• vom 10.07.2018, 16:31 Uhr

Kunst

Update: 10.07.2018, 16:42 Uhr

Ausstellungskritik

Tiger und Skorpione




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Die Albertina zeigt in der Basteihalle etwa achtzig Werke aus ihrer Contemporary-Art-Sammlung.

Nächtliche Schwingungen: Xenia Hausners "Die Nacht der Skorpione".

Nächtliche Schwingungen: Xenia Hausners "Die Nacht der Skorpione".© Bildrecht Nächtliche Schwingungen: Xenia Hausners "Die Nacht der Skorpione".© Bildrecht

Einige interessante Neuankäufe, etwa von der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith, reihen sich im Einblick auf die Contemporary Art-Schiene der Albertina zu Schenkungen, Leihgaben und bereits vorhandenen Positionen. Von den etwa 80 gezeigten Werken werden einige wenige Positionen im Herbst umgehängt, da kommen dann Georg Baselitz und die Gruppe Zero dazu. Es werden internationale Stars der Nachkriegszeit wie Andy Warhol, Tom Wesselmann und Roy Lichtenstein österreichischen Künstlern gegenübergestellt - in diesem Fall in Raum drei einem roten abstrakten Gemälde von Markus Prachensky. Bekannte Ölbilder von Maria Lassnig wie "Mit einem Tiger schlafen" und eine Spiegel-Licht-Skulptur von Brigitte Kowanz hängen neben Smith und gegenüber von Gerhard Richter.

Zur Ankaufstrategie der Albertina gehört es, Serien zu erwerben. Das zeigt sich im ersten Raum mit den Gemälden von Gottfried Helnwein, die den Schrecken der Zeiten nach 1945 vor Augen führen. Selbst Mickey Maus wird zum Angreifer. Die Angegriffenen sind zarte Mädchen, und viele seiner wehrlosen Patienten zeigen persönliche Reflexionen auf die schleppende Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Dieser Ansatz betrifft auch drei Kohlezeichnungsserien mit dem Titel "Museum der Schatten" von Rainer Wölzl, wobei eine Gruppe "Die Hecke zur Tarnung des Krematoriums V in Auschwitz-Birkenau" vom Buch Georges Didi-Hubermans "Bilder trotz allem" angeregt ist.

Information

Ausstellung

Albertina Contemporary Art

Tonja Hoerschelmann (Kuratorin)

Albertina, Basteihalle

bis 31. März 2019

Von hier bis zum letzten Raum mit den Werken Anselm Kiefers auf Leinwand mit ihren typischen fragilen Metall- , Stroh- und Blättercollagen in teils dunklen oder grauen Oberflächen seiner mythischen Erinnerungs-Landschaften spannt sich ein Bogen, der sich über den Existenzialismus weg bei Literaturanregungen schließt. Im Gegensatz ist die amerikanische Strömung des Hyperrealismus eines Alex Katz inhaltlich harmlos, und damit für einen deutschen Künstler wie Franz Gertsch entscheidend gewesen, hier gibt es nur die reine Beobachtung der Natur. Die Unschärfe mancher seiner Landschaften teilt Gertsch mit Gerhard Richters frühen Porträts. Auch Lucian Freud ist hier als Schlüsselposition vertreten.

Die Körperzeichnungen von Kiki Smith auf nepalesischem Papier tragen die Sensibilitäten der 1970er Jahre im feministischen Sinn weiter. Eduard Angeli teilt sich den Raum mit Wölzl, seine mit Kohle und Kreiden festgehaltenen Venedig-Ansichten sind weniger bedrohlich als von magischer Stille, traumverloren. Die nächste Generation ist mit einer Schenkung von drei großen Leinwänden des kürzlich verstorbenen Gunther Damisch, mit der erwähnten Kowanz, Hubert Scheibl und Xenia Hausner auf anderen Pfaden unterwegs - Hausners "Die Nacht der Skorpione" bringt die für sie typische Kommunikation mit ihren Modellen in kosmische Schwingung. Die jüngeren Adriana Czernin und Sonja Gangl verhandeln in ihren großformatigen Zeichnungen Film und Ornament, also scheinbar unpolitische Interessen. Ein wenig heiterer dazu sind die Neuankäufe des kubanischen Kollektivs Los Carpinteros mit ihren ironisch-aktuellen Reflexionen auf Türme und Zivilisationsreste in Wüsten.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-07-10 16:37:53
Letzte Änderung am 2018-07-10 16:42:16


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