Formale Obsession: Georges Lacombes "Die violette Woge", 1896/97, erinnert an die berühmten Wellen von Kasushika Hokusai. - © Courtesy The George Economou Collection/Odysseas Vaharides
Formale Obsession: Georges Lacombes "Die violette Woge", 1896/97, erinnert an die berühmten Wellen von Kasushika Hokusai. - © Courtesy The George Economou Collection/Odysseas Vaharides

Nach den Weltausstellungen 1867 und 1878 in Paris und 1873 in Wien kam es zu einer Mode, die auch ein Missverständnis der fernen japanischen Kultur darstellt - aber ein sehr folgenreiches für die europäische Kunst: Der französische Kritiker Philippe Burty prägte dafür den Begriff "Japonismus" schon 1872.

Dieser dem Orientalismus und zuvor in Barock und Rokoko den Chinoiserien folgende Einflussbereich auf die in der Salonkunst erstarrende westliche Malerei hat dem Jugendstil, davor schon der rebellischen Künstlergruppe Nabis und dem Impressionismus, aber auch den expressionistischen Anfängen des "Blauen Reiters" auf die Sprünge geholfen. Sogar der Weg in die Gegenstandslosigkeit durch Wassily Kandinsky dürfte von den flachen Perspektiven, ungewöhnlichen Kompositionen, Ornamenten und Leerräumen in japanischer Grafik beeinflusst sein. Nur ein Grashalm von Katsushika Hokusai konnte Camille Pissarro völlig aus der Fassung bringen.

Erotik und Dämonen

Nach Japan reisten erste wissenschaftliche Delegationen, nachdem 1854 die Häfen für den Handel mit dem Westen geöffnet wurden. Sie kauften für ostasiatische Museen Exponate, doch die Künstler wollten in den seltensten Fällen direkten Kontakt. Emil Orlik gehört zu den wenigen Österreichern, die wirklich nach Japan reisten und dann selbst Farbholzschnitte anfertigten.

Während die Damen des gehobenen Bürgertums in Paris und Wien begannen, sich in Kimonos zu kleiden, Masken, Lackdosen, Geschirr oder Netsuke kauften, sammelten Künstler Variationen der bunten Farbholzschnitte. In der Ausstellung sind berühmte Zyklen von Ukiyo-e den Gemälden von Claude Monet, Edgar Degas und Vincent van Gogh gegenübergestellt, dabei sind die Landschaft und auch die Tänzerinnen Thema; an der Stirnwand zeigt sich die Pariserin von Alfred Stevens japanisch bekleidet.

Eine spezielle Intervention neben Tapetenwänden mit zarten Mustern bieten die Videofriese von Max Parovsky mit Elementen aus historischen Filmen über Japan, und Installationen von drei Gegenwartskünstlerinnen - Margot Pilz, Eva Schlegel und Stephanie Pflaum. Sie durchbrechen mit ihrer heutigen Sicht auf die Teehäuser und die streng patriarchalisch organisierte japanische Gesellschaft nicht nur den westlichen Irrtum um 1900, der den fernen Osten als feminine Kultur abkanzelte, sondern weisen auch auf die Geschichten hin, die in den Farbholzschnitten erzählt werden. Damalige Utopien werden heute nicht mehr hineingesehen. Die Erotik, das Alter und die Dämonen werden von Pilz politisch, von Schlegel und Pflaum mit irreführenden Spiegeln und heimgesucht von Geistern interpretiert.