• vom 19.06.2018, 16:32 Uhr

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Update: 19.06.2018, 23:39 Uhr

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Von (cai)

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Sattes Rot, aber das Model war noch immer hungrig. "McGeisha" von Pol Kurucz.

Sattes Rot, aber das Model war noch immer hungrig. "McGeisha" von Pol Kurucz.© Pol Kurucz Sattes Rot, aber das Model war noch immer hungrig. "McGeisha" von Pol Kurucz.© Pol Kurucz

Manhattan? Womanhattan!

Sex with the city. Da nimmt eine die Stadt, in der sie lebt, aber sehr persönlich. Ihr Verhältnis zu New York ist jedenfalls ziemlich intim. Besonders zum höchsten Gebäude dort. Zum Turm, der einfach der größte ist, eine geradezu phallische Demonstration der Potenz einer Weltmacht, die ganz sicher nicht unter Erektionsstörungen leidet und wo die Architekten keine Höhenangst haben. Nein, gemeint ist nicht der Trump Tower. (Sorry, Mr. President.)

Information

"THE MOVE"
Bis 30. Juni
Galerie Emanuel Layr (Seilerstätte 2)
Mi. - Fr.: 12 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

"Genesis 1:31"
Bis 30. Juni
Artbits Galerie (Lindengasse 28)
Do., Fr.: 14 - 19, Sa.: 11 - 15 Uhr

Lena Henke setzt sich also. Auf einen Stuhl. Und dort dann recht direkt mit dem urbanen Raum auseinander. Vorm Spiegel macht sie nämlich ein Unten-ohne-Selfie. Als Feigenblatt: eine Ansichtskarte vom Freedom Tower, der aus dem Ground Zero männlich in den Himmel über Manhattan hineinstößt. Ein Selbstporträt als "Womanhattan"? Zumindest kein Ausdruck von Penisneid. Auf dem taxigelben Leiberl, das die Künstlerin trägt, steht übrigens nicht "I love New York", sondern irgendwas mit "fuck". Ihre freizügige Pose konfrontiert sie in der Galerie Emanuel Layr nun mit einer witzig pikanten Cartoon-Figur von Tomi Ungerer (Nackerte, im Schritt ein offenes Türl), die sie mit Bronze zügig in den Raum reinzeichnet. Ein Tor. Um eine Stange drehbar wie ein Go-go-Girl beim Poledance. Aus dem vaginalen Türl grinst freilich kein Männchen heraus, man sieht wieder bis zum Freedom Tower. (Hinten an der Wand.)

Der weibliche Körper erkundet die große Stadt, nimmt sie in sich auf. Oder umgekehrt? Die Perspektive verschiebt sich ja dauernd. Die typischen grünen Straßenschilder dienen plötzlich zur Orientierung beim Trip durchs Innenleben. Auf die Blechtafeln schreibt Henke so Sachen wie "MYIRONFEELINGS", "OURPORCELAINTHOUGHTS". Eisengefühle, Porzellangedanken - imaginäre Skulpturen? Poetisch. Ein bissl verwirrend, aber frech.

Welche Farbe kackt ein blauer Kakadu?

Sein Name ist Bunt. Kunter Bunt. Nein, natürlich nicht. Er heißt Pol Kurucz. Aber die Farben, die einem der franko-ungarische Fotograf mit Studios in Sao Paulo und New York vor die Augen knallt, sind so unglaublich . . . bunt. Und poppig und schrill.

Früher hat er ein Doppelleben geführt. Finanzmanager am Tag, nachts Bühnenregisseur. Bis zu seinem plötzlichen Tod durch - Absurdität. Schmäh-ohne. Steht auf seiner Homepage: "Then he suddenly died of absurdity." 2015 wurde er wiedergeboren. Und in seinem neuen Leben als Modefotograf ("Vogue", "Elle" . . .), der von Konventionen nix hält, ergibt der Irrwitz jetzt endlich einen Sinn.

Alles ist in diesen aufwändigen Inszenierungen erlaubt. Viereckige Kaugummiblasen, neongrüne Strände. Seine Schau in der Artbits Galerie benennt Kurucz (in Europa vertreten von The Muse) nach jener Bibelstelle, in der die Schöpfung einen Einser kriegt ("Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut"): Genesis 1:31. Freilich feministisch umformuliert: "On the sixth day God fashioned woman and scrambled man." Aus dem Mann hat er Rührei gemacht? Na ja, hier hat eben die Frau die Eier. Oder: eines. Das dafür groß ist für zwei. Mindestens. Kein Witz. Trotzdem gibt’s eine Pointe. Und die befindet sich auf der Schulter der Eierdiebin: blauer Vogeldreck. Die Rache des blauen Kakadus.

Lustvoll werden skurrile Geschichten erzählt. Manche passieren auch außerhalb vom Bild. So hat die Geisha mit den "Essstäbchen" (Pommes frites) und dem blutroten Ketchup-Blick (zum Eintunken - tja, diese Ernährung kann halt ins Auge gehen) während des zeitintensiven Shootings Hunger bekommen. Und wenn keiner hingeschaut hat . . . (Zwei Mal hat man bei McDonald’s Nachschub holen müssen.) Apropos Zeit. Die dürfte in Stase versetzt worden sein. Epische Momente. Die Models oft wie in Trance. Starre Blicke. Und unter der aalglatten Oberfläche wird womöglich sogar diese selbst hinterfragt. "Glam Jail": Fashionistas im Glamour-Häfen, verurteilt zum perfekten Styling, das gibt jedenfalls zu denken. (Verdammt, sind diese verrückten ChromaLuxe Metal Prints geil! Und fesch!)





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-19 16:37:31
Letzte Änderung am 2018-06-19 23:39:32


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