Wer hat den Papst geköpft? (In Vincenzo Camuccinis Gemälde.) Gerlinde Miesenböck! - © Gerlinde Miesenböck, Courtesy Galerie Reinthaler
Wer hat den Papst geköpft? (In Vincenzo Camuccinis Gemälde.) Gerlinde Miesenböck! - © Gerlinde Miesenböck, Courtesy Galerie Reinthaler

Glatzen streicheln

(cai) Das könnte wirklich jeder sein. Nein, natürlich handelt es sich bei dem, was in der Galerie Hilger auf den Sockeln herumsteht, schon immer um einen Avramidis. Unverkennbar. Aber ansonsten, also außer dass man den Künstler meist auf Anhieb erkennt, lassen sich an diesen stark abstrahierten Köpfen keine besonderen Merkmale ablesen. Wie das Geschlecht zum Beispiel.

Okay, in einem Fall geht das problemlos: männlich. Sogar auf den Beruf kommt man locker drauf. Weil man halt weiß, dass der Roland Rainer (und der ist hier echt gut getroffen) Architekt war. Dafür sieht die Skulptur mit ihrer unruhigen Oberfläche dem Avramidis nicht sehr ähnlich. Bekannt ist Joannis Avramidis (1922 - 2016) jedenfalls für seine quasi allgemeingültigen Figuren, für die ausgewogenen, fulminant einfachen, rundlichen Formen, die Symmetrie und Harmonie. Klar und schlicht und trotzdem ist alles gesagt. Den letzten Satz könnte man über den Ausstellungstitel ja ebenfalls schreiben: "Köpfe." Ganz auf die Beschäftigung des griechisch-österreichischen Bildhauers mit dem oberen Ende des Körpers konzentriert sich diese gelungene Schau, die, ergänzt durch Skizzen und Vorarbeiten, die ausgeklügelte Konstruktion nachvollziehbar macht, den mathematischen Kern dieses unverwechselbaren Oeuvres. Im Kunstharz bleibt sogar das strenge Alu-Skelett sichtbar. Und der "Rhombus-Kopf" ist sowieso Edelstahl gewordene geometrische Präzision, ein scharfkantiger Verstand, ein Intellektueller.

Naturstudien auf Papier waren für Avramidis freilich genauso wichtig. Etwa Roland Rainer bis zur Kenntlichkeit zu porträtieren. Die glatten Glatzköpfe (meist aus Bronze) zu begrapschen, ist übrigens auch völlig natürlich. Der eckige "Rhombus-Kopf" törnt aber vielleicht mehr die Augen als die Hände an.

Galerie Ernst Hilger
(Dorotheergasse 5)
"Köpfe", bis 10. November
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 16 Uhr

Caput kaputt

(cai) Ein Porträt ohne Gesicht? Ist das überhaupt noch ein Porträt? Na ja, kommt wahrscheinlich auf das Bild an. Was sonst noch so drauf ist. Auf 15 altmeisterlichen Gemälden dieses Genres, alle aus dem Kunsthistorischen Museum, sind jetzt jedenfalls die Physiognomien nimmer zu sehen. Und eigentlich zeigen die Dargestellten gar keine Haut mehr. Ach, hat das was mit dieser "Islamisierung des Abendlandes" zu tun? Nein, eh nicht. Das ist nicht der Islam, das ist Kunst. Außerdem sind die Männer gleichermaßen betroffen.