Johann Jaschas "Schreiaktion" aus dem Jahr 1972. - © Werner H. Mraz
Johann Jaschas "Schreiaktion" aus dem Jahr 1972. - © Werner H. Mraz

Als 1968 die Fenster geöffnet wurden, um endlich durchzulüften und den Mief der Vergangenheit zu verjagen, als ein regelrechter Sturm über ganz Europa zog, der kaum einen Stein auf dem anderen ließ - damals habe im kleinen Linz abseits der Bundeshauptstadt nur ein sanftes Mailüfterl geweht, heißt es, hier habe das gesellschaftliche 1968 kaum stattgefunden. Ausstellungen in gleich drei großen Museen der Stadt wollen 50 Jahre später den Gegenbeweis anstellen und die Protagonisten, die Aktivisten, die Kunst, die Architektur und die Gesellschaft von 1968 beleuchten.

"Wer war 1968?", diese Frage stellen das Kunstmuseum Lentos, das Stadtmuseum Nordico und die oberösterreichische Landesgalerie. Diese eröffnet ihre Ausstellung erst am 4. Oktober und beschäftigt sich mit den Architekturkonzepten der 1968er, in einer Phase, als man sich von einzelnen Akteuren hin zu Kollektiven entwickelte, gemeinsam Grenzüberschreitungen und Entgrenzungen wagte. Im Lentos widmet man sich dem Jahrzehnt der Ausbrüche, ortet die Echos in Linz, in denen die Umbruchstimmung in Europa aufgenommen und künstlerisch verarbeitet wurde.

Keine Nostalgie

Kuratiert wurden die Ausstellungen in Lentos und Nordico von den Kunsthistorikern Georg Schöllhammer und Hedwig Saxenhuber, die beide oberösterreichische Wurzeln haben. Sie wollten keine nostalgische Ausstellung gestalten, sondern die Generation der 68er beleuchten: "Wie haben sie die Zeit erlebt?" Auf kargen Spanplattenwänden hängen im großen Saal des Lentos Zeichnungen, Plakate und Dokumentationen von Interventionen. Valie Export ist hier präsent, wie auch Peter Kubelka, Dietmar Brehm, Harun Farocki, Maria Lassnig, Yoko Ono oder Josef Bauer. Auch zahlreiche tschechische Künstler sind ausgestellt, der Prager Frühling war für Oberösterreich durch die Nähe besonders relevant und präsent, erklärt Kurator Schöllhammer. Viele Künstler aus 1968 hätten Linz damals verlassen, weil sie das repressive Klima nicht ertragen haben, andere wiederum seien nach 68 in ihre Brotberufe zurückgekehrt.

Verrostete Griffe und Eisengitter

Zahlreiche Kunstinstallationen wurden für die Ausstellung im Lentos rekonstruiert und neu inszeniert: Wie Waltraud Coopers Schnüre, die sich von einer Platte zu einem Punkt an der Decke bündeln, wie das erotisierend verhüllte Spiegelkabinett mit Schachbrett des tschechischen Künstlers Stano Filko, oder einen Raum über die Objekte, die Heimrad Bäcker aus dem KZ Mauthausen entnahm und in einen künstlerischen Kontext setzte. Eisengitter, verrostete Griffe und morsche Holzbalken muten im Museumsraum wie Kunstobjekte an, die er mit einer fotografischen Dokumentation über seine Fahrten nach Mauthausen kombinierte.