Die Sommerausstellungen im Mumok befassen sich mit einem in der Moderne schon alten Thema, dem "Doppelleben" (Jörg Heiser) von bildenden Künstlern als Musiker. Die Anfänge sind wohl im schamanistischen Urkunstformen-
Kanon zu finden, im antiken Theater, aber auch Renaissancemaler wie Giorgione sind als Doppelbegabungen überliefert. Doch vor allem mit Marcel Duchamp, der vor seinen Ready-mades mit "Momentum Musicale" an Zufallskompositionen experimentierte und den Futuristen setzt die Schau der Kuratoren Eva Badura-Triska und Edek Bartz über zwei Ebenen an, die im Eingangsbereich mit John Cage, Nam June Paik, Charlotte Mooreman, Yoko Ono und dem Künstler A. R. Penck (Ralf Winkler) plus Band startet. Mit diesen Namen im Blickfeld auf eingehängten Screens wird Besuchern verraten, dass sie sich nicht im falschen Museum befinden.

In Opposition zu Regeln

Mit mehreren Klima-Inseln werden die Anfänge mit der Geräuschmusik eines Luigi Russolo und dem nach 1945 auf Dada folgenden Phänomen Fluxus, das von Cage ausging, aber auch in Yves Klein einen Fortsetzer fand, auch per Kopfhörer eingespielt. Daneben sind die wichtigen musikalischen Dilettanten aus Wien versammelt - Vertreter der Wiener Gruppe wie Gerhard Rühm und das Umfeld der Wiener Aktionisten mit Herrmann Nitsch, Günter Brus, Christian Ludwig Attersee oder Dieter Roth.

Die "Selten gehörte Musik" ist wie die Gemeinschaftsprojekte der Künstlergruppe Art & Language oder Projekte der Minimal-Kunst gegen Regeln und Systeme angelegt. Die Kuratoren haben seltene Mitschnitte aufgetrieben: Es gibt Konzerte mit Hanne Darboven oder Nitsch. Künstlermusik gibt es vor allem ab der Performance- und Konzeptkunst und von der danach folgenden Punk- und Free-Jazz-Szene. Captain Beefheart und Alan Vega zählen hier dazu wie zusammengewürfelte Bands der Österreicher Heimo Zobernig, Marcus Geiger, Gerwald Rockenschaub und Hans Weigand.

Bekannt hierzulande sind das Hotel Morphila Orchester von Loys Egg und Peter Weibel oder die Band Molto Brutto, der, neben Josef Danner und Rockenschaub, auch Gunther Damisch angehörte.

Nach dem oft auch anti-virtuosen Musikgenuss kann in die Ebenen einer Sammlungspräsentation "Klassentreffen" von Gaby und Wilhelm Schürmann aus Aachen aufgestiegen werden. Schürmann, einer der ersten Fotosammler und Galeristen, später Professor für visuelle Kommunikation, hat durch Anna Auers erster europäischer Fotogalerie Bezüge nach Wien, zudem sammelte er Heinrich Dunst, Oswald Oberhuber, Franz West und Zobernig neben internationalen Positionen wie Paul McCarthy, Mike Kelly oder Anna Oppermann.

Der Titel der Schau ist von einer humorvollen Installation der iranischen Künstlerin Nairy Baghramian von 2008 übernommen, die klassische Skulpturgesten mit Prothesen-Formen und Kitsch verbindet. Oberhubers Sockelobjekt "Wenn sie diesen Sockel besteigen, erleben sie das Führergefühl" von 1969 lässt mit Blick auf die Hofburg erheiternde Momente in sonst recht viel Konzeptkunst zu, mit der "Mühlheimer Freiheit" und Parallelen zu Punk und New-Wave-Musik schließt sich aber der Kreis zu "Doppelleben".

Als dritte Sommerschau kuratierte das Mumok die Ausstellung "Yesterday, Today, Today" in Schloss Buchberg von Gertraud und Dieter Bogner, die 2007 den Großteil ihrer Sammlung mit bis heute folgenden jährlichen Kontingenten an das Mumok geschenkt haben. Die schöne Station im Kamptal schließt acht neue Räume und Türme mit Arbeiten von Dabernig, Martin Beck, Sofie Thorsen, Nikita Kadan oder Nicole Six/PaulPetritsch für den Juli und nach Anfrage mit ein.