• vom 14.06.2018, 16:19 Uhr

Kunst

Update: 22.06.2018, 11:04 Uhr

Art Basel

Marshallplan für Galerien




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Von Christof Habres

  • Die Zeiten der Risiken scheinen endgültig vorbei - zeigt die 49. Ausgabe der Kunstmesse Art Basel.

David Zwirners Stand bei der Art Basel. Der New Yorker Galerist schlug ein Konzept vor, demzufolge große Galerieholdings mehr bezahlen und die Kosten für Mittelgalerien gesenkt werden sollen.

David Zwirners Stand bei der Art Basel. Der New Yorker Galerist schlug ein Konzept vor, demzufolge große Galerieholdings mehr bezahlen und die Kosten für Mittelgalerien gesenkt werden sollen.© Art Basel David Zwirners Stand bei der Art Basel. Der New Yorker Galerist schlug ein Konzept vor, demzufolge große Galerieholdings mehr bezahlen und die Kosten für Mittelgalerien gesenkt werden sollen.© Art Basel

Basel. Manche Appelle passen eher zu Parolenrepertoire gestandener Gewerkschafter als zu wohlbestallten, international tätigen Galeristen. Im Vorfeld der
49. Ausgabe der größten Kunstmesse der Welt, der Art Basel, haben sich nicht nur die Hilferufe über den Status quo mittelgroßer Galerien rund um den Globus, sondern auch die Diskussionen über die überbordenden Kosten der Teilnahme an Kunstmessen erheblich verschärft. Schon bei der Messe in Miami Beach im Dezember 2017 zeichnete sich, wie selbst Art-Basel-Direktor Marc Spiegler betonte, die drastische Verschärfung der Lage vieler Galerien immer mehr ab. Allein in der Schweiz mussten in den vergangenen Jahren mehr als 50 Galerien schließen. Die rapide steigenden Gesamtkosten, wie Miete, Personal, Ankäufe, Ausstellungsorganisation und Katalogproduktionen, stehen in keiner Relation (mehr) zu absehbaren finanziellen Erfolgen.

Zweifel am Zwirner-Konzept
Ein zusätzlicher massiver und stets steigender Kostenfaktor in der Planung sind auch die Teilnahmen an unterschiedlichen Kunstmessen. Shows, die es mit ihren Marketing- und Akquisitionsstrategien vortrefflich verstanden haben, nicht nur Galerien zu umwerben und zur Teilnahme zu bewegen, sondern auch Sammler an die Orte der Messen zu führen. Ein Aspekt, der selbstverständlich für Kunstinteressierte und -käufer den Vorteil hat, im internationalen Kontext nicht nur die Wertigkeiten der Werke einzelner Künstlerinnen und Künstler einschätzen zu können, sondern auch neue Tendenzen und Positionen kennenzulernen. Ein essenzieller Zugang, wenn es ernsthaft darum geht, individuelle Horizonte und Argumente zu erweitern.


Leider führte die Internationalisierung ebenfalls dazu, dass nach den turbulenten (Finanz-)
Krisenzeiten ein erklecklicher Anteil von Kunstkäufern, deren jährliches Ankaufsbudget bei etwa 50.000 Euro gelegen ist, ihr Budget eingefroren oder gar deutlich verringert haben.

Außerdem investieren sie nicht mehr nur bei der Galerie des Vertrauens in der Nachbarschaft. Dadurch waren manchmal mittelgroße Galerien trotz angespannter Lage gezwungen, an Kunstmessen teilzunehmen, weil es oft nur am Ort des Messegeschehens gesichert schien, dass langjährige Sammler ihre Ankäufe tätigen würden. Jedoch mussten die Händler die eingeschränkten Budgets hier mit anderen Kollegen teilen - ein Teufelskreis.

Dieser Abwärtsbewegung will der renommierte New Yorker Galerist David Zwirner entgegensteuern. Im Mai ließ Zwirner mit der Aufforderung aufhorchen, mit der er von seinen Galeristenkollegen in der Größenordnung von Gagosian, Hauser & Wirth, Goodman, Continua oder Marlborough Solidarität einforderte: Seiner Meinung nach sollten jene enormen Galerienholdings, die gemeinsam mit den führenden Auktionshäusern für mehr als 90 Prozent des globalen Kunstmarktumsatzes verantwortlich zeichnen, wesentlich mehr für ihre Messestände (Zwirner bezahlt in Basel derzeit laut Eigenaussage mehr als 100.000 Schweizer Franken) entrichten. Durch die solidarische Querfinanzierung könnte eine Preissenkung an gefährdete Mittelgalerien weitergegeben werden.

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Schlagwörter

Art Basel, Kunstmesse, Kunstmarkt

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 16:25:43
Letzte Änderung am 2018-06-22 11:04:32


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