Buenos Aires. "Buenos Aires hat uns ausgewählt!" Mit dieser Aussage anlässlich der Eröffnung der ersten Kunstwoche versuchte der Direktor der Kunstmesse Art Basel, Marc Spiegler, die Entscheidungsfindung für die Hauptstadt Argentiniens klarzustellen. Vor etwa zwei Jahren hat die erfolgreichste Kunstmesse der Welt angekündigt, eine weiterführende Programmschiene etablieren zu wollen. Abseits der drei Messen in Basel, Hongkong und Miami Beach wollte man ein Konzept lancieren, das innerhalb einer Woche die zeitgenössische Kunstszene einer Stadt fokussiert in den Mittelpunkt stellt - mit maßgeblicher Unterstützung der langjährigen Expertise und den internationalen Kontakten der Schweizer Messe. Die Zusammenarbeit solle bei der Kuratierung von Ausstellungen, beim Marketing und bei der Pressearbeit, der Einladungspolitik und beim Wissenstransfer liegen.

Verlockendes Angebot

Auf dem ersten Blick erscheint das Angebot der Art Basel verlockend. Denn die Erfahrung und Professionalität, die die Organisatoren im Laufe von mehr als 40 Jahren gesammelt haben, kann manchen Städten wirklich dabei helfen, einer unterentwickelten Kunstszene Auftrieb zu verleihen. Aber bei der pulsierenden Millionenmetropole Buenos Aires? Das Paris Südamerikas mit seiner lebendigen und äußerst kreativen Kunstszene? Hat die europäisch anmutende Stadt tatsächlich kulturelle Entwicklungshilfe aus Europa notwendig? Gerade in diesen Tagen, als wieder einmal eine gravierende Finanzkrise mit galoppierender Inflation großen Teilen der Bevölkerung zu schaffen macht?

Für die Beantwortung der Fragen gilt es einige Faktoren zu berücksichtigen. Ja, Buenos Aires und kunstinteressierte Bewohner wissen über Attraktivität und Lebendigkeit der Galerien-, Museums- und Kunstszene Bescheid. Diskutiert man darüber mit Politikern, Galeristen und Sammlern, dann argumentieren sie mit stolzem Selbstbewusstsein.

Diese Einstellung war es auch, die Marc Spiegler zur anfangs zitierten Aussage verleitet hat: Buenos Aires weiß, was es zu bieten hat. Die Art Basel ist sich jedoch ebenfalls bewusst, was sie als Organisation leisten kann. Es geht dabei nicht nur um Ausstellungen, Performances, Galerien- und Atelierbesuche, sondern um eine längerfristige Zusammenarbeit, die im besten Fall den Kick-off für Investitionen in die kulturelle Logistik und architektonische Infrastruktur der Stadt bildet. Das gelungene Beispiel von Miami Beach sollte in Buenos Aires fortgesetzt werden. "Die Initiative bildet eine vollkommen neue Plattform, die weit über das Messegeschehen hinausgeht", erklärt die Projektmanagerin der Art Cities, Marie Christine Schuh, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Die Kunstwoche bildet zwar das global erkennbare, kulminierte Aushängeschild der Kooperation, aber es gab schon in den Monaten davor Projekte, Verhandlungen und Gespräche. Der initiierte Impuls wird von uns auch im kommenden Jahr weitergeführt, um Nachhaltigkeit und Beständigkeit zu garantieren."