• vom 05.10.2018, 16:32 Uhr

Kunst

Update: 05.10.2018, 16:50 Uhr

Ausstellungskritik

Nicht nur pittoreske Andenken




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Kupferstichkabinett der Akademie zeigt im Theatermuseum Carlo Nayas frühe Venedig-Fotografien.

Die Rialtobrücke zwischen 1857 und 1864. - © Kupferstichkabinett

Die Rialtobrücke zwischen 1857 und 1864. © Kupferstichkabinett

Einer der ersten Fotografen, die am venezianischen Campo di San Maurizio und ab 1868 am Markusplatz ein Geschäft eröffneten, um für die damals noch etwas geringeren Besucherströme schöne Architekturansichten zu verkaufen, war der bei Turin geborene Carlo Naya (1816-1882). Dazwischen gab es auch ein Geschäft auf der Riva degli Schiavoni, das auf einer handkolorierten Fotografie mit Schiffen mit abgebildet ist. Der Dogenpalast, die Rialtobrücke, der Ca’d’oro als bekanntester neugotischer Palast am Canale Grande - alle wirken ruhig und wegen der langen Belichtungszeit menschenleer, auch das Wasser reduziert sich zu einer Spiegelfläche.

Der Fotograf hinterließ tausende von Negativen in verschiedenen Formaten, wovon Ende des 19. Jahrhunderts 90 Abzüge an das Kupferstichkabinett der Wiener Akademie der bildenden Künste kamen. Seine Fotografien wurden als Lehrmaterial genutzt - für Prüfungen und auch als anregendes Anschauungsmaterial für Studierende. Es waren nicht nur Sehenswürdigkeiten der Architektur und Plastik - dabei natürlich die berühmte Quadriga auf dem Markusdom oder der Bronzelöwe auf der Markussäule -, sondern auch jede Menge großer Gemälde aus dem Dogenpalast oder den Museen. Dabei hat Naya auch die Rahmen und teilweise auch die ganzen Säle, die Tore und in Kirchen die Lettner mit aufgenommen.

Information

Ausstellung

Carlo Naya
Venedig in frühen Fotografien

Akademiegalerie

bis 25. November

Maler als Vorbilder

Eine besondere Spezialität waren Nayas Aufnahmen von hohen Gebäuden wie dem Campanile und die Stadtübersichten herab auf die Punta della Dogana und die Kirche Santa Maria della Salute. Sonst orientierte er sich an berühmten Malern wie Canaletto oder alten Kupferstichmotiven. Seine Negative hat er ab 1864 schon für einen ersten Katalog auf Albuminpapier, welches er auf Karton kaschierte, abgezogen. Er war sehr erfolgreich, hatte sieben Kameras und 20 Mitarbeiter - von Giottos Cappella degli Scrovegni fertigte er 13 Fotografien nach der Restaurierung an, die ihn bekannt machten, auch wenn wir heute die Architekturen und Veduten viel mehr schätzen. Es sind daher 17 Beispiele dieser Kategorie zu sehen, ein Album zeigte die Gebäude entlang des ganzen Canale Grande. Bis 1918 konnte seine Witwe Ida Lessiak aus Ungarn mit ihrem zweiten Mann das Geschäft weiterführen; der Nachlass gelangte in die Harvard University Library.

Es ist die erste nur der Fotografie gewidmete Ausstellung im Kabinett der Gemäldegalerie, doch werden bei 22.000 Papierabzügen, die meist unbeforscht sind, wohl noch weitere folgen. Naya kam erst nach einem Jurastudium und ausführlichen Reisen durch Italien und ganz Europa zu seinem Beruf: Er begann als Amateur und endete als einer der bekanntesten Kunstfotografen des 19. Jahrhunderts neben den Brüdern Alinari in Florenz. Vor Venedig eröffnete er mit seinem Bruder bereits ein Fotostudio in Konstantinopel und fertigte in Ägypten, Rom und Prag noch Daguerreotypien an. Viele Auszeichnungen und Beiträge zu Weltausstellungen belegen seine Beliebtheit, auch eine Fortschrittsmedaille 1873 auf der Wiener Weltausstellung war dabei. Der Katalog beinhaltet den Gesamtbestand der Fotografien in der Akademie.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-05 16:42:32
Letzte Änderung am 2018-10-05 16:50:44



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