Der Polster von Judith P. Fischer hat sich sicher nicht hochschlafen müssen. (Auf den Sockel.) Der hat definitiv wirkliches Talent. Als Faultierimitator. - © Judith P. Fischer
Der Polster von Judith P. Fischer hat sich sicher nicht hochschlafen müssen. (Auf den Sockel.) Der hat definitiv wirkliches Talent. Als Faultierimitator. - © Judith P. Fischer

Malen, dass sich die Balken biegen

(cai) Kann abstrakte Kunst feministisch sein? Ja, warum nicht? Wenn eine Feministin sie gemacht hat? Besonders eine, die früher einmal den männlichen Heiligenschein als hochgeklappte Klobrille dargestellt hat. (Den männlichen Heiligenschein? Ist nicht eh jeder Heiligenschein maskulin? - Heiligenschein, der.)

Die trikoloren Bilder von Florentina Pakosta bestehen, no na, aus drei Farben. Nein, keine Streifenbilder im Stil der französischen Trikolore. Überhaupt keine Fahnen. Von fiktiven Ländern womöglich, in denen die Geschlechter nicht bloß in der Verfassung völlig gleichgestellt sind. Vielmehr ein präzises Chaos (Balken vor monochromem Hintergrund). Wenn sich schwarzweiße Balken vor einem leuchtenden Blau komplex verdichten, geht’s da also mit ziemlicher Sicherheit nicht um Estland (Blau-Schwarz-Weiß). Zackige Winkel auf rotem Grund wecken allerdings vage, mahnende Assoziationen mit der Hakenkreuzflagge. Und dann malt Pakosta wieder, dass sich die Balken biegen. Zu Parabeln verformen. Ach was, zu einem "Triumph der Parabeln".

Konfrontationen. Farben, kräftig, fast aggressiv, die sich schlagen oder dem Betrachter eine knallen, dass ihm die Augen flimmern. Harmonie wäre sowieso Realitätsflucht. Der Konstruktivismus ist jedenfalls unisexy (mit i). Ein Bild können Frauen nämlich genauso gut aufbauen wie eine Kommode von Ikea. Die übrigen Räume in der artmark galerie erzählen knapp die Vorgeschichte. (Was bisher geschah, quasi.) Nur auf den ersten Blick sind die Drei-Farben-Bilder was komplett anderes. Als die herrlich bösen, ikonischen Glatz- und Charakterköpfe. Und von den haufenweise auf Papier und Leinwand abgeladenen Farbtuben, Schlüsseln, Keilrahmenkeilen, zur Masse abstrahiert, sind es lediglich ein paar Schritte.

artmark galerie
(Singerstraße 17)
Florentina Pakosta, bis 13. Oktober
Do., Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Das Weiche unter der Birne

(cai) Ein ziemlich praktischer Bettgenosse. So anpassungsfähig. Und in der Früh wird er einfach aufgeschüttelt und ist wieder in Form, der Polster. (Natürlich der Polster. Wer sonst?) Okay, dass er sich dann an die gemeinsame Nacht plötzlich nimmer erinnern kann, ist schon ein bissl kränkend.