• vom 21.06.2018, 17:16 Uhr

Kunst

Update: 21.06.2018, 17:45 Uhr

Gustav Klimt

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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Leopold Museum präsentiert im Gedenkjahr 2018 Gustav Klimt als Jahrhundertkünstler.

Brustbild einer jungen Dame mit Hut und Cape im Profil nach links, 1897/98 von Gustav Klimt.

Brustbild einer jungen Dame mit Hut und Cape im Profil nach links, 1897/98 von Gustav Klimt.© Leopold Museum, Wien, Inv. 1309 Brustbild einer jungen Dame mit Hut und Cape im Profil nach links, 1897/98 von Gustav Klimt.© Leopold Museum, Wien, Inv. 1309

Acht Themenbereiche sind im Erdgeschoß des Leopold Museums in der Gustav-Klimt-Schau des Gedenkjahres 2018 in nur vier Räumen versammelt. Die Kooperation mit der Klimt-Foundation, die über dem Museumsquartier im Bürogebäude Carl Pruschas als ein Forschungszentrum sitzt, gestattet neben privaten Leihgaben, vor allem aus der Schweiz, ein Zeitbild von etwa 1880 bis 1918. 35 Gemälde, 90 Zeichnungen und 30 Fotos werden durch 150 Archivalien wie Briefe, Plakate und frühe Kataloge, aber auch Klimts ostasiatische und kunstgewerbliche Sammelgegenstände bereichert. Ganz nach dem Wahlspruch von Kunstgewerbeschule, Secession, aber auch der Kunstgeschichteforschung um 1900 in Wien, dominierten nicht mehr Architektur, Bildhauerei und Malerei die neue Ästhetik, der Gedanke des Gesamtkunstwerks bezog gleichwertig Gebrauchsgrafik, Schmuck, Kleidung und Möbel mit ein, wie es die von Klimt dominierte Kunstschau von 1908 vorführte.

Bekanntes und später Aufgetauchtes

Information

Ausstellung

Gustav Klimt. Jahrhundertkünstler.

Leopold Museum

bis 4. November

Frei nach dem damals wichtigen Kunstkritiker Ludwig Hevesi haben die Kuratoren Sandra Tretter und Hans-Peter Wipplinger neben Berücksichtigung des Kunstgewerbes, dem Nachbau eines Ateliers und des Kleidersalons der Schwestern Flöge, versucht, mit zwei Hauptwerken eine Art Kapelle in den großen Saal einzubauen. Das 1915 von Klimt veränderte große Gemälde "Tod und Leben" (1910/11 begonnen) hängt darin dem unvollendeten Ölbild "Die Braut" von 1917/18 gegenüber. Klimts inhaltliches Beharren auf allegorischen Themen vom Historismus über Symbolismus bis zum Aufbruch in die Moderne verhinderte einen vier Mal radikal geänderten Stil nicht.

Zwischen den beiden Gemälden hängen nicht nur bekannte Zeichnungen des Leopold Museums, sondern auch ein aufgetauchtes spätes Skizzenbuch aus der Foundation. Zerlegt in einzelne Doppelseiten ist Klimts expressiver Strich der letzten Jahre sehr schön erkennbar. Die Kuratoren belegen damit jene bereits lange geahnte Übernahme der neuen expressiven Stilprinzipien von Egon Schiele, Edvard Munch oder Henri Matisse durch den Mitfünfziger Klimt. Was früher eher als radikaler Schritt Schieles galt, kann auch mit einer Femme fatale, dem Blatt der "Tänzerin im Flamenco-Kostüm" um 1908, die so gar nicht "klimtisch" daher trippelt, aber das Gemälde "Judith" vorwegnimmt, wie seinen späten erotischen Zeichnungen bis zum gewagten Entwurf der "Leda" bewiesen werden.

Neuigkeiten zum vielbeforschten Meister

Weitere Neuigkeiten zum vielbeforschten Meister gibt es. Tretter meint in den "Freundinnen I (Die Schwestern)" von 1907 klar den Bezug zum Kabarett Fledermaus in den Quadratmustern des Hintergrunds zu erkennen. Die jungen Frauen im Pelz sind nicht aus dem Umfeld der Familie Flöge zu deuten wie die historistischen privaten Porträts, sondern könnten die dort tätigen Startänzerinnen-Schwestern Wiesenthal darstellen. Klimt malte sie am Attersee und von dort stammen auch viele seiner Landschaften, die einen Raum füllen nebst dem Bild des Stiers, dabei, nach Jahrzehnten im Tresor, der "Litzlbergkeller", der falsch restituierte "Apfelbaum II" und der "Tannenwald" als Leihgabe aus dem Kunsthaus Zug. Auch die einzige Wienlandschaft aus dem Schönbrunner Schlosspark bleibt Dauerleihgabe im Leopold Museum.

Zudem sind die fernöstlichen und afrikanischen Sammelstücke Klimts, Möbel und Schmuckstücke Josef Hoffmanns ausgestellt, die neben einer neuen Auffassung von der Kunst der Antike seinen weltweiten Blick über Orient und Asien zeigen. Lukians Hetärengespräche sind wie die Skizze aus Privatbesitz zum in Schloss Immendorf verbrannten Gemälde "Schubert am Klavier" aus der Sammlung Dumba Eckpunkte im Schaffen wie auch die großen Fotografien, die fast ohne Farbe die Fakultätsbilder in Komposition und Format nachvollziehen lassen. Bereits durch Tobias Natter für "Die nackte Wahrheit" angefertigt, sind sie auch schon Relikte der Museumsgeschichte.

Petrus oder
gefesselter Löwe

Die Trauer der innovativen Kunstkritikerin Bertha Zuckerkandl war 1918 groß, als Klimt gelähmt nach seinem Schlaganfall im Spital lag, sie sprach von einem gefesselten Löwen, ein anderer verglich ihn davor mit dem Apostel Petrus, die unehelichen Kinder mit seinen Modellen wurden als Ergebnis seines "Haremslebens" im Atelier beschrieben. Heute wird dieser "Sultan" in Wiener Museen wie am internationalen Kunstmarkt in göttliche Sphären erhöht. Dabei wäre er nach Montage der Fakultätsbilder im Universitätsgebäude nur gerne Akademie-Professor geworden, was ihm die Wiener Kollegenschaft einer weder politisch noch kulturell so modern wie heute oft behauptet daherkommenden Jahrhundertwende aber beides verweigerte.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-21 17:22:38
Letzte Änderung am 2018-06-21 17:45:34


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