• vom 18.10.2018, 16:14 Uhr

Kunst

Update: 18.10.2018, 17:10 Uhr

Ausstellungskritik

Starkünstler hinter den Kulissen




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Belvedere präsentiert die letzte Egon-Schiele-Jubiläumsschau 2018 als Wege einer Sammlung.



Ein umstrittener Zeitgenosse der Zukunft ist Egon Schiele: Welche Wege Bilder wie "Tod und Mädchen" (1915) genommen haben, klärt die Schau im Belvedere.

Ein umstrittener Zeitgenosse der Zukunft ist Egon Schiele: Welche Wege Bilder wie "Tod und Mädchen" (1915) genommen haben, klärt die Schau im Belvedere.© Belvedere, Wien Ein umstrittener Zeitgenosse der Zukunft ist Egon Schiele: Welche Wege Bilder wie "Tod und Mädchen" (1915) genommen haben, klärt die Schau im Belvedere.© Belvedere, Wien

Das Belvedere besitzt heute noch 20 Werke von Egon Schiele: 16 Gemälde, drei Zeichnungen und ein Abguss der Bronzebüste des Selbstbildnisses aus dem Jahr 1980. Ein Gemälde und eine Zeichnung sind Dauerleihgaben, die früher vorhandenen Zeichnungskonvolute gingen im Zuge der durch das Ministerium 1918 beauftragten und von Hans Tietze durchgeführten Museumsreform zum Großteil an die Graphische Sammlung Albertina. Doch Kuratorin Kerstin Jesse konnte gemeinsam mit den Provenienzforscherinnen Monika Mayer und Katinka Gratzer-Baumgärtner mit neuen Beispielen die im Laufe des 20. Jahrhunderts getätigten Tauschgeschäfte spannend belegen und nachweisen, wer die ursprünglichen Privatsammler waren und welche Ankäufe getätigt wurden. In die Ausstellung und den Katalog ist das eingeflossen.

Wunschtraum Museum

Information

Ausstellung
Egon Schiele. Weg einer Sammlung
Kerstin Jesse (Kuratorin)
Orangerie Belvedere
Bis 17. Februar

Es zeigt sich mit dieser abschließenden Schieleschau im Gedenkjahr 2018, dass alles, was Menschen politisch oder ethisch vertreten und einzelne Museumsdirektoren gedacht haben, seine Folgen hat. Schiele selbst kommt mit vielen Archivalien, Briefen und seinen eigenartigen Prosagedichten, zu Wort: Er wollte seine Werke im Museum sehen, hatte beste Kontakte zu Direktor Franz Martin Haberditzl, der wie davor Friedrich Dörnhöffer erste Arbeiten ankaufte und Schenkungen übernahm. Die ehemalige Staatsgalerie war da voraus, nur noch das Gemeentemuseum in Den Haag kaufte 1928 auch ein Porträt von Edith Schiele an. Bei dem Wiener Exponat von 1918 gibt es die deutliche Übermalung der Bekleidung und die nicht beweisbare Anekdote, dass diese von Haberditzl erwünscht war.

Gemeinsam mit den Restauratorinnen Stefanie Jahn und Agathe Boruszczak konnte der erste Zustand des Bildes rekonstruiert und die Maltechnik der anderen Ölbilder akribisch untersucht werden, wobei Schieles Kreide-Grundierung an der expressiven Oberflächenwirkung deutlich mitwirkt und im Gemälde "Hauswand" sogar das Malen des Verputzes ersetzt. Edith Schiele hatte ein Oberteil in Orange und der Rock war kariert; dazu empfiehlt es sich, Jesses Texte zu Schieles engem Bezug zur Wiener Werkstätte zu lesen.

Haberditzl ließ sich auf Wunsch des Malers porträtieren, kaufte dieses Gemälde privat an - schließlich ist es durch Direktor Gerbert Frodl als letzter großer Ankauf 2003 ans Belvedere gekommen. Frodl stellte auch das umstrittene Tauschen als international verpönte Praxis ein. Festgeschrieben in einem österreichischen Gesetz ist das allerdings bis heute nicht.

Die Wege der Bilder

Nach dem frühen Tod des Künstlers ging ein Teil des Nachlasses 1919 zur Verwahrung ans Belvedere. Schieles Schwager, der Maler Anton Peschka hat, wie nun Archivalien belegen, tatsächlich Gemälde wie "Die Eremiten" sozusagen fertiggestellt und Blätter farbig verändert.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-18 16:24:47
Letzte Änderung am 2018-10-18 17:10:38



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