• vom 29.05.2018, 16:30 Uhr

Kunst

Update: 29.05.2018, 16:51 Uhr

Ausstellung

Weltreise mit Zelt und Raster




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das MAK präsentiert eine Post-Otto-Wagner-Riesenschau. Von der Postsparkasse zur Postmoderne.

- © MAK/Hagen Stier, 2015

© MAK/Hagen Stier, 2015

An sich war diese Schau in Kooperation mit dem Wien Museum zum 100. Todestag Otto Wagners geplant; nun ist mit dem Einbezug der Ausstellungsräume "Wagner-Werk" um den Kassensaal der Postsparkasse eine erfreuliche Erweiterung gelungen, die auch Führungen durch dieses Hauptwerk des Architekten beinhaltet.

Trotz kurzer Umplanungsphase ist Sebastian Hackenschmidt im Team mit Rainald Franz, Iris Meder und vielen anderen dieser Austausch zwischen Otto Wagner und anderen Stadtplanern, Designern samt vielen seiner Schüler bis ins Rote Wien und weiter zu Hans Hollein, Luigi Blau, Adolf Krischanitz, Hermann Czech, Superstudio, Missing Link und Günther Domenig gelungen, auch weil die Ausstellungsarchitektur eines offenen eingebauten Sterns mit 60 Wänden, Tischen, Vorhängen und Vitrinen für etwa 650 Exponate durch ein präzises inhaltliches Konzept funktioniert. Beim Eingang empfängt ein Porträt des Architekten von Elke Silvia Krystufek von 2017 und die Erinnerung an die 500-Schilling-Banknote Robert Kalinas von 1986. Das Denkmal, das Josef Hoffmann 1930 für den Heldenplatz als Stele konzipierte, musste schon 1936 einem Dollfuß-Denkmal von Clemens Holzmeister weichen, erst 1959 drang Roland Rainer darauf, es durch Oswald Heardtl in einer Kopie zu ersetzen.

Information

Ausstellung

Otto Wagner. Von der Postsparkasse zur Postmoderne Sebastian Hackenschmidt (Kurator)

MAK Ausstellungshalle

bis 30. September

Auch das Wien Museum widmet sich dem Stararchitekten in einer Ausstellung. Bis 7. Oktober.

Monumentaler Stadtplaner

Rainer war einer der Stadtplaner Wiens nach Wagner, der in seiner Monumentalität der Planung in einer Reihe mit Fischer von Erlach, den Galli Bibienas und Gottfried Semper zu nennen ist. Von Letzterem übernahm Wagner auch die "Bekleidung" seiner Eisenbetonskelett-Fassaden mit besonderen Materialien, vor allem für Geschäftshäuser, Wohnbauten für einzelne Familien interessierten ihn weniger - so zeigt sich schon seine erste Villa (heute Museum Ernst Fuchs) eher den kleinen Museumsbauten wie der Secession oder auch Lusthäusern ähnlich.

Das gilt auch für seine Stadtbahnpavillons, die wir heute so lieben, aber denen noch bis in die 1980er Jahre samt ihren Brücken der Abriss drohte. Die "Weltreise" aus Wien führt nach Chicago und zu Weltausstellungen um 1900 und sie zeigt, warum die Wagnerschüler wie Karl Ehn und Rudolf Perco ihre Wohnhausanlagen burgengleich und von enormen Ausmaßen (Karl-Marx-Hof) entwarfen. Wagners Planung für die Außenbezirke Wiens mitsamt einem eigenen Museumsareal "Artibus" hätte bis weit nach Niederösterreich gereicht, zum Teil sind es gerasterte Anlagen mit viel Grün, die später für die utopischen Stadtentwürfe eines Le Corbusier aber auch für die experimentellen Anlagen eines Hans Hollein, Walter Pichler, Raimund Abraham und Max Peintner in den 1960er Jahren als Anregung dienten.

Mit Hans Hollein, von dem Zeichnungen, Pläne, Modelle und Fotos seines verlorenen Verkehrsbüros vorhanden sind, verbindet Wagner auch, dass Vieles unverwirklicht blieb und leider auch Hauptwerke zerstört wurden. Zudem kann einmal mehr bedauert werden, dass nicht Haas-Haus Nr.3, hier als eines der vielen Modelle präsent, am Stephansplatz gebaut wurde. Es gibt im inneren Kern der Schau eine große Möbelabteilung und auch die Materialien, Aluminium, Glasbaustein und Keramik, dabei die ungarische Firma Zsolnay aus Pécs, die für das Wagnerhaus an der Wienzeile wie für Max Fabianis Portois & Fix-Gebäude in der Ungargasse die Kacheln erzeugten. Wirklich exotisch der Blick auf die Landhäuser des ungarischen Schülers István Medgyaszay (gen. Benkó). Hier sind die türkische Holzbauweise der Landhäuser und die Elemente der Volkskunst zu finden, die in die Moderne führten, auch die Industrierohre wurden nicht vergessen, die Luigi Blau von Wagner zur Belüftung übernommen hat.

Schließlich ist auch wissenschaftlich genau Peter Haikos Entdeckung eines "metaphysischen Funktionalismus" bei Wagner bis zu den Zeltarchitekturen, die Hollein wiederum für sein Verkehrsbüro und die "Türken vor Wien"-Ausstellung übernommen hat. Ein ausufernder Parcours über vier Jahrhunderte, der sich auch Otto Antonia Grafs Werkverzeichnis von 1985 und seinen ausufernden Themenkreisen mit bediente.





Schlagwörter

Ausstellung, Otto Wagner, MAK

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-29 16:46:07
Letzte Änderung am 2018-05-29 16:51:30


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