Palermo. Auf der 12. Ausgabe von Europas nomadischer Kunstbiennale Manifesta, die diesen Samstag in Palermo startet, ist zwar kein Künstler aus Österreich vertreten. Dennoch spielt Österreich eine gewisse Rolle: Die Videosimulation "Untitled (near Parndorf, Austria)" des irischen Künstlers John Gerrard befasst sich mit der Flüchtlingstragödie des Jahres 2015. Insgesamt überzeugt das diesjährige Hauptprojekt "Der planetarische Garten. Die Kultivierung von Koexistenz" mit vielen Auftragsarbeiten und hohem künstlerischen Niveau.

Nach dem imperialen St. Petersburg 2014 und dem allzu schicken Zürich 2016, wo das Kunstevent kaum die gewünschte Nachhaltigkeit erzielt hat, ist die Biennale in diesem Jahr an einem sehr Manifesta-tauglichen Ort angekommen. Nicht nur, dass das stellenweise heruntergekommene Kalsa-Viertel mit einer Fülle interessanter Ausstellungsorte aufwarten kann. Einzigartig ist auch Palermos Botanischer Garten aus dem späten 18. Jahrhundert, der erstmals als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst zum Einsatz kommt.

Politisch engagierte Szene

Eine vielfältige Graffiti-Kultur der sizilianischen Metropole verdeutlicht aber auch, dass es vor Ort eine politisch engagierte Kunstszene gibt und somit ein Biennale-affines Publikum.

Neben Palermos Kür durch Manifesta-Gremien trafen aber auch die diesjährigen Kuratoren, die sich bescheiden als "kreative Mediatoren" bezeichnen, gute Entscheidungen. Bei ihrer Themenwahl gingen Bregtje van der Haak aus den Niederlanden, Andrés Jaque aus Spanien, Ippolito Pestellini Laparelli aus Italien und Mirjam Varadinis aus der Schweiz von der Rolle Siziliens als Region vielfältiger Transfers aus. Stars des internationalen Kunstbetriebs spielen eine marginale Rolle, im Vordergrund steht solide künstlerische Arbeit zu den Inhalten dieser Manifesta.

Das gilt etwa für zwei zentrale Arbeiten der Manifesta, die sich der militärischen Präsenz der USA auf der italienischen Insel beschäftigen. Die kubanische Künstlerin Tania Bruguera dokumentiert in einer Installation die letztlich vergeblichen Proteste gegen die riesige Sendeanlage MUOS (Mobile User Objective System), die seit 2016 von der US-Navy für weltweite Mobilfunkverbindungen verwendet wird. Sie beauftragte auch den sizilianischen Comiczeichner Guglielmo Manenti mit einem großen Wandgemälde zum Thema. Die US-amerikanische Dokufilmerin Laura Poitras wiederum kann in ihrer Installation "Signal Flow" mit spektakulären Bildern der sizilianischen Sendeanlage aufwarten.