Der japanische Medienkünstler Ryoji Ikeda gehört weltweit zu den führenden Sound-Tüftlern, die daran arbeiten, die Grenzen des Hören und Sehens mit avancierten technischen Mitteln neu auszuloten. Peter Weibel bezeichnet ihn im Programmheft als "prototypischen Künstler des 21. Jahrhunderts", weil er den "Wechsel von Maschinen und Materialien zu Medien und Daten" vollzogen habe.

Bei den Wiener Festwochen gastiert Ikeda nun mit "micro/macro". Das audiovisuelle Erlebnis basiert auf monatelangen Recherchen mit CERN-Forschern. Ikeda versucht, die Bausteine unseres Universums erfahrbar zu machen. Bilder und Klänge orientieren sich an drei Universen: dem theoretischen bekannten, dem experimentell erforschten und dem individuell wahrgenommenen. Die gewaltige Halle E im Museumsquartier wurde für zwei raumgreifende Projektionen leer geräumt.

Besucher können sich frei bewegen zwischen einer Wandprojektion, die beeindruckende Bilder des beobachtbaren Weltalls einfängt (macro), und parallel dazu die flirrenden Bilder der Bodenprojektion betreten, die sich mit der Planck-Skala beschäftigen, die allerkleinsten Dimensionen des mikroskopischen Universums (micro).

Die Beschallung und sich beständig verändernde Bilderflut ist auf Überwältigung programmiert. Kein einzelnes Bild ist isolierbar, keine Melodie lässt sich festmachen. Es ist, als würde man ein Bad im Datenmeer unseres Daseins nehmen. Beeindruckend.