Hausmeister mit Durst: "Broom and Rum" von Stephanie Taylor. - © Rudolf Strobl, Courtesy: Stephanie Taylor und Galerie Nagel/Draxler, Berlin/Köln
Hausmeister mit Durst: "Broom and Rum" von Stephanie Taylor. - © Rudolf Strobl, Courtesy: Stephanie Taylor und Galerie Nagel/Draxler, Berlin/Köln

Lebt und schafft Ordnung in Wien

(cai) Stünde es nicht im Folder, ich würd’s echt nicht glauben. Dass sich auch Frauen ganz konkret ausdrücken können? Blödsinn. Das weiß ich doch längst. Alles andere wäre ja schließlich sexistisch. Nein, dass das bereits die zehnte Ausgabe vom Projekt "curated by" ist, das Galerien mit Kuratoren zusammenbringt. Thema heuer: Wien selbst ("viennaline").

Was ist das größtmögliche Kontrastprogramm zum männlichen Aktionismus? Konkrete Kunst von Frauen. Hat sich der Gerald Matt wohl gedacht und ein paar viel zu wenig beachtete Künstlerinnen ausgewählt (für die meisten gilt nach wie vor: "lebt und arbeitet in Wien"), die konsequent ihren strengen Weg gehen. Schon seit den 1970er Jahren. Seit damals zum Beispiel expandiert Magda Csutaks sehr ordentliches Universum ("Meine Kunstkammer"). Tja, die Sehnsucht des Lineals nach der Unendlichkeit. Kein Blut, keine Nackerten in der Galerie Steinek, nur Ordnung und Kalkül. Das heißt nicht: völlig unkörperlich und unsinnlich. Das Sitzmöbel von Helga Philipp: weiche Geometrie zum Einsinken. Für die träge Masse. Und Inge Dicks fotografische Untersuchungen zur Relativität der Farbe im Farb-Zeit-Kontinuum haben direkt was Malerisches.

In den Auslagen: konkrete Poesie von Eugen Gomringer. Okay, das ist ein Mann. Und nicht einmal ein Wiener. Aber er verwendet Sprache als ästhetisches Material. "avenidas - ciudad": Das "Skandalgedicht" ist grad erst hingerichtet worden. Von einem paranoiden, selbstzerstörerischen Hardcore-Feminismus, der es geschafft hat, aus "avenidas y flores y mujeres y un admirador" (Straßen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer) die Summe "Sexismus" zu bilden. Wenn ein Mann eine Ausstellung mit Werken von lauter Künstlerinnen kuratiert, ist das ja hoffentlich keine sexuelle Belästigung.

Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
"Konkret - Frau", bis 13. Oktober
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Ist die Kunst milieugeschädigt?

(cai) Und noch einmal "curated by" und "viennaline". "Vienna" muss man hier allerdings erst suchen. Am besten draußen. Vor der Tür. Ach, weil Wien dort logischerweise überall ist? Nein, eigentlich weil man einen Abstecher zum Schillerplatz rüber machen könnte. Da hat sich Maria Eichhorn nämlich subtil mit dem Ort auseinandergesetzt. Ein Vogelhäuschen in einen Baum gehängt, das sich funktional und schlicht in die Umgebung einfügt. Und außerdem haben die Kuratorinnen, Mirjam Thomann und Jenni Tischer, an der Kunstakademie gleich dahinter unterrichtet beziehungsweise studiert.

Und drinnen in der Galerie Krobath? Werden komplexe (und zweifellos spannende) Bezüge zu allerlei Städten hergestellt, die aber eben nicht Wien sind. Berlin (dort ist die Ausstellung im Wesentlichen bereits gezeigt worden), Paris (Katharina Aigner hat sich intensiv bemüht, einen abgeschiedenen Kunsttempel betreten zu dürfen, und dokumentiert jetzt unter anderem ihr Scheitern), Los Angeles (in der Soundinstallation von Stephanie Taylor) oder New York, wo im Goetheinstitut die Personifikationen von Sprache, Körper und Stimme zusammen mit "Someone" Texte performen, die mir eindeutig zu hoch sind (ein Film des Duos Titre Provisoire).

Das "Milieu" (so der Titel dieser vielschichtigen Schau) wird halt schon sehr allgemein thematisiert. Man mag mich kleinlich nennen, doch bei der Vorgabe "viennaline" erwarte ich mir . . . Wien. Sind die laufstegartig verlegten Betonplatten nicht eh eine Anspielung auf die hiesige Begegnungs- und Fußgängerzonen-Mode? Wo man den Autoverkehr dezimiert, indem man die Straßen "steinigt"? Nein, es wird das ursprüngliche Ambiente angedeutet. Die Bodenfliesen des Berliner Kunstraums. Na ja, dafür erzählen Besen und Alk-Flasche aus Alu von einem durstigen Hausmeister, und die Hausmasta sind/waren bei uns die "Masters of the Universe", oder? Also "of the Gemeindebau". In "Broom and Rum" (Stephanie Taylor) materialisiert sich quasi der Klang der Sprache. "Broom" reimt sich (fast) auf "Rum" und der auf "Aluminium". He, wie "Wien" auf "Berlin"!

Krobath Wien
(Eschenbachgasse 9)
"Milieu", bis 13. Oktober
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr