• vom 31.07.2018, 15:36 Uhr

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Update: 31.07.2018, 17:01 Uhr

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Ein Selbstporträt? Unbedingt. Eric Kressnigs "#kressnig" hat ja schließlich genau seine Größe.

Ein Selbstporträt? Unbedingt. Eric Kressnigs "#kressnig" hat ja schließlich genau seine Größe.© Eva Kelety, Bildrecht, Wien 2018 Ein Selbstporträt? Unbedingt. Eric Kressnigs "#kressnig" hat ja schließlich genau seine Größe.© Eva Kelety, Bildrecht, Wien 2018

Das Universum ist überall

(cai) Die Ausstellung beginnt also mit einer vagen "Erinnerung an die menschliche Figur". Und wie hört sie auf? Mit einem "Ameisenhaufen". So heißt das Drahtgewurl mit den lustigen Antennen natürlich nicht wirklich. (Achtung: Nicht in ein Gewitter stellen!) Aber unter "W4" kann man sich halt nicht wahnsinnig viel vorstellen.

Echt überraschend, dieses Ende. Doch "typische" Werke gibt’s von ihm eh nicht. Vom Franz Xaver Ölzant. Oder ist das Typische, dass sie alle irgendwie untypisch sind? Entsprechend vielfältig ist die Schau in der Galerie Straihammer und Seidenschwann. Arbeiten aus fünf Jahrzehnten. Was hat eigentlich der Gironcoli hier zu suchen? Ach, dieses gepanzerte Pflanzenwesen ist kein Gironcoli? (Oh.) Strukturen, darum geht’s in erster Linie. Die der Umwelt abgeschaut sind. "Wir sehen wohl Bäume, aber die Bäume sind Formprinzipien", hat Ölzant einmal gesagt (der sichtlich auf Löcher steht). Naturnahe Formen. Aus Bronze, Draht, in Blech getrieben. Die blumige "Barockvase" ist sogar bei ihm im Garten gestanden. Im Waldviertel. Witziger Zufall: Vor der Galerie liegt schon die ganze Zeit ein Gemeinschaftswerk von ihm und der Natur herum. Ein Steinbrocken, mit Respekt angebohrt.

Der Robert Zahornicky hat derweil unterm Bett ein paar Galaxien entdeckt. ("Da schaut man einen Monat nicht unters Bett . . .") Dass es sich beim Lurch in Wahrheit um Sternennebel handelt, da ist er freilich erst draufgekommen, als er ihn auf ein lichtempfindliches Material gelegt hat. Und dann zwei Mal belichtet hat. Wodurch die Weiten noch unendlicher geworden sind. Und die anderen kosmischen Fotogramme? Wassertropfen auf Glasplatte. Genial. Weniger ist ja bekanntlich mehr. Aber selten ist sooo wenig sooo viel.

Galerie Straihammer und Seidenschwann
(Grünangergasse 8/3)
Franz Xaver Ölzant und
Robert Zahornicky, bis 31. August Termine unter: 0664/3553498

Er ist das Maß seiner Dinge

(cai) Da nimmt einer die Kunst aber verdammt persönlich. No na, hätte er sonst die Ausstellung nach sich selbst benannt? Also "#kressnig". Sein Vorname ist #? Wie das, was man immer verzweifelt sucht, wenn die Stimme am Telefon sagt: "Drücken Sie die Rautetaste!"?

Nein, Eric. Und er ist ja wirklich überall. In seinen Werken und dazwischen ebenfalls. Hat sich über den gesamten Bildraum 07 verteilt. Na ja, was erwartet man denn von jemandem, der den Besuchern in seinem Atelier die Hand gibt? Wer jetzt einwenden will, das wäre doch keine Kunst, sondern Höflichkeit: Es ist Kunst. Zumindest so, wie der Eric Kressnig das macht. Er lässt die Leute ein nicht zufällig sehr handliches Objekt halten (einen "Systemkörper", für den er diverseste Hölzer zu einem einzigen Kantholz zusammengepuzzelt hat - exakt in der Länge seiner Hand) und macht Fotos von diesem originellen Handschlag. Sogar gekreuzigt hat er sich selber. Gleich zweimal nebeneinander. Okay, ein Hash (Hashtag ist ja das Ganze: #kressnig) hat er sich halt gezimmert. Ein Doppelkreuz. Das seine Größe hat (1,95 Meter), und die ist idealerweise auch die Armspannweite. Ist das der moderne Vitruvianische Mensch? Im Hash drin statt im Quadrat und im Kreis? (Und bin ich eine Banausin, wenn ich mich vom angelehnten Riesen-# zu einer Partie Tic-Tac-Toe herausgefordert fühle?)

Als Ein-Meter-95-Balken balanciert Kressnig auf vier Glaszylindern und kommuniziert dabei raffiniert subtil mit einem abstrakten Gemälde, das man wiederum mit den Füßen betrachten muss. Quasi. Weil die Seiten dazugehören. ("Wenn wir direkt davorstehen, sehen wir nur ein Fünftel vom Bild.") Und für die Abstände zwischen seinen ausgeklügelt reduzierten gefrästen Zeichnungen ("LikeLike") war erneut er der Maßstab. Elle, Spanne . . . he, drei Likes! Dreimal der Künstlerdaumen. (Like = Daumen hoch.) Mit gedanklicher und handwerklicher Präzision vermisst hier einer die Kunst und rechnet die alten, vom Körper abgeleiteten Maße wieder um. Jedes Inch in einen Daumen.

Am 10. August um 18.30 Uhr wird er dann in einem Stück anwesend sein. Beim Artist Talk mit Silvie Aigner (Zeitschrift "Parnass"). Ob man ein Maßbandl mitnehmen darf? Zum Nachmessen?

Bildraum 07
(Burggasse 7 - 9)
Eric Kressnig, bis 17. August
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 16:44:17
Letzte Änderung am 2018-07-31 17:01:49


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