• vom 26.05.2018, 07:30 Uhr

Kunst


Street Art

"Die Waffenkultur ist psychotisch"




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Von Christina Böck

  • US-Street Artist Shepard Fairey über Waffenwahn, Friedensfrauen und sein Flughafen-Mural.

Shepard Fairey mit seinem Team bei letzten Arbeiten am Wandbild am Flughafen. - © Katharina Stögmüller

Shepard Fairey mit seinem Team bei letzten Arbeiten am Wandbild am Flughafen. © Katharina Stögmüller

"Es ist nicht einfach, Wände in Wien zu finden, die man bemalen kann. Alles ist historisch!", sagt Shepard Fairey. Zum Glück ist der Flughafen in Schwechat eingesprungen. Der hat nämlich ein paar Flächen frei, zum Beispiel auf jenem Gebäude, in dem man früher zu den Air-Berlin-Flügen eingecheckt hat. Ein langlebiges Provisorium, dessen graue Wand bisher alle Flughafenbesucher, die mit dem Auto anreisen, begrüßt hat. Nun leuchtet ihnen ein Wandgemälde, ein sogenanntes Mural, von Shepard Fairey entgegen.

Fairey ist einer der bekanntesten Vertreter der Street Art. Berühmt gemacht hat ihn ein Poster von Barack Obama, das den damaligen Präsidentschaftskandidaten im typischen Schablonen-Stil zeigt, nachdenklich, aber unbeugsam, in den US-Nationalfarben. Unter dem Porträt prangte das Wort "Hope" (oder auch "Change"). Das Poster, erst von Fairey unabhängig von der offiziellen Kampagne verteilt, wurde bald dankbar von Obamas Team adoptiert. Kein Wunder, erlangte es doch so ikonischen Charakter, dass manche Beobachter, wie eine Autorin des "Guardian", es mit dem Jugendzimmer-Potenzial und der T-Shirttauglichkeit des berühmten Che-Guevara-Bildes von Jim Fitzpatrick gleichsetzten.

Information

"Shepard Fairey: Golden Future"

Galerie Ernst Hilger, bis 27. Juli,

www.hilger.at

Trumps Ego

Dass der Künstler kein Fan des aktuellen US-Präsidenten ist, davon kann man also getrost ausgehen. Was würde er aber, wenn er seinen größten Erfolg mit Trumps Konterfei rekreieren würde, als Fangwort drunterschreiben? Mit mildem Lächeln sagt Fairey: "Demagoge". "Er interessiert sich nicht für die Menschen, er kümmert sich nur um sein eigenes Image und sein eigenes Vermögen", geht das Urteil weiter. "Ego, Narzissmus und Gier sind die einzigen Themen, die ihn interessieren."

Zwei Elemente, die zuletzt öfters im Œuvre von Shepard Fairey auftauchten, sieht man auch in Schwechat. Zum einen setzt der Street Artist als bevorzugtes Motiv Frauen ein, besonders nach einer Reihe von Postern für den "Women’s March" im vergangenen Jahr. "Ich finde, Frauen sind - nicht immer, aber oft - im Vergleich zu Männern diejenigen, die den Frieden erhalten. Wenn ich mir so ansehe, wie die Macht verteilt ist, wie sie missbraucht wird, auch wie die Umwelt missachtet wird, dann ist das meistens von Männern verantwortet. Ich sehe Frauen als ein universelles Symbol einer positiveren Seite der Menschheit. Aber ich habe auch zwei Töchter und eine Frau, also mein ganzes Haus besteht aus Frauen."

Zum anderen "schmückt" Fairey seine Bilder gern mit mandala-artiger Ornamentik. Warum das Faible für orientalischen Zierrat? "Das ist visuell sehr erfreulich. Und ich will mit meinen Arbeiten lieber Referenzen zu globaler Kultur ziehen, nicht nur zu westlicher oder nur amerikanischer. Ich finde auch, dass indische Muster ein Gefühl der Harmonie mit der Natur vermitteln, während amerikanische und europäische Muster oft nur dekorativ daherkommen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-25 16:25:03
Letzte Änderung am 2018-05-25 16:32:20


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