"Loys Egg" von Peter Weibl zeigt die in Graz ansässige Galerie Kunst&Handel zurzeit bei der Parallel. - © Thomas Eisl
"Loys Egg" von Peter Weibl zeigt die in Graz ansässige Galerie Kunst&Handel zurzeit bei der Parallel. - © Thomas Eisl

Wien. Vielleicht muss man sich für die Parallel-Kunstmesse neue Definitionen einfallen lassen? Denn das Konstrukt ist mittlerweile zu einem Hybrid geworden, der allen gängigen Beschreibungen einer Satellitenmesse verweigert. Das kann auf der einen Seite sehr spannend und erfrischend sein, aber auf der anderen Seite kämpft sie mit erheblichen Problemen, was ein konsequent durchgehaltenes Qualitätsniveau betrifft.

In manchen Teilen erinnert die Messe an eine spaßorientierte Zusammenkunft während einer Schullandwoche im Kunstkontext. Es hat schon mit einigermaßen Chuzpe zu tun, wenn das Messeteam rund um das künstlerische Matermind Stefan Bidner (Büro Weltausstellung, Art Foundation) das Event als jung, innovativ und eigens kuratiert bezeichnet, und andererseits renommierte Galerien wie Krinzinger, Charim, Mauroner, Thoman oder Senn als zugkräftige Namen auf der Ausstellerliste stehen. Außerdem ist es zwar verdienstvoll - und wirklich gut gelungen - eine eigene Präsentation unter dem Titel "Masters" zu fahren. Aber ist es tatsächlich mit dem Profil einer Emerging-Artists-Messe kombinierbar?

Das Gesamtbild zählt

Des Weiteren kommt es immer etwas arrogant rüber, wenn man abgewiesenen Bewerbern für die Messe wiederholt unter die Nase reibt, dass die Gesamtheit des Gezeigten kuratiert wird und man auf ein einzigartiges Gesamtbild Wert legt, um dann kurz vor Beginn der Messe angestrengt - telefonisch - versucht, potenzielle Aussteller zu gewinnen. Aber unter Umständen muss eben auch für "kuratiert" ein neuer Ausdruck gefunden werden.

Weg von den Unstimmigkeiten, hin zu den positiven Aspekte der Parallel. Wie schon angedeutet, ist die Zusammenstellung der Masters-Schiene durchwegs gelungen. In der Bibliothek in einem ehemaligen Bürogebäude beim Praterstern können unter anderem frühe, kaum bekannte Arbeiten von Walter Vopava, Birgit Jürgenssen oder Markus Prachensky bewundert werden. Bei den Galerien lohnen sich Abstecher zu Mario Mauroner mit den bemerkenswerten, nuancierten Arbeiten des jungen Künstlers Philip Mentzingen (ab 3200 Euro), zu Thoman mit den virtuosen Skulpturen von Peter Sandbichler oder ins Büro Weltausstellung mit beeindruckenden Leinwänden von Michi Lukas (ab 8800 Euro) und Alex Ruthner (14.000 Euro).

Bei Einzelpräsentationen empfiehlt sich sehr im fast kafkaesken Bürolabyrinth nach den imposanten wie dichten Skulpturen und Fotografien von Herbert Hofer, die stimmige Installation der jungen Künstlerin Marina Sula, die ironisch-perfomativen Kraftmeiereien von Sophia Süssmilch oder die konzentrierte Rauminstallation von Noele Ody zu besuchen.

Wie sich die Parallel zukünftig definieren wird, bleibt offen. Jedoch betonen etablierte Galerien, dass es bei dem Format oft einfacher ist, Arbeiten junger Künstler an die Frau oder den Mann zu bringen, weil in diesem Umfeld angehende Sammler davon ausgehen, dass das Preisniveau ihren Budgets eher angepasst ist als bei der Vienna Contemporary. "Addiert man alle Kosten für die Woche, steigen wir beim Verkauf auf der Parallel um vieles besser aus als bei der Vienna Contemporary - dort konnten wir in all den Jahren der Teilnahme noch nie positiv bilanzieren", zieht eine renommierte Galeristin eine etwas überraschende Bilanz.

Parallel Messe

bis 30. September 2018.

www.parallelvienna.com