• vom 05.07.2018, 07:30 Uhr

Kunst

Update: 05.07.2018, 10:07 Uhr

Ausstellungsbesprechung

Feministische "Wow"-Kunst




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Von Manuel Meyer

  • Das Guggenheim Museum Bilbao widmet der humorvollen "MeToo"-Künstlerin Joana Vasconcelos eine Retrospektive.



Verführerin und Hausfrau: In "Marilyn" zeigt Joana Vasconcelos den Spagat der modernen Frau - mit Stilettos aus Stahlkochtöpfen. Im Hintergrund: die tonnenschwere, titelgebende Maskenskulptur.

Verführerin und Hausfrau: In "Marilyn" zeigt Joana Vasconcelos den Spagat der modernen Frau - mit Stilettos aus Stahlkochtöpfen. Im Hintergrund: die tonnenschwere, titelgebende Maskenskulptur.© Meyer Verführerin und Hausfrau: In "Marilyn" zeigt Joana Vasconcelos den Spagat der modernen Frau - mit Stilettos aus Stahlkochtöpfen. Im Hintergrund: die tonnenschwere, titelgebende Maskenskulptur.© Meyer

Bilbao. Besucher des Guggenheim Museums in Bilbao sind normalerweise erst einmal von der futuristischen Architektur überwältigt, die das Museum im nordspanischen Baskenland weltberühmt machte. Joana Vasconcelos ist es jedoch gelungen, dem Stararchitekten Frank Gehry die Show zu stehlen. Das gelingt selten einmal einem Künstler, der hier ausstellt. Eigentlich gelingt das nie. Doch Vasconcelos "Egeria" hat diesen gewissen "Wow"-Effekt.

"Egeria" schwebt im Museums-Foyer nur wenige Meter über den Köpfen der Besucher und zieht sie direkt in den Bann. Das krakenähnliche Fabelwesen ist monumental, tonnenschwer, beeindruckend: 30 Meter hoch, 44 Meter lang und 36 Meter breit. Es nimmt über vier Etagen verteilt die gesamte haushohe Museums-Eingangshalle ein. Die kunterbunten Tentakel leuchten in Orange, Blau, Pink, Grün, Schwarz und sind mit Perlen, Fransen und Quasten dekoriert.

Information

Die Ausstellung "I’m your mirror" im Guggenheim Museum Bilbao läuft bis 11. November.

www.guggenheim-bilbao.eus

Nach Bilbao ist die Ausstellung in der Serralves Stiftung in Oporto und im Kunsthal-Museum in Rotterdam zu sehen.

Textilmonster und Männer

Das gigantische Textil-Monster der portugiesischen Künstlerin soll eine Walküre darstellen, eines jener weiblichen Geisterwesen aus der nordischen Mythologie. Vasconcelos Walküre ist genauso rätselhaft wie Odins Todesengel, die über dem Schlachtfeld schwebten, um verstorbene Krieger nach Walhall zu führen. Wohin Vasconcelos "Egeria" die Besucher führt, soll jeder für sich selber entscheiden, meint die Künstlerin. "Es ist meine feministische Antwort auf Wagners ,Walküre‘", so Vasconcelos.

Es könnte ein kritischer Blick auf die von Männern dominierte Welt sein. Oder auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Kunst beleuchten. Diese Thematik taucht immer wieder in Vasconcelos Werken auf. So beispielsweise in ihrer berühmten Installation "Marilyn", drei Meter hohe Stöckelschuhe aus Stahlkochtöpfen. Das Werk soll den schwierigen Spagat moderner Frauen zwischen Muttersein, Haushalt, Verführerin und Berufswelt symbolisieren.

Mit ihrem kritischen, humorvoll-weiblichen Blick auf die Welt wurde die 46-jährige Vasconcelos zur derzeit bekanntesten zeitgenössischen Künstlerin Portugals. Das Guggenheim Museum im nordspanischen Baskenland widmet ihr nun eine großartige Retrospektive namens "I’m Your Mirror". Insgesamt 35 ihrer wichtigsten Werke sind hier bis zum 11. November zu sehen. Vier davon wurden wie "Egeria" eigens für die Sonderschau kreiert. So auch die Masken-Skulptur "I’m your mirror", die metaphorische Grundidee der Exposition: "Eine Retrospektive in einem Museum wie dem Guggenheim ist ein guter Moment, die Maske abzulegen und zu schauen, wer ich bin - als Person, als Frau, als Künstlerin", sagt Vasconcelos. Symbolisch gestaltete sie für diese Selbstreflexion diese gigantische Stahl-Maske aus fast 500 barocken und modernen Spiegeln - 3,5 Meter hoch, 6,2 Meter lang, drei Tonnen schwer.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-04 16:58:51
Letzte Änderung am 2018-07-05 10:07:23


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