Wien. Wer begibt sich schon freiwillig und gerne in ein Krankenhaus? Solange es nicht darum geht, nervtötende Wehwehchen zu kurieren, macht man um diese Anstalten normalerweise einen großen Bogen. Die verständliche Einstellung sollte man für die kommenden zehn Tage überdenken und zur Kur im ehemaligen Sophienspital im siebten Bezirk einchecken. Hier hat die zwölfte Vienna Design Week ihr temporäres Hauptquartier aufgeschlagen und bespielt die einzigartige wie architektonisch bunt zusammengewürfelte Anlage mit parkähnlicher Grünfläche mit unterschiedlichen Konzepten und Präsentationen. Das Programm ist derart vielfältig, abwechslungsreich und anregend, dass der Aufenthalt wie im Fluge vergehen wird.

Gastland Polen

Lilli Hollein, die Leiterin des Festivals, skizziert vier wesentliche Säulen der diesjährigen Ausgabe. Ein Schwerpunkt firmiert unter der Überschrift "Genuss und Gastgeberschaft" und behandelt Bereiche wie Tischkultur, Nahrungsmittel- oder Möbeldesign. Eine weitere Thematik, die im Spital diskutiert wird, ist der Protest. Der Grafiker und Kurator Erwin Bauer seziert das Thema anhand der Geschichte der Plakatkunst. Zusätzlich macht ein Wettbewerb deutlich, dass Plakate als Kommunikationsmittel des Protests bis heute eine maßgebliche Bedeutung haben.

Von haptischen Ausdrucksmitteln zur Virtual Reality: Der Kenyon-Kranken-Pavillon ist diesem Themengebiet gewidmet. Last but not least stellt die Design Week auch heuer ein Gastland vor: Polen. Dazu gibt es einerseits einen informativen Überblick über Design der vergangenen Jahrzehnte des Landes und andererseits stellt das Adam Mickiewicz Institut eigene Projekte vor. Wie zum Beispiel der Design Emergency Room von Studenten der Hochschule. Anstaltsbesucher werden eingeladen, in einzelnen Kojen ein paar Fragen zu Gesellschaft, Politik und zum eigenen Wohlergehen zu beantworten. Die Gesamtheit der Antworten wird nach dem Festival ausgewertet und resultiert in einer durchschnittlichen Befindlichkeitsskala der Bevölkerung.

Zum persönlichen Wohlergehen gehört die Nahrungsaufnahme in einem exklusiven Rahmen. Dazu können im Sophienspital zahlreiche bemerkenswerte Konzepte und Realisierungen besichtigt werden. Es beginnt mit dem Flavour Collage Workshop von Namuun Zimmermann und Kevin Smeeing, die der Frage nachgegangen sind, wie Neubau wohl schmecken könnte. Sie haben Teile des Bezirks als Model nachgebaut, einzelne Häuser als Schokoladewürfel mit oft unerwarteten Geschmacksrichtungen (Balsamico, Grüntee oder Kekse) eingefügt und laden zur sensorischen Tour durch Boboville.