• vom 11.09.2018, 16:44 Uhr

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Update: 11.09.2018, 17:36 Uhr

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Der Polster von Judith P. Fischer hat sich sicher nicht hochschlafen müssen. (Auf den Sockel.) Der hat definitiv wirkliches Talent. Als Faultierimitator.

Der Polster von Judith P. Fischer hat sich sicher nicht hochschlafen müssen. (Auf den Sockel.) Der hat definitiv wirkliches Talent. Als Faultierimitator.© Judith P. Fischer Der Polster von Judith P. Fischer hat sich sicher nicht hochschlafen müssen. (Auf den Sockel.) Der hat definitiv wirkliches Talent. Als Faultierimitator.© Judith P. Fischer

Malen, dass sich die Balken biegen

(cai) Kann abstrakte Kunst feministisch sein? Ja, warum nicht? Wenn eine Feministin sie gemacht hat? Besonders eine, die früher einmal den männlichen Heiligenschein als hochgeklappte Klobrille dargestellt hat. (Den männlichen Heiligenschein? Ist nicht eh jeder Heiligenschein maskulin? - Heiligenschein, der.)

Die trikoloren Bilder von Florentina Pakosta bestehen, no na, aus drei Farben. Nein, keine Streifenbilder im Stil der französischen Trikolore. Überhaupt keine Fahnen. Von fiktiven Ländern womöglich, in denen die Geschlechter nicht bloß in der Verfassung völlig gleichgestellt sind. Vielmehr ein präzises Chaos (Balken vor monochromem Hintergrund). Wenn sich schwarzweiße Balken vor einem leuchtenden Blau komplex verdichten, geht’s da also mit ziemlicher Sicherheit nicht um Estland (Blau-Schwarz-Weiß). Zackige Winkel auf rotem Grund wecken allerdings vage, mahnende Assoziationen mit der Hakenkreuzflagge. Und dann malt Pakosta wieder, dass sich die Balken biegen. Zu Parabeln verformen. Ach was, zu einem "Triumph der Parabeln".

Konfrontationen. Farben, kräftig, fast aggressiv, die sich schlagen oder dem Betrachter eine knallen, dass ihm die Augen flimmern. Harmonie wäre sowieso Realitätsflucht. Der Konstruktivismus ist jedenfalls unisexy (mit i). Ein Bild können Frauen nämlich genauso gut aufbauen wie eine Kommode von Ikea. Die übrigen Räume in der artmark galerie erzählen knapp die Vorgeschichte. (Was bisher geschah, quasi.) Nur auf den ersten Blick sind die Drei-Farben-Bilder was komplett anderes. Als die herrlich bösen, ikonischen Glatz- und Charakterköpfe. Und von den haufenweise auf Papier und Leinwand abgeladenen Farbtuben, Schlüsseln, Keilrahmenkeilen, zur Masse abstrahiert, sind es lediglich ein paar Schritte.

artmark galerie
(Singerstraße 17)
Florentina Pakosta, bis 13. Oktober
Do., Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Das Weiche unter der Birne

(cai) Ein ziemlich praktischer Bettgenosse. So anpassungsfähig. Und in der Früh wird er einfach aufgeschüttelt und ist wieder in Form, der Polster. (Natürlich der Polster. Wer sonst?) Okay, dass er sich dann an die gemeinsame Nacht plötzlich nimmer erinnern kann, ist schon ein bissl kränkend.

Pölster sind bekanntlich weich und trotzdem schreibt man sie mit einem harten P. Judith P. Fischer, die selber einen stimmlosen bilabialen Plosiv (ein P) im Namen hat, macht da aber eh gern eine Ausnahme: "Bolster." Dabei sind ausgerechnet ihre total unkuschelig. (Das kriegen freilich nur die Grapscher mit.) Voller Epoxidharz. Die vergessen jetzt bestimmt nimmer, was die Künstlerin mit ihnen angestellt hat. (Es handelt sich wohlgemerkt um keine Abgüsse. Eher um Präparate.)

"Pillowtalk" (Bettgeflüster): Die Galerie Straihammer und Seidenschwann ist derzeit wirklich gut "ausgebolstert". Überall knotzen diese sympathischen Knautsch-Wesen herum. Hängen lässig am Sockel, picken als Kleckse an der Wand. Und die meisten sind mit einem dichten Gespinst aus feinen Bleistiftlinien überzogen. Haptische Zeichnungen quasi, wobei die Räumlichkeit eben keine Illusion ist, kein 3D-Effekt. (Während daneben delikate Zeichnungen auf flachem Papier fleißig die dritte Dimension einfangen. Von Wäsche, die zu Organischem mutiert.) Dafür ist manchmal das 2D ein Schwindel. Der Schatten, den ein reales "Bölsterchen" wirft: bloß Schraffuren. Witzig, das Spiel mit den Eigenschaften des Werkstoffs, die Irritationen. Und originell, das Weiche unter dem träumenden Kopf als bildhauerisches Material zu nutzen. Als Knetmasse.

Sitzpolster mit vier Buchstaben (und zwei P): Popo. Und weil der nicht immer ausreicht, hat Judith P. Fischer auf ein Klavierbein zwei Pölster draufgelegt ("Ruhekissen für einen Pianisten"). Gleich zwei? Na ja, man hat doch auch zwei Pobacken. (Die hat man allerdings nebeneinander.) Was Autobiografisches? Schließlich haut sie selber in die Tasten. Nein, wahrscheinlich nicht. Die Pölster haben jedenfalls keinerlei Erinnerung an sie. Nicht einmal an eines ihrer Ps.

Galerie Straihammer und Seidenschwann
(Grünangergasse 8/3)
Judith P. Fischer, bis 13. Oktober
Di. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-11 16:54:10
Letzte Änderung am 2018-09-11 17:36:51


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