Pandas sind für einiges gut. Unter anderem auch zur Veranschaulichung dafür, dass Schönheit nicht nur Vorteile hat. Der Pfau fällt mit seinem schillernden Schwanz sogar einem behäbigen Panda auf. Der den Pfau dann frisst. Aber evolutionär gesehen geht der Pfau das Risiko, vom Panda gerupft zu werden, getrost ein - weil das Gefieder ihm auch eine prächtige Gefährtin bringen kann. Schönheit als Abwägung.

Gar nicht so unterschiedlich zum Rad des Pfaus ist eine Aktion, die Stefan Sagmeister und Jessica Walsh einmal in Amsterdam gestaltet haben. Ein Platz sollte attraktiver gemacht werden, der Bürgermeister hatte 6000 Euro Budget dafür. Sagmeister und Walsh tauschten das Geld auf 600.000 Ein-Cent-Münzen und ließen ein Bodenbild damit legen: "Obsessions make my life worse and my work better", stand da schließlich in kupferglänzenden, ornamentalen Lettern. Ein Sinnspruch als Test, ob Passanten die Schönheit anerkennen und ihr zu Gunsten oder zu Ehren hintanstellen, dass hier ein beträchtlicher Geldwert frei zugänglich am Boden liegt.

Vor drei Jahren zeigte Stefan Sagmeister im MAK seine "Happy Show", nun ist der einst als Grafikdesigner etwa für die Cover der Rolling Stones Berühmtgewordene mit "Beauty" zurückgekehrt. Zusammen mit Jessica Walsh untersucht er die Schönheit - weniger aus einem philosophischen Ansatz (obwohl auch der nicht fehlt), mehr aus dem Verständnis des (Gebrauchs-)Grafikers, dem die Forderung "Die Form folgt der Funktion" zu wenig ist.

Obligate Selfiestation

Wie schon bei "The Happy Show" ist ein spielerischer Parcours herausgekommen. Zur Eintrittskarte gibt es Papiermünzen, mit denen man bei Stationen etwa über die schönste Landschaft, die schönste geometrische Form oder die schönste Farbe abstimmt. Am Pressetag lag bei den Farben übrigens Braun voran. Es gibt interaktive Stationen, unter anderem eine Fotoecke, in der man sich via Greenroom-Verfahren "schön" anziehen und das Selfie in Sozialen Medien teilen kann. Man kann Merchandising gestalten, indem man eine Tasche mit mandalaartigen Ornamenten bedrucken lässt. Diese Station zeigt, dass Schönheit viel mit Symmetrie zu tun hat - was auch jahrtausendealte Steinbeile beweisen: Warum hat der Vorfahre des Menschen auf Schönheit des Werkzeugs Wert gelegt - wenn doch ein Säbelzahntiger auch mit einem schiachen Stein erlegt werden kann?

Schöne Gemeinsamkeiten

Sagmeister und Walsh konzentrieren sich vor allem auf zwei Erzählstränge. Zum einen treten sie an zur Widerlegung von "Schönheit liegt im Auge des Betrachters". Sie betonen die weltweiten Gemeinsamkeiten im Schönheitsempfinden. Beeindruckend ist dabei vor allem ein Video, das einen Alzheimerpatienten bei einem Test zeigt. Sechs Kunstkarten soll er nach seinem Verständnis von Schönheit ordnen. Nach zwei Wochen wird der Test wiederholt, er kann sich an den ersten genauso wenig erinnern wie an seinen Namen. Doch die Karten ordnet er genau wie vor zwei Wochen.

Zum anderen durchlaufen sie die Entwicklung der Schönheit in Design und Kunst. Bücherstapel illustrieren die Beliebtheit des Begriffs: Den Höchststand hatte er um 1840, am seltensten war es schön um 1980. Adolf Loos wird in die Pflicht genommen: Sein "Ornament ist Verbrechen" sei schuld daran, dass langweilige Gleichförmigkeit durch die Städte wabere. Die Schau stellt zur Veranschaulichung die trostlosen, rein funktionellen U-Bahnstationen Münchens den üppigen Konterparts in Moskau gegenüber.

Nur das sogenannte Schönheitsarchiv ist etwas unmotiviert geraten - dafür kann man im selben Raum via VR-Technologie Skulpturen in Parallelwelten pinseln. Wie immer lohnt es sich, bei Sagmeister genau hinzuschauen. Etwa auf einen Feuerlöscher - ist er schöner, wenn er mit Perlen von mexikanischen Indios bestickt wurde? Ja, das kann man wohl sagen. Ist das nötig? Warum eigentlich nicht.

An einer Stelle macht Sagmeister etwas aufdringlich Werbung für seine Agentur und ihr gelungenes Branding für eine Datensicherheitsfirma. Gleichzeitig macht das auch klar, worin Sagmeisters größte Stärke für das MAK liegt: Mit seinen publikumsnahen Shows öffnet er das Museum weiter als mit herkömmlichen Ausstellungen. Das ist doch auch schön.