• vom 10.07.2018, 15:53 Uhr

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Update: 10.07.2018, 16:09 Uhr

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I bin’s, euer Präsident! Damals, 2007, war der Matthias Herrmann jedenfalls noch der Präsident von der Secession.

I bin’s, euer Präsident! Damals, 2007, war der Matthias Herrmann jedenfalls noch der Präsident von der Secession.© Matthias Herrmann I bin’s, euer Präsident! Damals, 2007, war der Matthias Herrmann jedenfalls noch der Präsident von der Secession.© Matthias Herrmann

Geteilte Kunst ist doppelte Kunst

(cai) Sie haben die genau gleiche DNA, trotzdem sind sie nicht ein und dieselbe Person. Das könnte man von Jekyll und Hyde allerdings auch behaupten.

Christine und Irene Hohenbüchler sind eineiige Zwillinge, eine multiple Persönlichkeit ist höchstens ihre Kunst. Selbst nennen sie das Ganze aber lieber "multiple Autorinnenschaft". Ihre Werke (Skulpturen, Zeichnungen . . .) erschaffen sie gemeinsam. Und sichtlich in harmonischer Symbiose. Seit knapp 30 Jahren. In der Galerie Janda zieht man jetzt quasi eine kleine Zwischenbilanz. Okay, die Arbeiten sind nicht immer leicht zugänglich. Der oft komplexe Hintergrund erschließt sich nicht unbedingt von selber. Dass etwa diese beiden Käfige Strukturen aus der Natur zitieren und irgendwie auch einen Bezug zu Aquarellen eines Biedermeiermalers haben. Hineingehäkelt wird ebenfalls ins Gitter, der Wolle eine Struktur gegeben. Überall spürt man die Lust am Material, an den unterschiedlichen Stofflichkeiten.

Und immer wieder fragt man sich, ob die Sachen "zu gebrauchen" sind. Kann man also die beiden "Sockel" (aha, wieder zwei) mit den "Bronzehelmen" oben drauf als Regale verwenden? Und sind die "sprechenden" Jacken (bestickt mit Sprüchen von Häftlingen mit psychischen Problemen) theoretisch tragbar? Auch wenn sie total unpraktisch sind. Wegen der zwangsjackenlangen Ärmel und der angenähten Finger. Der "DAAD Tisch" machtsich bereits nützlich. Als Bücherablage. Zur Vertiefung in dieses vielfältige OEuvre. Ein geniales Möbel. Die rasant abbiegenden Enden gehen nämlich in Rückenlehnen über. In Stühle. Da können sich zwei Leute ungestört (zumindest ist keine Tischplatte zwischen ihnen, aber eventuell mindestens ein Handy) gegenübersitzen und reden, Bock schauen . . .

Galerie Martin Janda

(Eschenbachgasse 11)

Christine und Irene Hohenbüchler, bis 21. Juli

Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 16 Uhr

Den Kopf in den Sack stecken

(cai) He, verstößt diese Ausstellung nicht gegen das Gesichtsverhüllungsverbot? Schon der Titel klingt illegal: "Masken." Ach, was. Ein paar bedecken da zwar ihre Gesichtszüge bis zur Unkenntlichkeit, "im Rahmen künstlerischer Veranstaltungen" ist das aber eh erlaubt. Außerdem haben sie ihre Physiognomie sowieso lange vor Inkrafttreten des Gesetzes weggepackt. (Die Arbeiten stammen aus den Jahren 1976 bis 2016.)

Beim Betreten der Galerie Steinek fühlt man sich irgendwie beobachtet. Von einem Voyeur. Dabei ist der Matthias Herrmann mehr ein Exhibitionist. Ein begnadeter Alleinunterhalter mit definiertem Körper und schwer definierbarem Humor. Für seine fotografischen Rollen- und Doktorspiele (tabulos witzig) braucht er keinen Zweiten. Hier hat er freilich (Kinder, bitte nicht nachmachen - wegen der Erstickungsgefahr!) den Kopf in ein Sackerl der Secession gesteckt und in dieses ein Guckloch reingemacht. Ein Selbstporträt als Secessionspräsident? (2007) Renate Bertlmann geht ebenfalls in Deckung. Unter ihrem "Angsthut". Ihre Selbstinszenierungen haben oft so was Tieftrauriges.

Wie die Nase eines Mannes: Beim Martin Eder ist eine venezianische Schnabelmaske in die Gesichtshaut eines Burschen eingezogen (quasi), der auf Testosteron ist. Die Malerei selbst: fast sexy. Delikat bunt. Mythologisch wird’s bei Jana Sterbak. Mann mit Kopfmaske aus echtem Hirsch: Actaeon. Dieser Spechtler, der zur Strafe in Hundefutter verwandelt worden ist (in einen Hirsch, den dann die Jagdhunde zerfetzt haben), sitzt da einsam herum. Heute würde man ihn ja nimmer mit einem Geweih, sondern mit einem Hashtag brandmarken. Am anziehendsten (im leibhaftigsten Sinne) ist aber wohl Gudrun Kampls "Gefühlsgarderobe". Eine Rüstung aus Schweinehaut. Mit Samtschnüren. Eklig und sinnlich zugleich. In Gedanken (Umkleidekabine gibt’s ja keine) probiert man sie natürlich an.

Okay, der Begriff "Maske" wird recht großzügig ausgelegt. Die, die der Arnulf Rainer übermalt hat, ist dafür klassisch. So, und damit sich der Tony Oursler jetzt nicht von mir ignoriert fühlt: Der hat sich halt maskenhaft geschminkt. (Ich tippe einmal auf Herman Munster.)

Galerie Steinek

(Eschenbachgasse 4)

"Masken", bis 19. Juli

Di. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 15:58:54
Letzte Änderung am 2018-07-10 16:09:34


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