Am Fluss in Argenteuil malte Monet auf einem selbst gebauten Hausboot. Der Arbeit im Freien, im Winter mit kleinem Ofen, folgte eine Korrektur im Atelier, was er anfangs bestritt. Er lebte mit seinem Modell Camille und zwei Söhnen, bis zu ihrem tragischen Tod.

Vor dem französisch-preußischen Krieg flüchtete er zu seinem Kunsthändler Paul Durand-Ruel nach London, dorthin sollte er mehrmals zurückkehren, um die Ansicht des sich in der Themse spiegelnden Parlaments in fantastischen Lichtstimmungen zu malen. Er traf James Mcneill Whistler, sammelte japanische Holzschnitte wie dieser, auch Werke seiner Kollegen Paul Cézanne oder Auguste Rodin, die Verehrung für den Fotografen und Karikaturisten Nadar sieht man im Blickwinkel auf den "Boulevard de Capucines".

Neben Begeisterung für die Fotografie schaffte er sich früh ein Auto an. Der "Élan vital" (Henri Bergson) der Moderne übertrug sich auf seine Malerei, trieb seine Maltextur an, auch Farbvibration und offene Komposition. Für die Bilder kämpfte er im Freien gegen jedes Wetter, wie bei den Eisstoßansichten in Vétheuil von 1880 und wilde Wellen an der Küste der Bretagne 1883.

Ungewöhnliche Perspektiven und Ausschnitte werden in den späten Seerosenbildern, Ansichten der japanischen Brücke und der Rosenhecken Givernys häufiger. Davor bilden Pappeln Raster, Getreideschober und Berge sind eingefärbt vom Sonnenlicht, verschmelzen mit der Umgebung, weshalb Wassily Kandinsky das Motiv nicht mehr erkannte.

1890 kaufte Monet das seit 1883 gemietete Haus in Giverny. Schließlich doch erfolgreich mit Verkäufen bis Russland, Japan und in die USA, baute er drei Ateliers und vergrößerte ständig den mit seiner Patchworkfamilie angelegten Garten. Nach Camilles Tod lebte er mit Alice Hoschedé, der Frau seines frühen Sammlers, die nach Bankrott ihres Ehemannes zu den Monets zog, sie heirateten 1892 und zogen acht Kinder auf, die Monet zum Teil überlebte.

Das Kapitel Spätwerk in Giverny, die Frage nach dissonanten, schwebenden Räumen, sich kreuzenden oder hingeworfenen Pinselzügen, immer abstrakteren Motiven, auch durch Augenkrankheit, ist natürlich der Höhepunkt. Zwei Säle bietet die Albertina zum Eintauchen in die Welt des ersten Malergärtners, mit dessen Bildpanoramen Kunsthistoriker Werner Hofmann die beginnende Krise des Staffeleibildes im 20. Jahrhundert und Aufbruch zu Neuem ansetzt.

Ausstellung

Monet. Die Welt im Fluss

Albertina, bis 6. Jänner