Bedingt durch die exponierte geografische Lage Siziliens erweisen sich aber auch Migration und Flucht als wiederholtes Sujet des Hauptprojekts, so bei den Flaggen des Italiener Filippo Minelli und dem Saatgut seines Landsmanns Leone Contini.

Teilnehmer der diesjährigen Manifesta sparen die oft tragischen Konsequenzen der westlichen Flüchtlingspolitik nicht aus. Während das Berliner Kollektiv Peng! in ihren Videos westeuropäische Fluchthelfer porträtiert, sammelt und analysiert die Gruppe Forensische Ozeanographie Daten über die Flucht über das Mittelmeer nach Italien. In einem großen Diagramm ist von 753,392 Ankünften zwischen 2011 und 2018 die Rede, aber auch von 16.173 Todesfällen in diesem Zeitraum.

Flucht und Tod


Flucht und Tod thematisiert auch John Gerrard mit seinem Österreich-Bezug: Zwei Tage nach der Flüchtlingstragödie ist Gerrard zum Fundort jenes Lkw gefahren, in dem 71 tote Flüchtlinge gefunden worden waren. Auf der Basis damaliger Fotografien entstand eine Videosimulation des betreffenden Parkplatzes.

"Das ist ein Stück über Verlust und es fordert die österreichische Öffentlichkeit auf, sich in einer emotionalen Weise daran zu erinnern", sagt der in Dublin lebende Autor der Videosimulation. Die Produktion der Videoarbeit wurde in Wien vom Verein zur Förderung zeitgenössischer Kunst "Phileas" unterstützt.

Formal besteht die Videosimulation, die auf eine quadratische Projektionsfläche ausgelegt ist, aus einer endlosen Kamerafahrt, die lediglich ein kurzes Straßenstück, jedoch weder Verkehr noch Menschen zeigt. Die digitale Machart, die etwa für bewegungslose Blätter auf den Bäumen im Hintergrund sorgt, mutet bisweilen gespenstisch an. Ohne Wissen über den konkreten Vorfall bleiben die Bezüge rätselhaft, der Ire nennt im Video auch keine Namen von Todesopfern.

Gerrard sagt, er sei im August 2015 in Österreich gewesen und habe innerhalb weniger Stunden am Fundort des damals bereits abtransportierten Lastwagens etwa 3000 bis 4000 Fotografien gemacht. Seine Arbeit werde nach der Manifesta an ein noch zu bestimmendes österreichisches Museum gehen, sagte John Gerrard, der sich selbst eine Projektion in Österreichs öffentlichem Raum wünschen würde.