Jede neue Sammlungspräsentation stellt eine subjektive wie neue Geschichtsschreibung eines Museums dar. Diesmal ist die Zusammenarbeit zweier Kuratoren, der Sammlungsleiterin Susanne Neuburger und des Leiters der Vermittlungsabteilung Jörg Wolfert, kombiniert mit einem Katalog, den die Künstlerin Jakob Lena Knebl in Szene gesetzt hat und der auch für touristisches Publikum durch wenig "Fachchinesisch", hingegen durch seine sinnliche und witzige Gestaltung auffällt - so ist das Kleid der Performerin am Cover aus František Kupkas abstraktem "Nocturne" gestaltet, einem der ersten Werke der Abstraktion überhaupt. Das Cover stellt sich dar als Inszenierung von Zitaten mit verschiedenen Werken und Personen und ist so subversiv wie auch die Anordnung der Exponate in der Ausstellungshalle vorgenommen wurde.

Gefangene Kunst


Die kuratorische Auswahl stellt sich als wilde Mischung dar, nicht nur zeitlich, sondern auch von der Geschichte des Hauses und selbst von der Hängung her - jede zeitliche oder formale Linie wurde im Display eines weiteren Künstlers, Hans Schabus, vermieden. Er nützt von einer Überhöhung auf altar- oder theaterhaften Zwischenwänden und Podesten bis zur rotzigen Montage auf einen Bauzaun alle Möglichkeiten, die Werke zu inszenieren oder auch nur abzustellen wie im Fall von Jean Tinguelys "Meta-Harmonie", Maschinen auf Rädern, Joseph Beuys‘ verkohlter Ateliertür oder Franz Wests "Passstücken". Anachronistisch und bedrängt wirkt Pino Pascalis blaue Plüsch-Spinne im engen Seitenraum oder Nam June Paiks "Klavier Integral" im Rasternetz der Bauzaundrähte. Da mutiert ein totes Kunstwerk leicht zum Zootier in Gefangenschaft. Auch die Hängung an den Raumwänden bieten ungewöhnliche Gegenüberstellung als Überraschungseffekt.

Keine Linie und Vermeidung von klassischen Achsen lässt auch Zeiten und Denkstile in- und durcheinanderpurzeln, womit jede Hegemonie der Blickrichtungen ausgeklammert und kein Anspruch an Gesamtheit mehr nötig sind. Der alte Vorwurf, die Mumok-Sammlung sei in der klassischen Moderne unvollständig und danach durch die Sammlung Hahn etwa eher performativ als durch ikonische Hauptwerke geprägt, kann so locker umgangen werden. Denn die besondere Kompetenz des Hauses in Sachen "Wiener Aktionismus" wird durch Beuys, Yoko Ono, Yayoi Kusama oder Niki de St. Phalle und Carolee Schneemann noch unterstrichen.

Natürlich sind von Paul Klee über Oskar Kokoschkas "Karl Kraus", Pablo Picassos Frauenporträt und Andy Warhols "Mick Jagger" die internationalen und mit Maria Lassnig, Friedl Dicker, Gerhard Rühm bis zur Gegenwartsposition von Anna Artaker auch die österreichischen Positionen vertreten und ebenso die alten und neuen Medien. Unkonventionell und irritierend wirkt das auf jeden Fall. Daher ist es, ohne Zwang auf ästhetische Zustimmung, auf jeden Fall die ganz andere Präsentation.

Ausstellung

55 Dates. Highlights aus

der mumok Sammlung

Susanne Neuburger, Jörg Wolfert (Kuratoren)

Mumok

Bis 3. Februar 2019