Wenn künstlerische Positionen an den selbständig agierenden Kaffeeautomaten aus Peter Patzaks Krimiserie "Kottan ermittelt" erinnern, läuten Alarmglocken: In der interessanten wie brisanten Themenschau "Andere Mechanismen" versucht die Secession über die Sommermonate, Sand ins Getriebe der neuen Maschinen, die uns beherrschen, zu streuen. Die Secession hat Kurator Anthony Huberman eingeladen, eine Ausstellung für das CCA Wattis Institute in San Francisco für Wien zu überarbeiten und auch Künstler-Positionen aus dem Wiener Umfeld oder aus bereits gezeigten Personalen im Haus einzubauen.

Alle streuen, ganz altmodisch gesprochen, "Sand ins Getriebe" oder erzeugen ein Rauschen in Geräten, und so steht Friedrich Kieslers nach 1938 in New York entworfene "Vision Machine" am Anfang, denn in seiner nie ausgeführten Utopie ging nichts ohne Kreativität. Das Sehen nur physiologisch zu erklären, schien ihm zu verkürzt, da der unerklärbare Rest dabei fehle, der die Seele (künstlerische Idee) in maschinelle Verbindungsstränge pumpe. Weniger beherrschbar stellt Elaine Sturtevant mit einem in kreisende Bewegung gebrachten Standbild ihrer "Dillinger-Running Series" samt Sound im Hauptraum unsere Situation der an die Apparate verkauften Seelen dar. Die 22 Tierfallen des vietnamesischen Künstlers Danh Vo von 2012 sind drastischer als die alten Schultafeln von Lutz Bacher, die mittels Tabellen aufzeigen, dass der freie Eintrag mit Kreide einer vorgegebenen Struktur folgt. Die Verwendung alter Materialien nimmt auch die Geschichte der Sklaverei und der Rassengesetze unter die Lupe, wie der schwarze kleine "Trinkbrunnen" von Pope. L gut zeigt. Künstlerischer Widerstand kann an altes Handwerk erinnern wie die Werkzeuge von Zarouhie Abdalian, die, lose verbunden, leicht stürzende Skulpturen ergeben.

Am Eingang empfangen den Besucher aufgeblähte an Zahnprothesen erinnernde Wandskulpturen von Nairy Baghramian, aber auch die Manipulation eines Buchstabens in einer Schreibmaschine der Non-profit-Eye-Level-Galerie in Halifax, die Garry Neill Kennedy in 1970er Jahren vorgenommen hat, zeigt ihre Wirkung bis in den heutigen Pressetext der Schau.

Doppelprojektionen von Harun Farocki und Howard Fried behandeln filmisch technologische Manipulationen auf subtile Weise, egal ob es um Krieg oder Machtverhältnisse im Künstleratelier geht. Jay Defeos 1987 am Kopiergerät ausgedruckte Serie vermag die dunklen Kanäle so eindrücklich zu beschreiben wie die Methode, Räume am Computer "verschwimmen" zu lassen, wie das Louise Lawler seit Beginn der Trump-Ära betreibt. Silicon Valley und der Karlsplatz in Wien werden gläserne Knoten sozialer Denkfelder - wie etwa jene von Jean-Luc Moulènes.