• vom 29.05.2018, 17:17 Uhr

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Sein Name Chen Xi bedeutet "schwebende Feder". (Nein, aber passend wäre es.)

Sein Name Chen Xi bedeutet "schwebende Feder". (Nein, aber passend wäre es.)© Andrea Peller Sein Name Chen Xi bedeutet "schwebende Feder". (Nein, aber passend wäre es.)© Andrea Peller

Die Kunst hat

einen Sonnenbrand


(cai) Das Leben ist kein Wunschkonzert. Trotzdem versenken die Touristen Tonnen von Kleingeld im Trevi-Brunnen. Aber Liederwünsche soll er ihnen ja sowieso keine erfüllen. Weil ein Wunschbrunnen kein Wurlitzer ist. Obwohl man ihn mit Münzen füttert.

Igor Eskinja aus Rijeka hat eine geniale Methode gefunden, wie er sich die Reise nach Rom erspart. Er wirft seine Münzen einfach in irgendeine Lacke. Okay, er behauptet nicht, das wäre die Fontana di Trevi. Natürlich könnte man jetzt einwenden: "Na und? Das kann ich auch." Ja eh. Doch auf die Idee muss man halt erst einmal kommen. Eskinja, der gern die vorhandenen Ressourcen für seine diskrete Kunst nutzt (Alltägliches), hat gleich ein paar solcher Ideen. Zum Beispiel erzeugt er mittels Solarenergie etwas, das man durchaus Malerei nennen könnte. Der Rest der Ausstellung in der Galerie Michaela Stock ist nämlich sehr sonnig. Während man die Wunschbrunnen-Fotos ja eher mit Regen assoziiert. "Resources and other short stories" (Titel der Schau): lauter Kurzgeschichten also. Kurz - von Zeit und Vergänglichkeit handeln sie auf jeden Fall. Papier, das andre weggeschmissen hätten, faltet der Kroate, belichtet es (Sonne!), bis der blasse Teint schön braun ist, entfaltet es wieder und fertig ist das abstrakte Bild mit hellen und dunklen Flächen.

Sogar aus Millimeterpapier holt er malerische Nuancen heraus. Durch gezieltes Ausbleichen. Und aus Fingerabdrücken auf einer Glastür macht er ein Action-Painting. Hält den dramatischen Moment fotografisch fest, in dem die Abendsonne sie vergoldet ("Golden Fingers"). Nicht immer hat er so ein goldenes Händchen wie der König Midas. Glasplatten lapidar an die Wand zu lehnen und auf Spiegelungen zu warten, ist vielleicht doch ein bissl zu billig.

Galerie Michaela Stock

(Schleifmühlgasse 18)

Igor Eskinja, bis 16. Juni

Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Spazieren

sehen

(cai) "Schwebende Feder" - der Ausstellungstitel (artmark galerie) klingt wie ein Indianername. Für eine Ballerina. Der Chen Xi ist aber gar keine Ballerina. Er ist eine Primaballerina. (Die für den Spitzentanz halt keine Ballettschuhe braucht, sondern eine Tuschefeder.) Außerdem ist er ein Wiendianer. Eigentlich ein Wienchinese. Ein Wiener aus China. Geboren 1966 in Schanghai, seit mittlerweile 25 Jahren in Wien und seit 1997 Vollösterreicher (Staatsbürger). Und Klavierspielen lernt er jetzt zu allem Überfluss auch noch.

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Dokument erstellt am 2018-05-29 17:22:09



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