Von sprießenden Knospen über die Pracht der vollen Blüte bis zu hängenden Blütenköpfen und verdorrten Blättern - kaum ein anderes Sujet in der Kunst vermag die Stadien des Lebenskreislaufes besser zu versinnbildlichen als die Blume. Abgesehen von den unbestreitbaren dekorativen Qualitäten lässt sich durch Blumen so manches sagen - oder erzählen. In der Orangerie des Belvedere führen florale Bildnisse jetzt exemplarisch durch die künstlerischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts.

Wien war in seiner Geschichte das pulsierende Zentrum gleich mehrerer künstlerischer Epochen - von der Malerei über die Musik bis zur Architektur. Von vielen dieser Perioden nährt sich die einstige Kaiserstadt bis heute. Dass Wien im 19.Jahrhundert auch das Zentrum der Blumenmalerei war, ist wenig bekannt. Zwei Besonderheiten bildeten die Voraussetzung dafür: eine Blumen-Klasse an der Akademie sowie die Wiener Porzellanmanufaktur, wo ebenfalls ausgiebig mit Blüten-Motiven gearbeitet wurde. Kurator Rolf Johannsen hat für "Sag’s durch die Blume!" 100 Exponate aus dem Belvedere und anderen österreichischen Sammlungen arrangiert, um entlang des Genres Blumenbild durch die Kunstgeschichte zu spazieren.

Künstlerische Wendungen gab es im 19.Jahrhundert ausreichend, die Palette der Stile ist daher entsprechend breit. Angefangen bei prachtvollen, an niederländischen Vorbildern orientierten Blumenbouquets von Joseph Nigg, Franz Xaver Gruber oder eines Johann Knapp, bei dem die Grenzen zwischen botanischer und künstlerischer Malerei verschwimmen. Es folgen Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller, der das klassische Sujet aus Blumen und Vase um Prunkgefäße erweitert und handwerkliche Spielerein wie Spiegelungen in glänzenden Silber-Gefäßen einbaut. Seine Schülerin Rosalia Amon führt das weiter und fügt antike Vasen und Elfenbeinarbeiten ein - einige dieser Vasen sind in der Schau ebenfalls zu sehen.

Im blühenden Garten der Kunstgeschichte

In diesen Gemälden steht meist die Blütenpracht im Zentrum des Interesses sowie die Zurschaustellung von Exotik - in Form von ebensolchen Blüten und Früchten. Das Welken streift diese Bilder nur unerheblich. Studien der Einfachheit, von lässig in Krügen gesteckten Rosensträußen bilden den Gegenpol dazu. Mitte des 19.Jahrhunderts schließen die Blumen-Klasse und die Porzellanmanufaktur - die Malerei verlässt die trauten Stuben. Die Blumen erweitern ihren künstlerischen Wirkungskreis und erobern sich die Natur als ihr angestammtes Umfeld auf der Leinwand zurück. Das Resultat sind Waldbodenstillleben, Alpenrosen vor Felswänden, Bildnisse von Primeln, Veilchen und Disteln sowie Mohnblumenfelder. Blumen- und Landschaftsbild verschmelzen. Gipfeln wird diese Entwicklung in Olga Wisinger-Florians "Feldblumenstrauß" aus 1904 oder Tina Blaus 1907 entstandenem Gemälde mit Löwenzahn und blühenden Apfelzweigen. Naturverbundenheit und der Blick für den Zauber des Alltäglichen dominieren hier.

Zum Finale gibt es Herzstücke der eigenen Sammlung: Inspiriert durch eine Van-Gogh-Schau 1906, widmeten sich auch Wiener Größen wie Gustav Klimt und Egon Schiele dem dort gezeigten Sujet der Sonnenblume - ob als madonnenhaft majestätische Skulptur bei Klimt oder als düster herbstlicher Blumenstrauß bei Schiele. Es mag relevantere oder originellere Ausstellungen geben als diese doch recht akademische Abfolge der Blumenbildnisse. Als feiner, lehrreicher und kühler sommerlicher Zufluchtsort eignet sich dieser Fokus auf einen vermeintlichen Nebenschauplatz der Kunstgeschichte jedoch bestens.

Nicht zuletzt, weil es in der Schau betörend duftet - dank Willem de Rooijs üppiger Frischblumen-Skulptur "Bouquet V".