Vor kurzem ist Peter Paul Rubens‘ schöner "Ecce Homo" nach Frankfurt weitergezogen, auch er war ein Gast aus der Eremitage in St. Petersburg. Die Kette der Kooperationen zwischen Wiens imperialen Erbe der Habsburger und dem der Romanows wird bewusst weitergeführt: Es gibt kaum eine bessere Werbung für beide Staaten als jene mit Gemälden, die vor Jahrhunderten in Konkurrenz der Herrscherhäuser von Kunstagenten in Großmuseen vereint wurden. So startet die Schau von 14 Bildpaaren aus je einer der Institutionen auch mit Ganzkörperbildnissen von Katharina der Großen und Maria Theresia. Die Hofmaler Vigilius Erikson und Anton von Maron treten mit fast drei Meter hohen Leinwänden auf, damit können sich Albrecht Altdorfer und Sandro Botticelli nicht messen.

Bilderfamilien mit Themenaspekten

100-jährige Geschichte trifft auf 50 Jahre enge wirtschaftliche Kooperation der großen Öl- und Erdgasfirmen in Russland und Österreich - sie machen die kulturelle Zusammenarbeit finanziell möglich. Ein Ratespiel, wer die beiden Generalsponsoren sind, erübrigt sich. Ab 4. Oktober wird das Bildpaarkonzept dann in St. Petersburg übernommen, lediglich zwei Dialoge differieren: Hier ist es Rembrandt und Wien muss auf eine Gegenüberstellung von Rubens und Frans Hals verzichten. Die Kuratoren sind die Leiter der Gemäldegalerien der beiden Museen, in Wien ist es Stefan Weppelmann. Es wird versucht, verschiedene methodische Ebenen zu integrieren - nach dem nötigen Blick auf bekannte Künstlernamen und die imperiale Sammlungsgeschichte folgt ein Parcours durch die Kunstgeschichte.

Nicht umsonst verbreitete sich der Begriff "St. Petersburger Hängung" durch alle Museen dieser Welt: Die Mode, in Reihen übereinander Bilderfamilien unter nationalen oder Themenaspekten zu kombinieren, kam danach nur kurz, in der klassischen Moderne, aus der Mode - heute lieben wir diese Staffelungen wieder. Katharina II. zeigt damit vor allem eines, nämlich ihre 4000 Exponate zählende Kollektion, die auch auf Beratung von Denis Diderot und Voltaire (François-Marie Arouet) zustande kam. Sie vereinte Altbekanntes wie die von den Enkeln des ehemaligen Premierministers Robert Walpole verkaufte Sammlung. In England hieß es daraufhin, Russland leere die Paläste des British Empire, nachwirkende Animositäten könnten daher auch kultureller Natur sein.

Katharinas dichte Hängung ist nicht in diese Schau eingegangen, Saal VIII hat Platz für die 14 Bildpaare nebeneinander, die neben Porträt Landschaft, Genrebild, religiöse Historie und zwei Schlachtenbildern von Nicolas Poussin vereint. Das Stillleben bleibt ausgeklammert, dafür sind Hans von Aachen und Bartholomäus Spranger, die Lieblingsmaler Rudolfs II., vorübergehend mit ihrem manieristischen Tanz-Charme vereint. Die Lässigkeit des Selbstbildnisses von Anthonis van Dyck trifft auf Nicholas Lanier, weniger höfischer "Coverboy" mit Imponiergehabe ist Domenico Tintorettos Bildnis des Francesco Bassano, daneben tritt dessen Vater Jacopo, der eigentliche Tintoretto, in einem Bildpaar auf, das verschiedene Auffassungen der Restaurierung zeigt. Auch ein Aspekt, der mit den alten Frauen Rembrandts eine Fortsetzung findet.

Landschaften konnten schon in klassizistischer Zeit vor Ort entstanden sein, doch bei Jakob Philipp Hackert erscheint der Blick auf die italienische Stadt Agrigent mehr als Staffage-Komposition im Atelier als bei seinem englischen Kollegen Thomas Gainsborough. Letzterer baute jedoch eine Landschaft in Suffolk aus Moos und Kork im Modell auf und versetzte sie in wilde Wolkenstimmung.

Weitere kleine Entdeckungen erlauben Bildnisse von Hans Holbein und seinem früh verstorbenen älteren Bruder Ambrosius, ein großer Bernardo Strozzi und ein ungewöhnlicher Jean-Antoine Watteau aus St. Petersburg. Kunst im Dienst der Politik, wenn auch nicht mehr der Krone, sondern der Industrie, verspricht nach dem Eröffnungsevent mit Hochsicherheitsaufgebot einen Besucheransturm.