• vom 07.08.2018, 16:14 Uhr

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Update: 07.08.2018, 17:31 Uhr

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Spitzengastronomie. Und? Was kocht uns die Helga Petrau-Heinzel heute Feines im "Spitzen-Topf"? Seepferdchen.

Spitzengastronomie. Und? Was kocht uns die Helga Petrau-Heinzel heute Feines im "Spitzen-Topf"? Seepferdchen.© Nikolaus Korab Spitzengastronomie. Und? Was kocht uns die Helga Petrau-Heinzel heute Feines im "Spitzen-Topf"? Seepferdchen.© Nikolaus Korab

Auch zu zweit lebt man nur einmal

(cai) Die Archäologie ist weiblich. Ja eh: "die" Archäologie. Wie "die" Geschichte. Und trotzdem ist beides noch immer viel zu männlich. Doch jetzt gibt’s ja das Projekt "ArcheYOLO". (YOLO: You only live once.) Da werden bloß Sachen von Frauen gefunden. Genial. Und wenn einmal was von einem Mann dabei ist? Wird das dann einfach ins Loch zurückgeschmissen?

Die ArchäYOLOginnen G-Udit und $chwanger vom obendrein rappenden Duo Klitclique (die Klitoris-Clique), die leben zwar ebenfalls nur einmal, aber sie sind wenigstens zu zweit. Und buddeln kann man außerdem, so oft man will. G-Udit: "Wir graben in den Gehirnen und den Geschichten." In der Startgalerie präsentieren sie nun ihre skurrile Sammlung und rekonstruieren Grabungssituationen. Wobei alles den Charme des Selbstgebastelten, Improvisierten hat. Sogar die Schaufeln und die Pizza sind billig aus Wellpappe gefälscht. Und deshalb vielleicht umso ehrlicher. Die Künstlerinnen haben halt nicht so großzügige Sponsoren wie der Damien Hirst, der seinem Publikum einen perfekt inszenierten Schwindel bieten kann. Einen "echten" Fake-Schatz aus einem Fake-Schiffswrack. Dafür haben sie die lustigeren Gschichtln.

Okay, Elfriede Jelineks Ehrengrab für ihre Polaroidfotos von Schwänzen ist schon ein bissl pubertär. Der Aschenbecher, den die spätere erste "Feministerin" Johanna Dohnal nach einem Telefonat mit Bruno Kreisky wütend aus dem Fenster geschleudert haben soll, ist dagegen ziemlich originell. Wie die Idee, am Eröffnungsabend eine "uralte" Kühlbox auszugraben, voll mit einem kultischen Trank, mit dem man einst einer weiblichen Biergottheit gehuldigt hat (Ninkasi) und nicht dem Fußball. G-Udit: "Man kriegt ja auch Brüste vom Bier, wenn man viel davon trinkt. Das ist der Beweis." Verarschologie aus feministischer Notwehr?

Startgalerie im MUSA
(Felderstraße 6 - 8)
"ArcheYOLO", bis 30. August
Di. - So.: 10 - 18 Uhr

Die Fantasie strickt eben gern

(cai) Da sieht man ja die Gleichberechtigung vor lauter Frauen nimmer. Na und? Besser, als wenn man den Feminismus vor lauter Männern nicht mehr erkennen könnte, oder? Jedenfalls beträgt der Frauenanteil über 93 Prozent. (Gut, das würde auf einen Harem genauso zutreffen.) Und die Künstlerin hab ich dabei noch nicht einmal mitgezählt, die Helga Petrau-Heinzel. Oder die Galeristin, die Christine Ernst. Und die Torte in der Auslage ist sowieso weiblich. (Torte, die.) Hat sogar lackierte Fingernägel. Okay, beim Seepferdchen im Topf aus gestärkter Spitze (ist das diese sogenannte Spitzengastronomie?) lässt sich nicht eindeutig feststellen: See-Hengstchen oder See-Stütchen?

Der einzige Mann ist aber auch nicht grad ein Macho. Der steht auf starke Frauen. Zumindest beim Tanzen. Ach, auf Frauen in einer Führungsposition? Die also führen? Wohl eher auf solche, die ihn hochstemmen können. Bei den Hebefiguren. Diese dicke Ballerina (eine Bladerina, quasi) kann das. Mit welcher Grazie dieser reife, pompöse weiße Schwan sein Tutu und seinen Prinzen der Generation Plus trägt. Wie heißt diese Position eigentlich? Missionarsstellung? (Mann oben, Frau unten.) Nein, Gleichstellung natürlich.

Überhaupt sexy (zum Reinbeißen sexy) sind diese Tortenstücke. Und das, obwohl sie aus Wolle sind und nicht aus aufreizenden Kalorien. "Ich kann so gut nachdenken beim Häkeln und Stricken. Das ist so, als ob meine Fantasie stricken würde." Und die strickt wirklich fleißig. Hat sich eine komplett neue Frauenzeitschrift ausgedacht: "Die Weibsen." Und Petrau-Heinzel hat alle Redakteurinnen dann unglaublich lebendig mit Zeitungspapier, beseelten Gesichtern, unerschöpflicher Lust am Detail und mit Witz für uns sichtbar gemacht, die wir ja nicht in ihren Kopf reinschauen können. He, die Kolumnistin ist wie ich! Die kramt in ihrer Tasche nach Ideen! Nicht, dass die Künstlerin nicht auch gern ein bissl gemein wäre. Einem superherzigen Mäderl hat sie zum Geburtstag eine Torte des Grauens geschenkt. Mit einer Hand drauf. Die genau aufs total eingeschüchterte Geburtstagskind zeigt. Das kriegt davon jetzt sicher PTES. Eine Posttraumatische Essstörung. Bladerina wird die Kleine keine.

Kunst- und Rahmenhandlung Christine Ernst
(Singerstraße 27)
"Kostbarkeiten", bis 7. September
Sommerpause bis 20. August
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 16:23:27
Letzte Änderung am 2018-08-07 17:31:52


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