Lange verkannt: Claude Monet mit "Junge Mädchen im Boot", 1887. - © Nat. Mus. of Western Art, Tokio
Lange verkannt: Claude Monet mit "Junge Mädchen im Boot", 1887. - © Nat. Mus. of Western Art, Tokio

Claude Monet (1840 - 1926) und Wien verbindet eine lange Ausstellungsgeschichte, die 1898 im Wiener Künstlerhauses begann. 1903 wird Monet in der 14. Ausstellung der Secession über Impressionismus hervorgehoben, die Neue Galerie kaufte damals und in der Galerie Miethke 1910 und 1913. 1925 folgte eine weitere Schau in der Secession. Nach großer Pause kam 1996 die erste monografische Ausstellung im Belvedere, der 2014 "Im Lichte Monets" - eine Gegenüberstellung mit österreichischen Künstlern wie Theodor Hörmann und Gustav Klimt folgte.

Nun hat die Albertina mit Unterstützung des Pariser Musée Marmottan, das Monets Nachlass hütet, und vielen internationalen Leihgebern etwa 100 Gemälde versammelt, drei stammen aus der Sammlung Batliner und auch der Blick auf die Allee im Garten von Giverny aus dem Belvedere bereichern "Monet. Die Welt im Fluss".

Kunstlose Skizzen

Wasser, Schnee und Nebel sind in den Landschaften Monets entscheidende Faktoren, die mit Licht und Farbe verschmelzen. Wasserspiegelung löst Formen auf wie der sichtbare Pinselstrich und das brachte Monet lange Kritik ein, anfangs verwarf man die Impressionen als kunstlose Skizzen.

Der Regelverstoß gegen den Salon wurde erst positiv gesehen von der Avantgarde nach 1945 im abstrakten Expressionismus und der wilden Malerei. Die hochgeschätzten Serien (Getreideschober, Versionen der Kathedralfassade von Rouen und vor allem die Seerosenbilder seines Gartens in Giverny) finden sich am Ende einer chronologisch konzipierten Schau.

Monet hatte einen schwierigen Start als Maler, war bis zum 50. Lebensjahr wenig erfolgreich, auf Unterstützung der Familie und von Freunden wie Auguste Renoir, Gustave Caillebotte oder Berthe Morisot angewiesen. Beeinflusst war er anfangs von Eugène Boudin, Edouard Manet und dem Japonismus, bevor er zum Hauptvertreter des neuen impressionistischen Stils aufstieg. Die gleichgesinnten Maler übernahmen den anfänglichen Spottnamen der Kritiker von Monets kleinem Bild "Impression, Sonnenaufgang" von 1873.

Diese "Ikone" wandert nicht mehr, jedoch sind frühe Seestücke und Strandbilder aus Trouville, die ab 1865 erste Aufmerksamkeit brachten, zu sehen. Die Räume lassen uns mitwandern, mit dem auf der Flucht vor Schulden und der Suche nach Motiven durch Frankreich Ziehenden - neben Paris Honfleur, Argenteuil, Pourville, Rouen, die Klippen der Bretagne, das Flusstal der Creuse im Zentralmassiv und Giverny. Dazu kommen die Reisen nach London, Holland, Italien, Norwegen, an manche Plätze zog es ihn mehrmals.