Andy Warhol, Mao, 1973, Grafit auf Papier / graphite on paper, 92,1 x 92,7 cm - © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Foto / Photo: Fondation Hubert Looser
Andy Warhol, Mao, 1973, Grafit auf Papier / graphite on paper, 92,1 x 92,7 cm - © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Foto / Photo: Fondation Hubert Looser

2012 war die Sammlung Looser aus Zürich im Kunstforum Wien zu Gast, nun ist sie in einer anderen Auswahl zum zweiten Mal in Österreich: in der Kunsthalle Krems. Der Hauptakzent liegt jetzt auf Zeichnung und Skulptur, zwei zusammenhängende künstlerische Techniken, denn viele, vor allem dem Minimalismus oder der Arte Povera angehörende, international bekannte Bildhauer haben ein Doppelleben als Zeichner. Looser begann nach 1960 zu sammeln und mittlerweile ging seine große Sammlung in eine Stiftung ein, die weltweit auch 40 humanitäre Projekte unterstützt. Das Signet der Schau ist ein Zwitter: Pablo Picassos "Sylvette" mit Ölfarben auf Metallblech gemalt. In weißen Malgrund zeichnete der Künstler 1954 mit schwarzen Pinselstrichen die charakteristischen Züge seines jungen Modells Sylvette mit Pferdeschwanz.

Skulptur und Zeichnung

Vor allem bei Vertretern des Surrealismus mischen sich Skulptur und Zeichnung wie bei David Smith und Serge Brignoni, die hier weniger bekannt sind als etwa Meret Oppenheim oder Arshile Gorky und André Thomkins. Aber auch Le Corbusiers Radierungen von fünf Frauen lenken zu reduzierten Plastiken von Anthony Caro. Zeichnungen von Andy Warhol - sein "Mao" von 1973 und eine "Ausruhende Figur" zeigen die Stärke der Sammlung Looser in Pop Art und besonders im abstrakten Expressionismus, vor allem Zeichnungen und Skulpturen von Willem de Kooning, Pinselskizzen von Jasper Johns, Philip Guston und Brice Marden.

Arshile Gorky, Ohne Titel, 1931-33, Tusche auf Papier, 64,8 x 92,7 cm. - © Bildrecht, Wien, 2018 Foto: Sammlung Hubert Looser
Arshile Gorky, Ohne Titel, 1931-33, Tusche auf Papier, 64,8 x 92,7 cm. - © Bildrecht, Wien, 2018 Foto: Sammlung Hubert Looser

Al Taylors Linienskulpturen in Stahl und Draht sind erneut dem Spiel der Linien und Pinselzüge verpflichtet. Eigene Auftragsarbeiten für Krems schuf die französische Künstlerin Fabienne Verdier, von der Looser viele Werke hat; auch sie ist bei uns weniger bekannt als etwa Roni Horn oder Agnes Martin. Der Sammler besitzt aber auch erstaunliche Blätter von Cy Twombly, Collagen von Eduardo Chillida und kleine Montagen von Richard Tuttle. Malerische Akzente geben Sean Scully und ein blauer Figurenabdruck von Yves Klein.

Pablo Picassos "Sylvette" (1954). - © Succession Picasso/Bildrecht/Fondation Looser
Pablo Picassos "Sylvette" (1954). - © Succession Picasso/Bildrecht/Fondation Looser

Eine Art Gegenakzent bieten Eva Schlegels Installationen und Videointerventionen "Spaces" in der zentralen Halle, dem Oberlichtsaal und nur noch bis 14. Oktober in der Dominikanerkirche. Die in vielen Medien tätige Künstlerin hat sich als Fotografin während des Umbaus die leere Architektur der Kunsthalle vor die Kamera geholt und die Einblicke mit der für sie typischen Methode der Unschärfe in abstrahierte, fast visionäre Traumräume verwandelt. Neben dieser hochästhetischen Serie von Leerräumen sind zur 1998 entstandenen Glaswandinstallation in der zentralen Halle mit drei Videofilmen das schwerelose Schweben im Weltraum und die Sternenwelten Thema. Unendlichkeit und der Traum vom Fliegen vereinen sich, während in der Dominikanerkirche durch eine Intervention mit Spiegeln eine viel klarer anmutende Raumerfahrung mit zwei tektonischen Archiskulpturen möglich wird.

Spiegelwelten

Schlegel klammert jedoch in dieser Spiegelwelt Wesentliches aus: Die Spiegelung des Betrachters verhindert jedes "Selfie", denn es ist allein der Kirchenraum, der hier auf den vielen Spiegelplatten die dominante Rolle spielt. Verwirrende Verschiebungen von gotischen Wänden lösen bei aller Materialfülle ein Gefühl aufgelöster Strenge architektonischer Grundgegebenheit aus. Unschärfe, unlesbare Schrift, Licht und Schatten, eingebaut in die vorhandene Ausstellungsarchitektur verweisen stark auf den Prozess des Kunstmachens - wie die Kamera bei Schlegel als "Bewaffnungsapparat" der Künstlerin, die männliche Blickdominanz vergangener Jahrhunderte "aufs Korn" nimmt. Elisabeth von Samsonows Text im Katalog führt tiefer in diese feministischen Gefilde der Künstlerin, die neben der Gruppe der neuwilden Maler als Hauptvertreterin der Neuen Geometrie in den 1980er Jahren bekannt wurde.