• vom 20.07.2018, 16:19 Uhr

Kunst

Update: 20.07.2018, 16:48 Uhr

Ausstellungskritik

Verschwinden des Subjekts




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Die Albertina präsentiert eine große Personale der Wiener Künstlerin Florentina Pakosta.

Florentina Pakosta: "Revolverkopf" aus 1979. - © Bildrecht, Wien, 2018

Florentina Pakosta: "Revolverkopf" aus 1979. © Bildrecht, Wien, 2018

Zum 85. Geburtstag zelebriert die Albertina eine große Personale für die gesellschaftskritische Wiener Künstlerin Florentina Pakosta, die mit Vorliebe männliche Netzwerke und Machtspiele entlarvt. Nachdem sie hier schon 1984 und 2003 mit ihrem grafischen Frühwerk zu sehen war, sind diesmal die seit etwa 1985 entstandenen Trikolore-Acryl-Gemälde mit dabei - denen nach ersten Leinwänden ab 1970 mit Schuhen, Wäscheklammern und anderen Alltagsgegenständen, den "Warenlandschaften" -, ihr Hauptinteresse galt. Sie erinnern abstrakt an die Blitze der Bombenhölle, die Pakosta 1944/45 in Wien erlebte, aber auch muten sie wie Balken oder Metallgitter aus Ruinen und Abbruchhäusern an, sind jedoch rein abstrakte Kompositionen mit ausgeklügelter farblicher Abstimmung.

Pakosta hatte in Paris und Prag, später in Wien bei Josef Dobrowsky an der Akademie studiert und entdeckte bald, dass die Kunstwelt auch noch 1968 rein männlich geprägt war. Erst 1971 wird sie Mitglied der Secession, zuvor hatte auch das Künstlerhaus sie abgelehnt. Kuratorin Elsy Lahner stellt ihre harte feministische Abrechnung in Beziehung zu Renate Bertlmann, mit der sie aber nur der Blick auf den Mann und sein Geschlecht verbindet. Beide nutzen eine ironisch subversive Methode, so sind die "satirischen Arbeiten" Pakostas mit den scharfen Attacken Valerie Solanas’ in ihrer "Society for Cutting up Man" näher als den Vertreterinnen der feministischen Avantgarde.

Information

Ausstellung

Florentina Pakosta
Albertina, bis 26. August

#AlbertinaPakosta auf Twitter und Instagram

Männer mit Schnuten

Scheren, Sägen, Schraubstöcke oder Sicherheitsnadeln werden surreal mit Menschenköpfen verbunden - sich selbst zeichnet die Künstlerin in sich kreuzenden Strichen als Glatzkopf, da ihr als Kind einmal die Haare abgeschoren wurden. Sie zeichnet um 1977 Männer mit Schnuten und Schnäbeln, die Otto Breicha mit Franz Xaver Messerschmidts Ausdrucksköpfen verglich. Physiognomie und Geste der Hände sind in ihrem Interessensfeld, auch Masken, Grimassen und prominente Männer wie Helmut Zilk, Alfred Hrdlicka, Peter Gorsen und Walter Koschatzky. Nach 1976 wird sie mit ihrer Schablonentechnik bekannt, wobei sie Männern lächerliche Kopfaufbauten wie Waffen, Toilettendeckel und Autos verpasst. Nun kann sich folglich aus der finanziellen Abhängigkeit von den Eltern lösen.

Es folgen Anfang der 1990er Jahre neben den konsumkritischen "Warenlandschaften" die "Menschenmassen", die das Verschwinden des Individuellen und uniformes Verhalten anprangern. Schon in frühen Jahren hatte Pakosta in den Praterwirtshäusern gezeichnet, wobei die realistische Beobachtung der obszönen Trinkszenen eine Fortsetzung in ihren mit Nähnadeln oder Skalpellen verletzten Frauen findet, die jedoch wie die anderen schwarz-weißen Satiren 1989 mit Fall des "Eisernen Vorhangs" durch die Malerei abgelöst wurden.

Vier Gruppen der "Trikoloren Bilder", die geordnet, schroff und fragil strukturiert sein können, sind bis heute entstanden. Die Zyklen sind für die jung gebliebene kritische Künstlerin nach wie vor Aufforderungen zu mehr Flexibilität, Abbau verkrusteter Denkmodelle und Vorurteile.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-20 16:26:12
Letzte Änderung am 2018-07-20 16:48:36


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