• vom 22.05.2018, 18:27 Uhr

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Update: 23.05.2018, 00:43 Uhr

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Männlich: Tomasz Kulkas "Dildogun" (Keramik, Unikat). - © Tomasz Kulka

Männlich: Tomasz Kulkas "Dildogun" (Keramik, Unikat). © Tomasz Kulka

Gibt’s diese Farbe auch auf Deutsch?

(cai) Was haben der König der Löwen und ein Kauspielzeug für Hunde gemeinsam? Na ja, genau dasselbe wie Darth Vader und das Grüne vom Laubfrosch. Nix? Oder Haim Steinbach. Die kommen nämlich alle in seiner Ausstellung in der Galerie Winter vor.

Den Lion King hat er hinter Gitter gebracht. Wieso? Was hat denn der Simba angestellt? Seinen Papa hat doch der böse Scar umgebracht. Ja eh. Steinbach ist halt ein Sammler. Den Löwen hat er gleich einmal aus seiner vertrauten Umgebung rausgerissen. Aus dem Plakat. Der ist jetzt Klebefolie auf der nackten Wand. Sein einstiger Hintergrund ist ein bissl abseits. Ein Gelb aus dem Pantone-Farbenuniversum. Aufgewalzt. Das Gitter am anderen Ende des Raumes ist übrigens das Skelett einer Rigipswand. Unten ein Werbespruch: "the difference between zoom and zooooooooooooom." Es macht eben einen groooooooooooooßen Unterschied, ob man sich vor oder im Löwenkäfig befindet. Klar und mit unglaublicher Sorgfalt arrangiert und präsentiert dieser ordnungsliebende Künstler seine Fundstücke. Eine weiße Keramik (Wolf? Kojote? Beides?), die er als "mutt" (Köter) identifiziert, wird plötzlich zum reinrassigen Nachfahren von Duchamps Urinal (signiert: "R. Mutt"). He, macht das Panzerglas der Vitrine den Köter automatisch so wertvoll wie die Mona Lisa? Und was machen Darth Vader als Keksdose, eine Büste aus Jamaika, eine Jausenbox im Sturmtruppendesign und ein Kauding für Hunde auf einem Regal? Rumstehen?

Die gleichen Farben sind nicht dieselben, doch manchmal genauso gut. Originell und raumfüllend wird Ellsworth Kellys "Spectrum" quasi ins Deutsche übersetzt. Die kreativen Farbnamen unter den strengen Feldern ("Vitaminstoß", "Zauber der Tiefe" . . .) machen aus dem Ganzen, okay, keine Sixtinische Kapelle, aber auch was Tolles.

Galerie Hubert Winter
(Breite Gasse 17)
Haim Steinbach, bis 2. Juni
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 14 Uhr

Der Mann und sein Alien

(cai) Klingt ja zum Fürchten. Die Ausstellung vom Tomasz Kulka in der Galerie Steinek heißt jedenfalls wie ein Horrorfilm: "Das Ding." Aus einer anderen Welt? Falsch. Anscheinend ist doch eine irdische Lebensform gemeint. Nämlich die, die eh längst die Weltherrschaft an sich gerissen hat. Sie tarnt sich als Körperteil. Als "das Ding" eben. Als Insigne (ohne drittes i, denn, nein, der Singular von Insignien ist nicht "die Insignie") der Macht.

Die "Dildogun": Eine Pistole mit Erektion. Sexuelle Gewalt auf den Punkt gebracht. (Auf den Höhepunkt?) Und der Keramik-Trump ist eine Art männliche Meerjungfrau. Eine seeehr männliche. Eine Macho-Nixe. Ihr Oberkörper ist Präsident, unten ist sie einfach nur "great". (Make the kleine Unterschied great again!) Blasphemie? Kulka nimmt die größte Weltreligion von allen (das Patriarchat) offenbar nicht ganz ernst. Im Stil einer anderen Männerreligion (des Christentums) hat er detailreiche, feine Ikonen gemalt. Die Gewaltorgien auf Schlagmetall (ist wie ein Goldgrund) könnten aus der Hölle von Hieronymus Bosch stammen. Sadistische Priester geißeln die Sünder. Mit Hingabe geschilderte Pflanzenmonster (gentechnisch verändertes Grünzeug?) gibt’s auch. Oder sind das lauter Andachtsbilder für Satanisten? Die Kirchen stehen ja auf dem Kopf.

Es geht also um Leben und Tod. Die ziemlich intime, persönliche Auseinandersetzung des Künstlers mit seiner Heimat Polen hat sogar was von einem Zombiefilm. Von einem "Friedhof der Kuscheldecken". Intakte Bettszenen aus Ton (intakter Mann auf Matratze) hat Kulka in der Heimaterde begraben, später exhumiert und die Scherben wie ein Dr. Frankenstein zusammengesetzt. Brutale Ruinen. Die heile Welt unter der Bettdecke ist zum innenarchitektonischen Alptraum mutiert. Untote Kunst, das ist echt nimmer lustig.

Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
Tomasz Kulka, bis 30. Mai
Di. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-22 16:34:00
Letzte Änderung am 2018-05-23 00:43:53


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