Punkte machen die Welle. Und werden dabei nicht seekrank. In Edgar Knoops "Farbprofil" (1975). - © Pepo Schuster, Courtesy: zs art galerie
Punkte machen die Welle. Und werden dabei nicht seekrank. In Edgar Knoops "Farbprofil" (1975). - © Pepo Schuster, Courtesy: zs art galerie

Das Gelb nimmt sich

in New York ein Taxi

(cai) Nur weil eine Sehenswürdigkeit drauf ist, ist ein Bild noch lange nicht sehenswert. Eh nicht. Doch am Stephansdom oder am Times Square (oder am Gesicht von Salvador Dalí) liegt’s ja sowieso nicht, dass man einfach nicht aufhören kann hinzuschauen. Sondern am "Spontanrealismus".

So nennt der VOKA selbst seinen farbgewaltigen, lustvollen Stil. Die Sinnlichkeit des Malens kostet er voll aus, spielt mit seinem Streichinstrument alle Stückln. (Nein, der Stradivari hat keine Pinsel gebaut.) Kleckst, kratzt, lässt es rinnen. Und trotzdem verdichtet sich alles immer zu einer lebendigen, detailreichen Darstellung der Wirklichkeit. Also von dem, was tatsächlich da ist. Aber sind die Farben nicht irgendwie "falsch", weltfremd? Na ja, erstens sind ein paar sehr wohl "richtig". Wie das Gelb, das sich ein Taxi nimmt und durch New York fährt, während rundum die Wolkenkratzer aus der puren, virtuosen Malerei herauswachsen. Und zweitens: Na und? Die intensive Buntheit ist doch grad der Witz daran. "Farbwelten" heißt die Ausstellung, oder? (Gerald Hartinger Fine Arts.)

Man könnte dem Spontanrealisten natürlich schon vorwerfen, dass seine Farben womöglich zu schön sind, seine Motive zu attraktiv. Wieso sollte man das freilich tun? Und warum sollte jemand absichtlich schiache Bilder malen? Für masochistische Sammler? Okay, vielleicht haben wir bereits genug Marilyns und brauchen nicht noch mehr davon. Ikonische Stars hat VOKA nämlich ebenfalls spontanrealistisch porträtiert. (Die Frisur von Jean-Michel Basquiat: eine abstrakte Eruption auf dem Kopf.) Auch wenn die Stadt mehr sein Revier ist. Ich werde mich jedenfalls nicht dafür entschuldigen, dass mir das Betrachten dieser Bilder Vergnügen bereitet hat und ich jetzt nicht einmal ein schlechtes Gewissen habe deswegen.

Gerald Hartinger Fine Arts

(Seilergasse 9/4)

VOKA, bis 19. Oktober

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Die Buntheit

zwischen den Farben

(cai) Die Ausstellung in der zs art galerie enthält nachweislich reizende Stoffe. ("Reizend" natürlich nicht wie "bezaubernd".) Besonders in den "Lichtkinetischen Collagen" aus den 1990ern sind sie drin. Was nicht heißt, dass diese Arbeiten von Edgar Knoop (und alles hier in dieser feinen Werkschau ist von ihm) mit einem Andreaskreuz gekennzeichnet werden müssten. Wie die Putzmittelflaschen. (Oder eigentlich inzwischen mit einem Rufzeichen. Seit der EU-Gefahrensymbol-Reform.) Obwohl sie bei Kontakt mit den Augen, also beim Anschauen, diese ziemlich irritieren können.