• vom 27.05.2018, 14:30 Uhr

Kunst

Update: 27.05.2018, 15:30 Uhr

Ausstellung

Retuschierte Sicht




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Photoinstitut Bonartes zeigt Martin Gerlachs Fotografien für Adolf Loos als übersetzte Architektur.

Rarität: v.l. Adolf Loos, Heinrich Kulka, Hans und Anny Moller auf der Terrasse der Villa Moller (Wien), um 1928, Foto: anonym. - © Albertina

Rarität: v.l. Adolf Loos, Heinrich Kulka, Hans und Anny Moller auf der Terrasse der Villa Moller (Wien), um 1928, Foto: anonym. © Albertina

Um 1930 verbreiteten sich Publikationen über neue Architektur, und die Kunsthistoriker Franz Glück und Ludwig Münz wollten mit dem "Hüter des Loos-Gedankens" Heinrich Kulka eine mit Fotografien bestückte Monografie zum Werk Adolf Loos’ publizieren. Loos (1870-1933) war bereits schwer krank, misstraute der Fotografie und befand die werbemäßigen Aufnahmen für das Bauhaus oder die Bauten Le Corbusiers als "Täuschungen". Deswegen engagierte Mitarbeiter und Schüler Kulka den versierten Architekturfotografen Martin Gerlach jun. (1879-1944) für das Projekt, der davor die Werkbundsiedlung und Wiener Gemeindebauten mit seiner Kamera dokumentiert hatte. Loos’ Porträt am Cover war von Trude Fleischmann.

Von einem künstlerischen Einsatz der Kamera hielt man seitens der Architektur wenig, die Aufnahmen sollten dokumentieren, also nur "übersetzen" und keine "hübschen Bildchen" (Loos) sein, und so ging er wie andere Architekten mit, um dem Fotografen die richtigen Blickwinkel auf seine Häuser zu diktieren. Auf einigen unscharfen, nun in der Ausstellung erstmals verwendeten Fotos ist er in einer Terrassentür zu sehen. Die Glasnegative der Plattenkamera und Gerlachs sonstiges vorhandenes Material aus dem Adolf-Loos-Archiv in der Albertina sind in der Schau "Übersetzte Architekturen" vergleichbar mit der Monografie, wobei sich viele Retuschen zeigen. Fazit: Loos’ Geschmack und auch der Kulkas war bei Weitem konservativer als der Blick, den Gerlach einfühlsam, aber auch zeitgemäß von aktueller neusachlicher Fotografie beeinflusst, mit dem ungedruckten Material hinterlässt. Vor allem sein Einblick ins Treppenhaus der Villa Moller mit Spiegeln und irreführenden Richtungen gefällt heute als nahe der "dissonanten" (Werner Hofmann) kubistischen Collage. Loos und Kulka ließen das wegfallen und zerstörten Gerlachs fast filmische Abfolge durch eigene Chronologien.

Information

Übersetzte Architekturen
Photoinstitut Bonartes, bis 10. Aug.

Alles im Würfel

Kurator Walter Moser hat die Aufnahmen von Zeitgenossen Gerlachs in Wien, wie Bruno Reiffenstein und Moritz Nähr, vergleichend einbezogen. Um Loos’ nicht ganz so große Unterschiede zur internationalen Moderne und der von ihm abgelehnten kubischen Bauweise besser sichtbar zu machen, sind auch eine Serie von Lucia Moholy und zwei Beispiele von Albert Renger-Patzsch über die Bauten Walter Gropius’ gegenübergestellt. Gerlach hat zwar sensibel Loos’ Prinzipien des Raumplans von innen aus einer Würfelform heraus aufgenommen, die Verflachung der Interieur-Fotos durch parallele Aufstellung zu Durchblicken befolgt, auch dessen Vorliebe für ein besonderes Eintrittserlebnis, die "Introduktion", ist bei seiner Wegführung durch mehrere Aufnahmen spürbar - so im Fall des Herrenausstatters Knize am Graben.

Die Loos als Vorbild dienenden Architekten der Moderne kritisierte er aber als nur auf die Fassade konzentriert und lehnte effektvoll dynamisierende Aufnahmen von deren Bauten ab. Für Haus Khuner am Semmering war ihm dann aber der Blick aus dem Panoramafenster doch zu banal, und so setzte Gerlach einen kühneren Ausblick mit Steilhang ein.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-25 16:25:00
Letzte Änderung am 2018-05-27 15:30:20


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