Gleißende Erleuchtung: Bernardí Roig macht im Wittgenstein-Haus das Licht an ("The Big Head"). - © Mario Mauroner Contemporary Art
Gleißende Erleuchtung: Bernardí Roig macht im Wittgenstein-Haus das Licht an ("The Big Head"). - © Mario Mauroner Contemporary Art

Sogar die Ewigkeit

ist vergänglich

(cai) "Relative Nähe" heißt die Ausstellung. Wieso? Wie weit sind die drei sehr unterschiedlichen Positionen denn voneinander entfernt? Na ja, höchstens ein paar Meter. Die vertragen sich nämlich so gut miteinander, dass sie in der Galerie Ulrike Hrobsky gar nicht räumlich getrennt werden müssen. Und das, obwohl der eine "bastelt", klebt und verschnürt, der andere schweißt und die Dritte aus feinen Linien Zeichnungen webt.

Der Walter Weer erzählt in seinen brutalen und (auf ihre lapidare Weise) doch irgendwie sensiblen Objekten eigentlich Beziehungsgeschichten. Karton, Schnur, Zeitungspapier, Farbe, Schrift haben ein durchaus spannungsgeladenes intimes Verhältnis. Da wird kon- und destruiert, werden Rahmen gebaut und mit wilden Gerüsten gestützt, bis man erkennt, was die Kunst im Innersten zusammenhält. (Enthusiasmus?) Und wenn der Künstler einen interessanten Gedanken ("ewig ist vorläufig") auf etwas draufschreibt, das an ein mit Brettern vernageltes Fenster erinnert, dann ist das sowieso Poesie. Handfeste Poesie. Sogar die Ewigkeit ist also vergänglich.

Die Fläche erhebt sich in die dritte Dimension: Aus Stahlblech schweißt Jörg Bach ziemlich komplexe Körper zusammen, die man sich erst "erschauen" muss. Mit Neugier. Verschlingungen, Kumulationen. Und das Abschleifen der Kanten legt beim fertigen Produkt quasi die Entwurfszeichnung frei. Während der Raum in den fast grafischen Wandarbeiten zum Teil nur eine Illusion ist. Und Bettina Paschke verdichtet Tuschestriche diszipliniert zu delikaten Gespinsten. Okay, manches wirkt mehr wie ein Konditionstraining. Ach, und die weißen, an den Rändern mit Tusche vollgesogenen Papierklebebänder auf Plexiglas? Sinnlicher Minimalismus.

Die Präzision bleibt aber bei allen dreien immer menschlich.

Galerie Ulrike Hrobsky

(Grünangergasse 6)

"Relative Nähe", bis 27. Oktober

Mi. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Doppelt

so halb

(cai) Zuerst ein bissl Mathematik. Ein halber Haufen plus ein halber Haufen, ergibt das a) zwei halbe Haufen, b) einen ganzen Haufen oder c) zwei ganze Haufen? Richtig ist: c. Und wer’s nicht glaubt, muss sich eben die Ausstellung beim Mario Mauroner selber anschauen. (Kann man überhaupt einen "halben" Haufen machen? Ist ein Haufen nicht einfach ein Haufen?)