Zharia Shinn fertigt Porträts aus bunten Stofffetzen. - © Zharia Shinn
Zharia Shinn fertigt Porträts aus bunten Stofffetzen. - © Zharia Shinn

Normalerweise arbeiten die Illustratoren und Illustratorinnen, deren Werke gerade im Designforum hängen, international für Zeitungen, Zeitschriften oder auch die Werbung. Einige ihrer dabei entstandenen Auftragsarbeiten sowie eigens angefertigte Kunstwerke sind nun im Rahmen der Schau "GO WEST!" ausgestellt.

Zu sehen sind die Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen aus neun verschiedenen Ländern, darunter Japan, Vietnam, Russland, Polen und Kanada, die alle in den USA leben und arbeiten und zur amerikanischen Philosophie des Schmelztigels der Kulturen beitragen. Einige, wie Yuko Shimizu, lassen ihren kulturellen Hintergrund in ihre Arbeiten einfließen.

Im Gegensatz zum österreichischen Markt, auf dem Anpassungsfähigkeit zählt, ist es in den USA der persönliche Stil, der entscheidend für eine Karriere als Illustrator ist, denn dort gilt es, sich möglichst von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben.

Gerade kulturelle Einflüsse sind es deshalb, die viele Künstler unterscheidbar machen. Vor allem in den Werken ostasiatischer Illustratoren sind diese besonders stark zu erkennen. Für Yuko Shimizu waren die japanischen Comics und Cartoons der 1960er und 1970er Jahre prägend, sie begann sie in ihrem Zeichenstil zu imitieren. Später ging sie an die Uni, um sich den ihr verhassten Stil abzutrainieren und "amerikanischer" zu illustrieren. Erst spät akzeptierte sie ihre individuelle Art zu zeichnen - und dass sie damit gerade in den USA Erfolg haben kann. Mittlerweile hat Shimizu bereits für weltbekannte Unternehmen gearbeitet. Im Juli 2018 gibt die Japanerin Unterricht in Wien, als Teil der Atelier Olschinsky Meisterklassen.

Eines der bekanntesten Bilder in der Ausstellung ist vermutlich eine Illustration von Tim O‘Brian, die er für das "Times"-Magazin anfertigte. Zu sehen ist US-Präsident Donald Trump inmitten eines Wirbelsturms, der ihm die orangen Haare zerzaust. Getitelt ist das Bild mit "Stormy", stürmisch. Der Name kann auch als Anspielung auf seine vermeintliche Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels verstanden werden, die einen US-weiten Skandal auslöste.

Frauenporträts

Besonders viel Platz wird in der Ausstellung zwei Künstlerinnen gewährt. Zum einen Shinyeon Moon, einer Absolventin des Masterstudiengangs an der School of Visual Arts in New York City. Ihre Arbeit "The Fantastical Encyclopedia of the Domina Magna" ist eine Körperstudie zu überdimensionalen Frauen, die Ausstellung zeigt auch ihren Rechercheprozess. Die Serie soll sich jedoch nicht nur auf die ausgestellten Bilder beschränken, sondern laufend fortgesetzt werden.

Die zweite zentrale Künstlerin ist Zharia Shinn mit ihrer "Fabric Lineage Series". In dieser porträtiert sie Frauen aus ihrem persönlichen Umfeld, indem sie unterschiedliche Stoff- und Materialreste zusammenfügt. Zum ersten Mal kam sie mit dieser Kunst in Berührung, als sie einen Kurs über den schwarzen Frauenkörper an ihrer Kunstuniversität belegte. Dort lernte sie über die Geschichte afroamerikanischer Frauen, die Steppdecken für Weiße herstellten. Für eigene Decken hatten sie meist keine Ressourcen mehr, weshalb sie die übrigen Stoffreste verwendeten, um daraus für sich selbst filigran durchdachte Designs anzufertigen.

Shinn war sofort fasziniert von dieser Art der Kunst und begann schnell, selbst Porträts aus Stoffresten zu schaffen. Für ihre ausgestellte Serie porträtierte sie ihre Urgroßmutter, ihre Mutter, ihre Cousine, und ihre Stiefmutter. Im Rahmen der Ausstellung leitet sie auch Workshops, in denen sie mit Papier arbeitet.