Wimmelbilder" der Familie Brueghel an, auch wenn andere Vorbilder wie der Barockklassizist Guido Reni kopiert wurden. Die "Orgie edlen Porzellans" (Christoph Thun-Hohenstein) ist auch den Ursprungsjahren des Museums geschuldet, als durch Rudolf von Eitelberger der Nachlass der 1864 geschlossenen Wiener Porzellanmanufaktur übernommen wurde. Damals gab es das Haus am Ring noch nicht und die Firma Augarten wurde als Nachfolger erst 1923/24 gegründet.

In der Masse liegt aber auch eine große Ordnung durch Chronologie und Abhandlung der wichtigsten Direktoren der Wiener Porzellanmanufaktur, angefangen mit dem Gründer Claudius Innocentius du Paquier, der diese bis 1744 privat führte. Danach machte sie Maria Theresia zur kaiserlichen Anstalt. Folglich kam es im Biedermeier-Klassizismus unter Conrad Sörgel von Sorgenthal zur Kooperation mit der Akademie, was durch Schüler Franz Xaver Messerschmidts, eine Büste von Antonio Canova und vor allem durch die Maler sichtbar ist. 1864 unter Alexander Löwe geschlossen, gab es bis zur Augarten-Übernahme 1923 eine Lücke, auch wenn zu den späten Beiträgen immerhin ein Porzellankamin von Eduard van der Nüll, aber auch Entwürfe der Architekten Theophil Hansen und Johann Hagenauer zählen.

Star des Biedermeier

Unter den 180 Leihgaben sind das Wiener Service für den Duke of Wellington zu erwähnen sowie ein Nachttopf aus Warschau, der in Polen durch seine erotischen Szenen mit Ausstellungstabu belegt ist; zum "Zwettler Tafelaufsatz" fand Andreas Gamerith Neues wie die Kuratoren auch das Dubsky-Porzellanzimmer der Schausammlung nach neuen Erkenntnissen umstellten. Dazu gibt es fotografische Einblicke in die große Porzellansammlung der Wittgensteins und viele Künstlernamen zu entdecken, unter denen Blumenmaler Michael Daffinger einer der Biedermeier-Stars ist.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-15 17:15:51
Letzte Änderung am 2018-05-15 17:23:25


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