Redet sehr gern: der "Chatterbot". Aber Katrin Kampmanns Bilder haben ja eh keinen Ton. Allerdings viele Farbtöne. - © Katrin Kampmann
Redet sehr gern: der "Chatterbot". Aber Katrin Kampmanns Bilder haben ja eh keinen Ton. Allerdings viele Farbtöne. - © Katrin Kampmann

Skulpturen sind viel dreidimensionaler

(cai) Sie sind immer zu dritt. In jedem Raum der bechter kastowsky Galerie. Die Dimensionen? Länge, Breite und Höhe? Ja, die natürlich auch. Sonst wären das doch überhaupt keine Räume, oder? Aber eigentlich hab ich die Künstler gemeint, die dort grad ausstellen. Dass sich in jedem Raum mindestens ein Werk von jedem befindet. "Ganz banal isses eine Gegenüberstellung." (Robert Kastowsky von der Galerie.)

Malerei: bekanntlich Farbe auf einer Fläche. Also insofern zweidimensional. Skulpturen sind jedenfalls viel dreidimensionaler. Die Bilder hier sollen allerdings "freidimensional" sein. Laut dem Titel der Schau ("free dimensional"). Ach, weil die gemalten Flächen so gern eine Raumillusion erzeugen, nur um sie dann gleich wieder zu zerstören? He, wie mein Röhrenfernseher. Hinten ist er ein 3D-Fernseher (sehr dreidimensional) und vorne ist er eh flach.

Aurelia Gratzer übersetzt quasi den Fotorealismus eins zu eins in abstrakte Kunst. Arbeitet Architekturfotografien Fläche für Fläche ab, verändert dabei lediglich Farbe und Struktur. Und heraus kommen klare konstruktivistische Kompositionen, deren Erinnerungen an die Räumlichkeit fürs Auge nimmer eindeutig zu fassen sind. Gemälde in geradezu fehlerfreier Druck-Ästhetik. Und Enrico Bach? Simuliert Tiefe (gefühlte ein, zwei Millimeter, die trotzdem beeindrucken), indem er seine strengen Flächen vielschichtig übereinanderlegt wie Papier. Und bei aller Präzision bleibt der Künstler spürbar. Noch persönlicher wird Christoph Schirmer, der mit breitem Pinsel selbstbewusste Ich-war-hier-Gesten hinterlässt. Neben emotionsloser Linienperfektion. Oder pittoresk aufgeklebtem Papier. Einer, der Ordnung auf der Fläche hält. Sich den Platz geschickt einteilt.

Dreimal reine Malerei. Verschieden, aber absolut gleichwertig.

bechter kastowsky galerie
(Gluckgasse 3, Mezzanin)
"free dimensional", bis 25. Oktober
Do., Fr.: 10 - 19, Sa.: 10 - 15 Uhr

Was machen Roboter in ihrer Freizeit?

(cai) Die Science-Fiction-Filme haben uns ja gewarnt. Dass die Maschinen irgendwann die Weltherrschaft an sich reißen werden, statt weiterhin unsere Sklaven zu sein und uns von vorn bis hinten zu bedienen. Und trotzdem will der Mensch, dieser Trottel, unbedingt eine künstliche Intelligenz erschaffen, eine Maschine mit Bewusstsein, die also nicht nur mehr drauf hat als er, sondern das auch noch weiß.

Der Kunst haben sich die Maschinen jedenfalls bereits bemächtigt. Okay, nicht der ganzen. Doch immerhin der von der Katrin Kampmann. Die Berliner Künstlerin behauptet allerdings, sie hätte die Roboter alle freiwillig gemalt, die sich ziemlich gut hineintarnen in ihre opulenten Farbgefilde, ins Bunte, und genüsslich mit dem Betrachter Verstecken spielen. "Meine Bilder funktionieren wie ein Rorschachtest. Die Leute können was hineinsehen, was ich nicht gemalt habe." Die Roboter hat sie natürlich schon gemalt. Den "Empathor", den "Chatterbot" ("ein Tratschroboter sozusagen") . . . Doch keine Angst, die tun eigentlich eh nix. Die wollen nur ein bissl Spaß haben. Und Freizeit. (Bis auf diesen Workaholic dort.)

Tja, Roboter sind halt auch bloß Menschen. Im Sci-Fi-Thriller "I, Robot" ist Will Smith da aber eher skeptisch, denn: Kann ein Roboter eine Symphonie komponieren oder eine Leinwand in ein Meisterwerk verwandeln? Antwortet der Roboter: "Können Sie’s?" Katrin Kampmann kann’s. Zumindest das mit der Leinwand. Auf der sie sinnliche Orgien feiert. Schüttet, pinselt, druckt. Abstrakte Landschaften verwebt sie spannend mit dem Figurativen. Und in den Aquarellen verrinnen die Flecken delikatest zu allerlei Robo-Modellen. Zum Terminator, diesem Endzeit-Androiden, und zu selber erfundenen.

"Wir sind die Roboter": Der Titel der Schau zitiert einen bekannten Song von Kraftwerk, von diesen Elektropop-Pionieren. Und ein Ex-Mitglied der Band, der Eberhard Kranemann, wird hier, in der Galerie Lukas Feichtner, am 28. September um 19 Uhr eine Performance machen. "Robotic Night" bedeutet aber selbstverständlich nicht, dass Menschen höchstens als Begleitpersonen ihrer Saug- und Mähroboter willkommen sind.

Galerie Lukas Feichtner

(Seilerstätte 19)
Katrin Kampmann, bis 4. Oktober
Di. - Fr.: 10 - 18, Sa.: 10 - 16 Uhr